• Abschluss der Potsdamer "intersonanzen": Ohne Vorurteile

Abschluss der Potsdamer "intersonanzen" : Ohne Vorurteile

Potsdamer Musikschüler entdeckten neue Musik bei den „intersonanzen“, die gestern Abend im „sans titre“ zu Ende gingen.

Die "intersonanzen" fanden ihren Abschluss im sans titre. 
Die "intersonanzen" fanden ihren Abschluss im sans titre. Foto: Sebastian Gabsch PNN

Potsdam - Kinder gehen gern auf Entdeckungsreise. Mit dem für Erwachsenen Unbekannten, Ungewohnten gehen sie viel vorurteilsfreier um. Auf kreative, sinnliche, spielerische und zugleich anspruchsvolle Weise wird Neue Musik auch in der Städtischen Musikschule Potsdam vermittelt. Mit Rhythmen, Klängen und Geräuschen, mit verschiedenen Arten der Klangerzeugung tauchen die Schüler ganz praktisch in die Stücke ein, die Komponisten auch für sie schreiben.

Die Veranstalter des Brandenburgischen Festes Neuer Musik „intersonanzen“, das am Dienstag im Potsdamer Kunsthaus sans titre ausklang und in Cottbus, Eberswalde, in Warschau und in London seine Fortsetzung findet, konnten auf eine schöne Kooperation mit der Musikschule verweisen. Gisbert Näther oder Johannes K. Hildebrandt haben Stücke geschrieben, die die musikalischen und instrumental-technischen Möglichkeiten der Schüler nicht überfordern, so beim Divertimento für Horn und Klavier von Näther, das die 13-jährige Clara Weisgerber mit schönem Ton präsentierte. Den schwierigen Klavierpart übernahm zuverlässig die Korrepetitorin Sigrid Schmalz. Oder Hildebrandts Stück „Sand“ für Gitarrenorchester, das zwar im Zusammenspiel einige Schwierigkeiten bereithält, doch klanglich und emotional keine Distanz zur Neuen Musik aufkommen ließ.

Verletzte Violinistin

Mit Begeisterung haben alle Mitwirkenden daran gearbeitet, dass der Auftritt bei „intersonanzen“ ein voller Erfolg wurde. Thomas Gerwin, der engagierte Teamchef des Festes für Neue Musik, will die Zusammenarbeit zwischen der Musikschule und den Komponisten des Brandenburgischen Vereins für Neue Musik (BVNM) fortführen und intensivieren.

Die in Berlin lebende bulgarische Expertin für Neue Musik, Biliana Voutchkova, konnte ihr Konzert nicht so gestalten, wie geplant. Die Violinistin hatte sich am Tag zuvor am rechten Arm verletzt. So spielte sie am Dienstag nur zwei Stücke original. Von dem Amerikaner John Cage, der Schlüsselwerke der Neuen Musik komponierte, hörte man Ausschnitte aus dessen „Cheap imitations“ für Violine solo, deren fast naive Einstimmigkeit durch ruhige Klarheit geadelt wird. Es sind Passagen tiefer Meditation, unentwegter Stille.

Erfolgreiche "intersonanzen"

Mit dem Stück „Veronika“ verließ sie die Stille Cages und ließ sich zu einem nicht schwatzhaften Dialog mit eingespielten technoiden Geräuschen ein. Dann gab sie mit Video- und CD-Aufnahmen Einblicke in ihr spannendes Musikerinnenleben. In der großen Öffentlichkeit, ob im Konzert- und im Ballhaus oder in Bahnhofsgebäuden ist sie mit ihrer Geige, mit Musikerkollegen und Tänzern unterwegs, um die Bandbreite Neuer Musik zu offerieren. Zum Finale in Potsdam wurde vom BVNM-ad hoc-Ensemble improvisiert, was das Zeug hält, vor allem jedoch lustvoll.

Thomas Gerwin ist insgesamt mit den „intersonanzen“ 2019 zufrieden. Die Besucherzahl bei den 20 Konzerten, in denen über 30 Uraufführungen zu hören waren, soll sich erhöht haben, ohne dass er Zahlen nannte. Das Land förderte das Festival mit 28 000 Euro.

Auch 2020 wird das Festival wieder stattfinden. Aber Neue Musik, so der Wunsch Gerwins, soll auch außerhalb des Treffens im Frühjahr verstärkt erklingen. Am liebsten im Kunsthaus sans titre.