• Aufbruch, Stress und Erholung: Filmmuseum Potsdam zeigt Schau zu Arbeit im Film nach 1945

Aufbruch, Stress und Erholung : Filmmuseum Potsdam zeigt Schau zu Arbeit im Film nach 1945

Erich Franz, Raimund Schelcher, Erwin Geschonneck oder Harry Hindemith gehörten zu den Schauspielern der Defa, die man bevorzugt als Darsteller für das Arbeitermilieu engagierte. Ihre gespielten Figuren waren ungekünstelt, kamen natürlich herüber auf der Leinwand. Und es schien, dass sie auch das nötige Klassenbewusstsein für die Arbeiterdarstellungen mitbrachten. Denn die Bürger, die den Staat DDR aufbauten, brauchten positive Vorbilder, auch im Film.

Bauarbeiter, Schweißer, Landarbeiter, Krankenschwestern, Traktoristinnen oder Glasbläser wurden in Spiel- und Dokumentarfilmen der Babelsberger Defa ins „richtige Licht“ gesetzt. Man hatte den Eindruck, dass sie auch als „Arbeitstiere“ benutzt wurden. In Westdeutschland gehörten elegische Heimat- und Liebesfilme zum bevorzugten Genre, dennoch wurde auch in ihnen gearbeitet. Ärzte oder Förster, Sennerinnen auf der Alm oder Sekretärinnen machten die Runde. Die populäre Schauspielerin Sonja Ziemann zum Beispiel verkörperte in dem Film „Dany – bitte schreiben Sie“ eine fleißige Sekretärin. Doch ist sie dabei eher mit der Koordination des Liebeslebens ihres Chefs (Rudolf Prack) beschäftigt. Doch im Westen gab es dafür bereits psychologische Beratung, bei der den jungen Frauen vorgeschlagen wurde, sich nicht wie Sonja Ziemann zu verhalten.

Die am vergangenen Freitag eröffnete Foyerausstellung „Arbeitsleben“ im Filmmuseum versucht sich dem Thema mit drei Kapiteln zu nähern: „Zurück an die Arbeit“, „Arbeitstiere“ und „Arbeitsrhythmus“. Doch die üppige Möglichkeit zu einer umfassenden Präsentation ist auf der Galerie des Foyers beschränkt. Filmprogramme, -fotos und -ausschnitte, Briefe, Urkunden oder Szenarien fanden dort Platz. Die eigentliche Auseinandersetzung mit dem ansonsten in Ausstellungen nur am Rande besetzten Thema findet im Film selbst statt. Das Museum hat eine spannende begleitende Film- und Veranstaltungsreihe zusammengestellt. So wird am Donnerstag, dem 1. Dezember, unter anderem der Kurzfilm „Der 13. Oktober“ des Dokumentarfilmers Andrew Thorndike aus dem Jahre 1952 gezeigt, der jahrelang in der Babelsberger August-Bier-Straße lebte. Er berichtet vom Leben des Bergmann-Aktivisten und SED-Funktionärs Adolf Hennecke. Ihm gegenüber gestellt wird „Die Gehetzten“ von 1954. Erich F. Bender und Hermann Schreier erzählen in ihrem Dokumentarfilm von leitenden Managern, die während des Wirtschaftswunders in Westdeutschland Burn-out erleiden. Das Kapitel Arbeitstiere erhält somit eine lebendige Reflektion.

Die ab 1945 aus Trümmern entstehende neue Zeit ohne Krieg brauchte natürlich Menschen, die sie schaffen. Die Ausstellungsstation „Zurück an die Arbeit“ erzählt davon, wie in der damaligen Sowjetischen Besatzungszone sowie in den ersten Jahren der DDR in Filmen wie „Irgendwo in Berlin“ (1946) von Gerhard Lamprecht oder „Unser täglich Brot“ (1949) von Slatan Dudow die Aufbruchsstimmung differenziert erlebt wird. Man kann sie in der Schau in Filmausschnitten sehen. Zum Lesen lädt ein Auszug des Szenariums zu dem Kulturfilm „Zurück ins Leben“ des Kameramanns Werner Bergmann über die nach dem Krieg so wichtig gewordene Prothesenherstellung ein.

Im Kapitel „Arbeitsrhythmus“ ist von der Erholung der arbeitenden Menschen die Rede. Im Defa-Film „Saure Wochen – frohe Feste“ von 1950 findet die Freizeit der Werktätigen unter den gestrengen Blicken der SED-Funktionäre statt. Grau sieht auch das ausliegende Werbeheft des Streifens aus, das Design sehr bieder. Bunt dagegen ist das Plakat zur BRD-Filmkomödie „Ferien vom Ich“, der 13 Jahre später entstand. 1952 gab es aber bereits eine Verfilmung des gleichnamigen Romans von Paul Keller über gestresste Geschäftsleute, die Erholung auf dem Lande suchen. Das Thema ist bis heute noch aktuell. 

Foyerausstellung bis zum 12. Februar im Filmmuseum Potsdam