• Andreas Dresen und Axel Prahl in der Arena: Der Kopf in den Wolken

Andreas Dresen und Axel Prahl in der Arena : Der Kopf in den Wolken

Oliver Dietrich
Zeigen Gesicht. Andreas Dresen und Axel Prahl, mit Band.
Zeigen Gesicht. Andreas Dresen und Axel Prahl, mit Band.Foto: promo

Eigentlich ist es kein Wunder, dass man ihre Gesangsstimmen kaum kennt – wohl aber ihre Gesichter: Der Potsdamer Regisseur Andreas Dresen hat sich zu einem der bekanntesten Filmemacher Deutschlands hochgeschraubt, während Axel Prahl zu den beliebtesten Charakterdarstellern zählt – nicht nur als Ermittler Thiel im Tatort. Beide kennen sich jedoch schon etwas länger: nämlich seit dem Film „Halbe Treppe“ aus dem Jahr 2002, den Dresen mit Hauptdarsteller Prahl in Frankfurt an der Oder ansiedelte. Und irgendwann damals, während der Dreharbeiten, sollen beide entdeckt haben, dass sie auch Gitarre spielen.

Am Mittwochabend, gute 15 Jahre später, stehen sie gemeinsam auf der Bühne in der Arena im Waschhaus. Vorher lange Schlangen am Eingang, die Arena ist so gut wie ausverkauft. Um ehrlich zu sein: Singen können beide nicht sonderlich, aber das ist an diesem Abend egal, der ist nämlich bereits gelungen, bevor er richtig in Fahrt kommt, dafür braucht man keine Virtuosen. Gitarre spielen? „Ich kann Gitarre halten“, sagt Dresen. „Ich hab damals am Lagerfeuer gespielt, um Mädchen zu beeindrucken. Hat nicht so geklappt.“ „Kenn ick“, brummt Prahl hinterher. Man glaubt es beiden.

Geeint werden sie von der Liebe zu Gerhard Gundermann: „Wir mögen an Gundi, dass er mit dem Kopf in den Wolken war und mit den Füßen im Lausitzer Schlamm“, sagt Dresen. Gundermann werden sie an diesem Abend mehrmals spielen, „Brunhilde“ etwa. Mit einem Gundermann-Gedächtnisabend fing die musikalische Zusammenarbeit damals auch an. Aber es gibt auch eigene Songs, von Prahls Debütalbum „Blick aufs Mehr“ etwa. Maritimes Songwriting im Dreivierteltakt, dazu knarzt Prahls Reibeisenstimme, da spürt man das Schiff schwanken.

Überhaupt: Was Dresen mit dünner Stimme singt, das gleicht Prahls Organ gleich wieder aus: Dessen Stimme sägt wie die von Henning May in 20 Jahren. Fast schon Hardrock-Charakter, und wenn das Publikum im Takt klatscht, wird es kurzerhand abgebügelt: „Nich so doll, sonst komm ich in Trance!“ Aber er tut nur so, als sei mit ihm nicht gut Kirschen essen: Ist eben seine Rolle, Prahl gibt auch auf der Bühne gern den brummigen Matrosen. Seine Leidenschaft äußert sich anders: etwa indem er das Publikum mit afrikanischen Rhythmen zum Mitsingen bewegt: „Es geht doch nichts über ein gemeinsam gesungenes Lied“. Na also.

Und dann gibt es noch eine Überraschung: Gisbert zu Knyphausen stößt dazu und singt. In Dresens James-Krüss- Verfilmung „Timm Thaler“ wird er auch auf dem Soundtrack zu hören sein. Lyriker Knyphausen vergoldet den Abend: Er hat weder die dünne Stimme Dresens noch das Staatsanwältin-Klemm-Imitat Prahls. Viel besser, als neben Krawallo und sonstigem Bühnenpartner Olli Schulz als Indie-Sternchen degradiert zu werden ohnehin. Der Abend endet schließlich – wie sollte es anders sein – mit Gundermann und Rio Reiser. Die wurden an diesem Abend noch einmal lebendig. Oliver Dietrich