• Buchtipp | "Die Optimisten" von Rebecca Makkai: Ein Bestseller, übersetzt in Potsdam

Buchtipp | "Die Optimisten" von Rebecca Makkai : Ein Bestseller, übersetzt in Potsdam

Der Roman „Die Optimisten“ von Rebecca Makkai wurde in Amerika bereits mehrfach ausgezeichnet. Nun erschien er auch in deutscher Sprache, übersetzt von der Potsdamerin Bettina Abarbanell. 

Bettina Abarbanell vor ihrem Haus in Potsdam.
Bettina Abarbanell vor ihrem Haus in Potsdam.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Einen sehr zugänglichen „Pageturner“. So nennt Bettina Abarbanell den Roman „The Great Believers“ der amerikanischen Autorin Rebecca Makkai. Deswegen habe sie sich auch dafür entschieden, ihn ins Deutsche zu übersetzten. „Ich habe mich da sofort eingelesen, war sehr begeistert von den Charakteren, da fällt eine Identifikation leicht“, sagt die Potsdamer Literaturübersetzerin. Ende März erschien die deutsche Version des Romans unter dem Titel „Die Optimisten“ im Eisele Verlag.

Es ist der dritte Roman von Rebecca Makkai. Ihr erster Roman „Ausgeliehen“ erschien 2011 – übersetzt von Mirjam Pressler – bei Ullstein ebenfalls in deutscher Sprache, doch erst mit dem aktuellen Buch gelang ihr in Amerika der Durchbruch: Es wurde ein New-York-Times-Bestseller, schaffte es sowohl auf die Shortlist des Pulitzer Prize als auch des National Book Award und wurde mit der Carnegie Medal sowie dem Los Angeles Times Book Prize for Fiction ausgezeichnet. Darüber hinaus ist eine auf dem Roman basierende TV-Serie in Vorbereitung.

Der Aids-Ausbruch in den 1980er Jahren

Als es darum ging, den Roman auch in Deutschland verlegen zu lassen, war von diesem Erfolg allerdings noch nichts zu spüren, wie Bettina Abarbanell erzählt: „Kein Verlag wollte das Buch, die werden sich jetzt wahrscheinlich sehr ärgern.“ Julia Eisele, die Gründerin des Eisele Verlags, habe dann das richtige Gespür gehabt. Sie war es auch, die auf Abarbanell wegen der Übersetzung zukam. „Wir kannten uns vorher gar nicht, aber sie meinte, das wäre ein Buch für mich.“ Und sie behielt Recht.

Erzählt wird zum einen von dem großen Aids-Ausbruch im Chicago der 1980er-Jahre. Der junge Kunstexperte Yale ist dabei, eine spannende Sammlung für seine Galerie zu gewinnen und gleichzeitig damit konfrontiert, dass viele seiner Freunde erkranken und versterben. Parallel dazu wird von Fiona erzählt, die 2015 in Paris nach ihrer Tochter sucht. Nach und nach fächert Makkai auf, was die beiden Figuren verbindet, wie lange die Ereignisse in den 80ern noch nachhallen und welche psychologischen Auswirkungen sie haben.

Liebevoller, kluger Humor

Bettina Abarbanell war in den Jahren 1982/1983 selbst in Amerika und hatte Freunde, die ebenfalls betroffen waren: „Das war schlimm und auch die Reaktionen der Reagan-Regierung, die im Buch ebenfalls erwähnt werden, waren ganz furchtbar“, erzählt sie. Auch deswegen sei sie so überzeugt von dem Roman gewesen, der trotz aller Ernsthaftigkeit sehr lebensbejahend mit dem Thema umgehe. „Natürlich ist es teilweise sehr traurig, aber nie richtig deprimierend, ich musste auch viel lachen, besonders bei den Dialogen.“

Tatsächlich sind diese voll mit liebevollem, klugem Humor, aber auch voller poetischer Alltagsphilosophie. Das Faszinierende: Der Stil der 80er-Jahre-Passagen unterscheidet sich von den Kapiteln, die 2015 spielen. Sie klingen altmodischer, erinnern teilweise an John Irving oder andere amerikanische Autoren der Zeit. Abarbanell gelingt es dabei sehr gut, den Originalton des Romans zu behalten und dennoch ihren eigenen zu finden. Daran arbeite sie immer sehr lange, erzählt sie.

Parallelen zu Corona drängen sich auf

Einige Sätze des Romans lesen sich in Bezug auf die derzeitige Corona-Pandemie erschreckend aktuell. „Woher wollen wir wissen, dass wir nicht alle Teil einer Verschwörung unserer Regierenden sind, die sich das Virus überhaupt erst ausgedacht haben?“, heißt es beispielsweise an einer Stelle. Oder an einer anderen: „Glaubte er, so naiv, wie Julian es immer getan hatte, dass jeden Moment jemand verkünden würde, er habe ein Heilmittel gefunden? Nein. Bisher war das alles nur ein Stein, der noch nicht gesunken, der gerade erst auf der Oberfläche des Teichs aufgeschlagen war.“ Als Abarbanell den Roman übersetzte, war das Corona-Virus allerdings noch kein Thema. „Das Thema drängt sich jetzt beim Lesen auf, aber letztendlich war die Situation eine ganz andere“, sagt sie.

Die Ungewissheit, die damals herrschte, empfinde sie allerdings auch momentan als belastend. „Mein Sohn ist Tänzer, alle seine Aufträge sind weggebrochen“, erzählt sie. Auch um ihre Eltern sorge sie sich. Davon abgesehen gehe es ihr persönlich aber sehr gut. „Meine Arbeitssituation hat sich nicht geändert, ich sitze weiterhin am Schreibtisch und übersetze, steige in reichhaltige Innenwelten ein“, sagt sie. Ihr Mann, der Journalist und Schriftsteller Stephan Abarbanell, sei aktuell  ebenfalls im Home Office. „Das funktioniert gut mit uns beiden hier.“

Die Übersetzung dauerte ein halbes Jahr

Derzeit arbeitet Abarbanell an dem neuen Buch von Jonathan Franzen, das im Herbst 2021 sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch erscheinen soll und der erste Teil einer Trilogie sein wird. Werke von Franzen übersetzt sie regelmäßig, genauso wie von Rachel Kushner, von der ebenfalls bald ein weiteres Buch auf ihrem Schreibtisch liegen wird. „Ich habe Arbeit für die nächsten zwei Jahre, damit fühle ich mich schon sehr privilegiert“, sagt sie.

Ungefähr 100 Seiten übersetzt Bettina Abarbanell im Monat, für „Die Optimisten“ brauchte sie circa fünf bis sechs Monate. Gute 600 Seiten umfasst nun die deutsche Romanversion. Solche Längen ist die Potsdamer Literaturübersetzerin bereits gewöhnt. Jonathan Franzens Bücher beispielsweise  sind oft ähnlich lang und zudem sprachlich sehr komplex, wie sie erzählt. „Die Sprache hier ist hingegen nicht so schwierig, ich konnte da sofort richtig gut einsteigen.“


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