Kultur : Brillenschau

Fotoausstellung über Alltag in Kambodscha

Astrid Priebs-Tröger

Vor allem alte Menschen mit Brillen verschiedenster Modelle und Stilrichtungen, ein schrottreifer Ambulanzwagen mit Sehtest-Tafeln an den Seiten und immer wieder Kinder, die mit großen Augen in die Kamera gucken: Das und vieles andere aus dem Alltag in Kambodscha ist auf großformatigen Farbfotos seit letzter Woche im Brandenburger Landtag auf dem Brauhausberg zu sehen.

Bereits zum dritten Mal flogen Anfang Februar sechzehn Berliner Augenoptik-Studenten mit 4000 Brillen im Gepäck nach Phnom Penh, um mittellose Menschen in der kambodschanischen Provinz mit den dringend benötigten Sehhilfen kostenlos zu versorgen. Die Studenten sammelten in Deutschland in ihrer Freizeit alte Brillen, arbeiteten diese in ihrer Ausbildung auf und reisten während der Semesterferien für zwei Wochen in das ferne asiatische Land, das zu den ärmsten der Welt zählt. Vor Ort stellten sie mit einfachen Tests, in Zusammenarbeit mit einheimischen Krankenschwestern, die Sehschärfe von über 2500 Patienten fest und konnten dann mehr als 1000 Brillen an ihre neuen Besitzer übergeben.

Diese sind dann auch auf den Fotos, die die Berliner in ihrer Freizeit schossen, zu sehen: So die zwei alten Männer, die mit großer Grandezza die gespendeten Sehhilfen zufrieden auf ihren Nasen haben – der eine ein Kassenmodell aus den 80ern und der andere sichtlich stolz ein randloses Designermodell, das auch hierzulande fast noch als letzter Schrei durchgehen würde. Oder der etwa dreijährige Junge in der Schlafanzugjacke, der mit einer riesigen runden Brille à la Harry Potter sehr aufmerksam in die Welt schaut. Und nicht zuletzt „Coolman“, ein ebenfalls älterer Mann mit Turban, blauem Uniformhemd und schwarz geränderter Designerbrille im braungebrannten, stoppelbärtigen Gesicht, mit einem Blick, der an den Dramatiker Heiner Müller erinnert.

Die Fotos zeigen Momentaufnahmen des kambodschanischen Alltags, der neben vielen Entbehrungen und materieller Not, auch eine große Kraft und Ursprünglichkeit der Bevölkerung spiegelt. Davon fühlen sich auch die deutschen Hobbyfotografen sichtlich angezogen.

Und so kann man in dieser Ausstellung die Erfahrung machen, dass Geben und Nehmen zusammengehören und beide Partner bereichert werden. Denn es ist nicht nur zu sehen, dass die Beschenkten jetzt klarer in ihre Zukunft sehen, sondern dass auch die Geber sehr viel von dem Projekt für ihr eigenes Leben mitgenommen haben: Berufs- und Auslandserfahrungen. Freundschaft inklusive.

Die Fotos sind nicht nur zum Anschauen im Landtag. Man kann sie für 25 Euro auch käuflich erwerben. Der Erlös kommt in vollem Umfang dem nächsten Projekt zugute, das sich, wie alle anderen vorher auch, ausschließlich aus Spendengeldern finanziert. Und wer noch eine ausgediente Brille zu Hause hat, kann diese zu den Geschäftszeiten des Landtages dort abgeben und vielleicht sieht er sie dann in der nächsten Fotoschau auf einer kambodschanischen Nase wieder. Astrid Priebs-Tröger

bis 20. Januar 2006, montags bis freitags 7.30 Uhr bis 16 Uhr

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