• „Brandenburg liest“: Sechs Stunden, acht Autoren, ein Bundesland

„Brandenburg liest“ : Sechs Stunden, acht Autoren, ein Bundesland

Foto: Britta Pedersen/dpa

„Big Names und wenig Brandenburg“ – so beschreibt Henrik Röder vom Brandenburgischen Literaturbüro rückblickend die Anfänge des Lesemarathons „Brandenburg liest“. Im Jahr 2000 gründeten er und der Potsdamer Buchhändler Carsten Wist die Vorgänger-Veranstaltung, damals noch in der „Blechbüchse“ am Alten Markt, unter dem Namen „Brandenburgische Literaturnacht“. Christa Wolf kam, Volker Braun, auch Maxim Biller – große Namen, wenige Brandenburger. Und es kamen zu wenige Zuschauer. Nach einer Pause 2012 dann der Neuanfang in der Villa Quandt: große und kleine Namen. Und vor allem viel Brandenburg.

Am morgigen Samstag lädt das Brandenburgische Literaturbüro nun zum inzwischen dritten Mal zu der langen Nacht des kollektiven Lesetaumels zu sich in die Villa Quandt: Ab 18 Uhr lesen hier acht Brandenburger Autoren aus neuen und teilweise noch unveröffentlichten Werken. Sechs Stunden lang, um Mitternacht erst soll Schluss sein.

Dass Brandenburg viel mehr und viel überraschender ist, als man zunächst denken mag, zeigt die Liste der Beitragenden: eine Mischung aus alten Bekannten und neuen Stimmen. Zu Ersteren gehört die bekannte Potsdamer Autorin Julia Schoch, die einen Auszug aus dem erst im Februar 2018 erscheinenden Roman „Schöne Seelen und Komplizen“ lesen wird. Wie sie im PNN-Gespräch bereits blicken ließ, wird der Roman thematisch die Wendezeit umkreisen – und die Frage stellen, was 30 Jahre danach aus den Menschen und ihren Träumen geworden ist. Auch dabei ist die US-amerikanische Autorin Nell Zink („Mauerläufer“, 2016), die seit 2013 in Bad Belzig lebt, und natürlich der vielfach preisgekrönte Lyriker und „Kruso“-Autor Lutz Seiler. Auch er wird Einblick in seinen zweiten, gerade entstehenden Roman geben. „Meine Wohnung“ heißt das Kapitel, ein Mittelteil des neuen Werks.

Neben den genannten bekannten Brandenburgern ist aber auch, und hier beginnen die Überraschungen, Harald Martenstein, eingeladen. Martenstein dürfte Lesern dieser Zeitung als Kolumnist bekannt sein, hat aber auch ein Haus in der Uckermark, was ihn für das Qualitätssigel „Brandenburger“ qualifiziert. Eine weitere Überraschung ist Bärbel Dalichow, die über zwanzig Jahre das Potsdamer Filmmuseum leitete und 2014 im Selbstverlag ihre sehr persönlichen Aufzeichnungen „Abseits mit Montaigne“ herausbrachte – die, so sagt es Henrik Röder, nie für die große Öffentlichkeit bestimmt waren. Umso wertvoller, dass die Autorin morgen daraus lesen wird.

Wertvoll ist auch, dass in diesem Jahr drei Neuentdeckungen dabei sind: Der junge Potsdamer Autor Ferenc Liebig (Jahrgang 1983) wird aus seinem Kurzgeschichtenband „Die Guten werden gehen“ lesen. Die Ex-Berlinerin Paula Schneider, die seit einigen Jahren in der Nähe von Jüterbog lebt, hat mit „Bleib bei mir, denn es will Abend werden“ 2016 einen berührenden Text darüber vorleget, wie Liebe im Alter, und auch im Altenheim, fortlebt. Einen weiteren Einblick in noch Unveröffentlichtes gibt hingegen der Potsdamer Autor Sven Stricker mit „Mensch, Rüdiger!“, das erst im August im Rowohlt-Verlag erscheinen wird.

Wer wann genau liest, steht absichtlich nicht im Programm: Man soll sich auf alles und alle einlassen, sagt Henrik Röder. Nicht nur die Big Names. Ganz recht: Mit zuviel Überblick wäre das Ganze ja auch kein Taumel mehr. Die Karten für den Marathon kosten 12, ermäßigt 10 Euro. Lena Schneider

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