• Bilder einer Generation: Potsdamer Gesichter

Bilder einer Generation : Potsdamer Gesichter

Fotograf Michael Lüder hat dem Potsdam Museum elf Porträtaufnahmen geschenkt.

Kastellan Jörg Kirschstein (Ausschnitt).
Kastellan Jörg Kirschstein (Ausschnitt).Foto: Lüder

Potsdam - Den Blick, den der Fotograf auf ihn richtet, erwidert Rainer Simon auf seine ganz eigene Art: Mit Daumen und Zeigefinger formt er vor seinem Auge ein Guckloch und imitiert gewissermaßen sein Gegenüber. Sowie sein eigenes Metier. Das Schwarz-Weiß-Porträt zeigt den Potsdamer Regisseur im Jahre 2015. Es handelt sich dabei um eine von insgesamt elf Fotografien, die der Potsdamer Fotograf Michael Lüder am Donnerstag in seinem Atelier im Rechenzentrum dem Potsdam Museum als Schenkung übergeben hat.

Im Herbst vergangenen Jahres stellte der Künstler unter dem Titel „Sans Femmes“ im Kunsthaus Sans Titre 52 Bilder aus seiner Reihe der Männerporträts aus. Das Potsdam Museum sowie der Förderverein des Potsdam Museums hätten ihn sehr bei der Vorbereitung der Ausstellung unterstützt, sagte er am Donnerstag. „Als Gegenleistung freue ich mich, einen Teil zurückgeben zu können“, sagte Lüder. Die ausgewählten Porträts zeigen Männer aus unterschiedlichen Bereichen. Darunter sind Persönlichkeiten wie Jörg Kirschstein, Kastellan im Schloss Babelsberg, Tobias Wellemeyer, ehemaliger Intendant des Hans Otto Theaters, oder die Maler Peter Rohn und Menno Veldhuis. Lüder hat neben Künstlern auch Männer wie den Landwirt Udo Beuster oder den Inselgärtner Jörg Näthe porträtiert.

„Wir haben zu vielen Fotografierten ganz enge Bezüge“, sagte Jutta Götzmann, Direktorin des Potsdam Museums. Es seien die Menschen unserer Zeit, betonte Susanne Fienhold Sheen vom Förderverein des Potsdam Museums. Götzmann erklärte, sie schätze außerdem das breite Spektrum der Porträts sowie die unterschiedlichen Formate mit zum Teil enger Begrenzung auf das Gesicht. Die Bilder des Fotografen gehen nun in die Sammlung des Museums ein und ergänzen den Bestand bereits vorhandener Arbeiten von Lüder. „Wir stocken nur auf“, sagte Götzmann.

Die Sammlung enthält außerdem Porträtaufnahmen anderer zeitgenössischer Potsdamer Fotografen wie Monika Schulz-Fieguth, Göran Gnaudschun oder Jürgen Strauss. Wann und in welcher Form Lüders Arbeiten im Potsdam Museum zu sehen sein werden, stehe bislang noch nicht fest, sagte die Museumsdirektorin. Derzeit sei das Haus vor allem mit seiner Neuausrichtung und der Umstrukturierung des Depots beschäftigt.

Für Michael Lüder, der an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig studiert hat, ist die Porträtfotografie bereits seit vielen Jahren Schwerpunkt seiner Arbeit. Seit drei Jahren beschäftigt er sich nun insbesondere mit Männerporträts. „Die Arbeit damit ist noch nicht beendet“, so der Fotograf. Mit den Bildern wolle er einen Teil seiner Generation zeigen, „ein Zeitdokument festhalten“, beschreibt er es. „Für nachfolgende Generationen.“