Kultur : Blau, Gelb oder Schwarz?

Die Friedrich-Naumann-Stiftung diskutiert die Farbe der Freiheit und zeigt Bilder von Simone Westphal

Richard Rabensaat

Es sind die Farben, die den Bildern von Simone Westphal ihren Reiz verleihen. Meist warm, ausgewogen, häufig von Licht durchdrungen. Sie hängen im Atrium der Friedrich-Naumann-Stiftung in Potsdam. „Welche Farbe hat die Freiheit?“, hatte die Stiftung in einer Veranstaltung am Donnerstag gefragt. Bernd Schüler, Soziologe und Fachwissenschaftler für Farbdeutung, kommt zu dem Schluss: Es gibt keine genau festgelegte Farbe der Freiheit. Der Bundesvorsitzende der FDP, Christian Lindner, sei nicht besonders glücklich über die Wahl seiner Partei gewesen, Blau und Gelb als neue Parteifarben zu wählen. Anders als die Marketing Agentur die, das vorgeschlagen hatte, so Schüler. Schwer vorstellbar sei auch, Schwarz als Freiheitsfarbe zu wählen, obwohl der sogenannte Schwarze Block, der sich in den Hamburger Krawallen hervorgetan hat, das wohl so sehen würde. Überhaupt gebe es keine eindeutige Konnotation von Farben. Selbst Gelb, das ja gemeinhin mit Sonne und Glück assoziiert werde, sei auch als Farbe des Judensterns der Nazis und zur Kennzeichnung von Seuchen und gesellschaftlich Ausgestoßenen genutzt worden.

Auch in den Bildern der Künstlerin Simone Westphal geht es um Farben – und den Menschen in seiner Vielfältigkeit. Der Mensch steht im Mittelpunkt der Bilder, nicht als Individuum, sondern als Figur im weiten Raum. Die Freiheit des Einzelnen, seine Möglichkeiten sich ungezwungen und unbeschwert zu bewegen, ist eines der Themen Westphals.

Vor zwei Jahren hatte die Stiftung zusammen mit dem Brandenburgischen Verband Bildender Künstler und Künstlerinnen (BVBK) eine Kooperation gestartet und Künstler eingeladen, sich für Ausstellungen im Atrium der Stiftung zu bewerben. Die Arbeiten von Simone Westphal bilden zunächst einmal die letzte Ausstellung im Rahmen der Reihe. „Schaukeln“, lautet der Titel eines der Bilder. Ein Kind mit hoch aufgeworfenen Beinen, die gen Himmel vor einem roten Hintergrund zielen, ist zu sehen. Der Haltung der Figur ist zu entnehmen, dass sie auf einer Schaukel sitzt. Die Leinen, an denen das Schaukelbrett hängt, sind nicht zu erkennen. „Ich wollte dem Betrachter ein Rätsel aufgeben und ihn so in das Bild hineinziehen“, sagt Westphal. Auch andere Bilder sollen den Betrachter zum Denken anregen. „Doppelt oder ganz“ zeigt die Beine einer Figur, deren vollständiger Körper nur in der Spiegelung im Wasser auftaucht. „Das habe ich gemalt, als meine Tochter mir eine Spiegelung gezeigt hat und mich fragte, was eigentlich wirklich ist: die Spiegelung oder Mensch“, so Westphal.

Eine Besonderheit im Werk der Künstlerin sind ihre Arbeiten auf Papier. Hierfür zerreibt sie die Rinde von Maulbeerbäumen und mischt daraus einen Sud, der dann auf Sieben zu handgeschöpftem Papier ausgebreitet wird. Fasern, die nicht zerkleinert worden sind, werden zu Bildern von Bäumen auf das Papier gelegt. So erhalten die Papierarbeiten der 1971 in Trier geborenen Malerin eine besondere Haptik. Gelernt hat sie die Technik nach ihrem Studium in Köln und an der Hochschule für Bildende Künste an der Saar bei einem Studienaufenthalt in den Vereinigten Staaten. Häufig zeigt Westphal Menschen im Wasser: eine Frau, die mit weitem Schwung ihren Kopf aus dem Wasser hebt, Hände die aus einer Wasserfläche ragen und eine Figur halten. Wasser sei ein Leben spendendes Element, das aber auch nicht wirklich greifbar ist und in dem die Umrisse und Konturen der Figur verschwinden können, kommentierte die Kunsthistorikerin Hildegard Rupeks-Wolter am Donnerstag. Ohne die Malerei und die Reflexion über die Themen, die sich in den Bildern von Westphal finden, könne die Künstlerin nicht leben. Richard Rabensaat

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