• Ausstellung im Rechenzentrum Potsdam: Meditative Konzentration

Ausstellung im Rechenzentrum Potsdam : Meditative Konzentration

Die Kunst von Barbara Illmer und Beate Simon eint ihre Hingabe an Rhythmus und Klangfarben. Derzeit sind die Bilder der beiden gemeinsam im Rechenzentrum zu sehen.

Richard Rabensaat
Eingesammeltes. Barbara Illmer nennt ihre Objekte, wie dieses Netz mit den zerrissenen Herzen, „zoomorphe Formen“. Sie treffen auf die Pinselschwünge Beate Simons. F.: A. Klaer
Eingesammeltes. Barbara Illmer nennt ihre Objekte, wie dieses Netz mit den zerrissenen Herzen, „zoomorphe Formen“. Sie treffen auf...

Potsdam - An dünnen Fäden in der Luft schwebend sind 17 Kegel aufgereiht. Aus Papier gefertigt, nicht ganz gleichförmig, hängen die Papiergebilde in der Luft. Einer der Kegel aber fügt sich nicht in die Reihung. „Irgendetwas tanzt immer aus der Reihe“, sagt die Künstlerin Barbara Illmer. Die kleinen Widrigkeiten, aber auch die immer weiterführende Entwicklung von Organischem und Biologischem interessieren sie.

Im Kunsthaus Rechenzentrum zeigt sie derzeit selbst gefertigte Papierobjekte. Diese korrespondieren mit der Malerei von Beate Simon, die meist hinter Glas gerahmte Tuschezeichnungen präsentiert. Häufig sind die Objekte von Illmer aus kleinteiligen Papierlagen gefertigt, die sich übereinanderschichten und zu neuen Formen verdichten. Die Bilder von Simon entstehen aus der Bewegung und dem Pinselschwung heraus. Die zwei so verschiedenen Arbeitsweisen ergänzen sich, denn die Arbeiten vereint die Hingabe an den Rhythmus, die Reihung und die so entstehenden visuellen Klangfarben.

„Jetzt mache ich für meine Kunst das, was ich in der Ausbildung immer gehasst habe“, stellt Barbara Illmer fest. An der Hochschule für Bildende Künste Dresden hat Illmer Bühnenplastik studiert. Danach hat sie am Hans Otto Theater in Potsdam gearbeitet und auch dort wiederum, wie im Studium viel mit Pappmasche, Styropor und anderen Materialien experimentiert, um mit Theatermaterialien die Illusion einer realen Welt entstehen zu lassen. „Das war eine sehr gute Schule“, erinnert sich die Künstlerin. Ornamente und Nachbildungen historischer Skulpturen entstanden in den Theaterwerkstätten. Die Theaterarbeit vermittelte Illmer ein Gefühl für den Reiz der organischen Strukturen, die sich in ihre Skulpturen häufig zur Form eines Kegels verdichten.

Darin verbergen sich gelegentlich wiederum andere Elemente: Kugeln oder andere rundliche Formen. „Ich weiß auch nicht genau, was das nun ist, aber mir erscheint es wie verletzte oder zerrissene Herzen“, sagt Illmer zu einem Objekt, das nun in einem von ihr gebauten Netz unter der Decke des Ausstellungsraumes hängt. Meist seien es „zoomorphe Formen“, die unter ihren Händen entstünden. „Geschnürte Luft“, „Naturales System“ lauten die Titel einiger ihrer Objekte, die erkennen lassen, dass der Gedanke an die Natur und die Elemente für ihre Arbeit bestimmend sind.

Einen anderen Ansatz verfolgt die Künstlerin Beate Simon mit ihrer Malerei. „Nur, wenn ich wirklich konzentriert bei mir bin, entstehen auch richtig gute Zeichnungen“, so Simon. Gelegentlich aus einem Schwung, häufig auch aus vielen rhythmisch schwingenden Linien zusammengesetzt, entstehen Bildkompositionen, die an Wellen oder Landschaft erinnern, oder völlig abstrakt im Bildraum schwingen.

Die Bewegung, das Schwingende der Zeichnungen ist kein Zufall. Simon studierte Schattentheater und hat zahlreiche Theaterstücke realisiert. In einem Kloster in Frankreich hat sie sich über mehrere Jahre hinweg in Zen-Meditation geübt und auch die Kalligrafie erlernt. „Man erfährt da so einiges von Mönchen, die sich jahrelang konzentrieren, um dann in einer Geste die genau richtige Zeichnung zu erstellen“, sagt Simon.

Einige ihrer Bilder wirken ebenfalls wie mit wenigen konzentrierten Bewegungen auf das Papier gebracht. Auf anderen Bildern wiederum findet sich ein Liniengeflecht aus überlagerten Strichen, Bewegungen und Gesten. Der kontemplative Hintergrund der Künstlerin fließt in die Bilder ein. Die Zeichnungen, die Striche, die Farbspuren und -verläufe zeigen kein Abbild der Wirklichkeit. Sie sind ein Spiegel der meditativen Konzentration der Künstlerin und bilden so eine Einheit mit dem umfassenden Schaffen von Simon. Zusammen ergeben die Bilder von Simon und die Skulpturen von Illmer eine Ausstellung, die von abstraktem Rhythmus und inneren Spannungen getragen ist. 

Zu sehen bis zum 29. April, Kunst- und Kreativhaus Rechenzentrum, Dortustraße 46

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