• Blech auf Holz: Cross-Over- Christmas Potsdamer Turmbläser und Meier’s Clan

Kultur : Blech auf Holz: Cross-Over- Christmas Potsdamer Turmbläser und Meier’s Clan

Christina Siegfried

Es ist ein respektvolles sich Aufeinander-Einlassen – zur Freude ihrer Fans und Anhänger, die am vergangenen Adventswochenende wieder einmal die Gelegenheit nutzten, „Blech“ auf „Holz“ ganz weihnachtlich miteinander zu erleben. Das mittlerweile schon traditionelle Weihnachtskonzert von Meier’s Clan und den Potsdamer Turmbläsern hatte sie in wahrlich hellen Scharen in die Nikolaikirche gelockt, deren lange dunkle Bänke dicht an dicht besetzt waren. Die festlich, fast familiäre Atmosphäre passte ebenso wie das Schneetreiben, das eine knappe halbe Stunde vorher eingesetzt hatte. „Vom Himmel hoch“ tönten die Turmbläser höchst feierlich, das knapp einstündige Programm eröffnend, von der Empore herab, gefolgt von den im Kirchenraum verteilten vier Saxophonen, die eine bewegliche Improvisation über den Choral „Du hast uns, Herr, gerufen“ spielten.

Der satte, weiche, fast archaisch wirkende Klang des Chorals und die sich aus ihm herausschälenden jazzigen Strukturen kündigten an, dass hier ein Konzert im Advent seinen Anfang nahm, das sich mit herzerfrischender Freudigkeit zwischen Besinnlichem und Unterhaltendem bewegen wollte. Hat Georg Friedrich Händel dem Einzug seiner Königin von Saba schon einen faszinierenden inneren Drive „einkomponiert“, so zog die Schöne denn in den Potsdamer Kirchenraum mit elegant swingendem Hüftschwung ein. Das durchaus virtuose Stück lotete in dem von den neun Musikern gespielten Arrangement die unterschiedlichen Klangschattierungen genüsslich aus, wie übrigens alle Kompositionen und Bearbeitungen dem vereinten Ensembles auf den Leib geschrieben waren – ob dies nun Originale wie die Weihnachtpastorale „Macht hoch die Tür“ von Giesbert Näther und der „Abspann“ von Ralf Benschu waren, oder aber die charakteristischen Versionen von Bachs „Agnus dei“, von den Turmbläser allein interpretiert, oder des „Abendsegens“ aus Humperdincks „Hänsel und Gretel“. Wie ging einem da das Herz auf und mindestens die zwölf Engel erstanden einem vor dem inneren Auge neben allen Heiligen im hohen Kirchenrund.

Die Herzen aller vermochte dann aber ein kleiner Trompeter aufzuschließen: Der 10-jährige Paul Wacker spielte in wahrlich bewundernswerter Weise seine beiden Soli in „Tochter Zion“ und „Stille Nacht“. Ein klarer, runder Ton, ein sauberer Ansatz – man darf gespannt sein, was von diesem Talent noch zu hören sein wird. Bravo! Doch auch ein Bravo den erwachsenen Begleitern und dem ungenannten Arrangeur der beiden Sätze.

Mit „English Man in New York“ von Sting und „Coulter Geist“ war dann jeglicher Weihnachtsseligkeit eine erheiternde Absage erteilt. Leicht und stimmig das eine von Meier’s Clan allein gespielt, mit einem wunderbaren Solo von Ralf Benschu am Schluss, zeigte das quasi fein-melancholisch-federnd-tänzerische Perpetuum mobile von Coulter, dass Moll nicht automatisch traurig sein muss – im Gegenteil.

Mit dem abschließenden „Weihnachtsliedermedley“ war dann der passende „Rausschmeißer“ gefunden, der die Zuhörer heiteren Gemütes in den adventlichen Vorabend entließ.

Christina Siegfried

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