• 30 Jahre Waschhaus: "Auf Dauer ist das kein Zustand"

30 Jahre Waschhaus : "Auf Dauer ist das kein Zustand"

Geringe Förderung, hohe Personalkosten: Sieben Fragen an Waschhaus-Geschäftsführer Mathias Paselk zur finanziellen Misere am Haus.

Waschhaus-Geschäftsführer Mathias Paselk.
Waschhaus-Geschäftsführer Mathias Paselk.Foto: Ottmar Winter

Mathias Paselk, welche Wünsche sind aus Ihrer Sicht zum 30. Geburtstag des Waschhauses noch offen?
Als Geschäftsführer ist eine der großen Herausforderungen die Frage der Finanzierung. Da würde ich mir manchmal etwas mehr Ruhe und Gelassenheit wünschen. Aus meiner Sicht sind wir als Haus seit Jahren unterfinanziert. Wir haben eine Eigenerwirtschaftungsquote von 75 Prozent – was gerade angesichts der Bandbreite eine unglaubliche Herausforderung und für ein Soziokulturelles Zentrum absolut unüblich ist.  

Und die 75 Prozent Eigenbeteiligung sind von der Stadt vorgegeben?
Nein, vorgegeben ist die Fördersumme von der Stadt, das sind 480.000 Euro im Jahr. Das sind ungefähr 25 Prozent unseres Gesamtbudgets. Das bedeutet, dass der Euro, den die Stadt hier reinsteckt, hier vervierfacht wird. Mein Wunsch wäre, dass die Stadt erkennt: Mit der Sockelförderung, die im Übrigen seit zehn Jahren fast gleichgeblieben ist, kommen wir nicht aus. Denn drumherum hat sich ganz viel verändert. Wir müssen Mindestlöhne zahlen, die Inflationsrate, Spritkosten, Security – alles ist teurer geworden. Wodurch die Sockelförderung faktisch immer weniger wird.  

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Weniger machen ist keine Option?
Wir können mit der Förderung nicht mal unsere Personalkosten decken. Wenn wir weniger machen, heißt es also nicht, dass wir dann mehr Geld haben. Die Personalkosten von rund 600.000 Euro sind trotzdem da. Dann müsste ich Leute entlassen. 

Was also tun?
Anders wäre es, wenn man pro Woche ein ausverkauftes Arena-Konzert hätte, dann wäre die Eigenerwirtschaftungsquote kein Problem. Aber wir sind nicht die Columbiahalle. Da stehen wir leider immer im Schatten von Berlin. Viele Bands sagen: Wenn wir spielen, spielen wir in Berlin. In diesem Sinne war es für uns ein wichtiges Statement, dass sich die Beatsteaks zum Tourstart bewusst fürs Waschhaus entschieden haben. Veranstaltungen in dieser Größenordnung sichern im Moment die Finanzierung des Hauses.

Das Waschhaus feiert sein 30-jähriges Bestehen.
Das Waschhaus feiert sein 30-jähriges Bestehen.Foto: Andreas Klaer

Eine radikale Antwort des Waschhauses könnte sein: Auf Grundlage der ungenügenden Förderung können wir die angestrebten 360 Grad im Programm nicht mehr abbilden – den kommunalen Auftrag also nicht mehr erfüllen. Steht das als Drohszenario im Raum?
Die Frage ist doch: Wollen wir etwas wegrationalisieren? Die Antwort ist: Nein. Außerdem sind solche Drohszenarien nicht die Art von Politik, die ich sympathisch finde. Mir geht es eher darum, die Politikerfraktion zu überzeugen: Es ist ein wichtiges Haus. Hierher kamen vor Corona pro Jahr 130.000 Besucher. 

Wir machen 400 Veranstaltungen im Jahr und bilden aus. Das geht bei unseren 15 Angestellten irgendwie gut, weil die wenigen Leute, die wir haben, unglaublich viel leisten, auch oft über die Arbeitszeit hinaus. Aber auf Dauer ist das kein Zustand. Ein Kollege muss immer mit seinem Privatauto Wechselgeld holen, weil wir lange Zeit kein eigenes Fahrzeug hatten. 

Das hat sich jetzt zwar geändert. Aber wenn Mike Gessner krank ist, habe ich niemanden, der sich um den Kunstraum kümmert. Und 2019 hatte ich oft Schweißperlen auf der Stirn, wenn die Konzertgäste nicht genug getrunken haben – weil ich sonst nicht gewusst hätte, wie ich die Gehälter bezahle. Soweit sollte es nicht gehen müssen. 

Wie erklären Sie sich die missliche Situation?
Wahrscheinlich ist die Schiffbauergasse und auch das Waschhaus vom eigenen Erfolg überrollt worden. Als man das Haus saniert und förderrechtlich neu gedacht hat, ist man nicht davon ausgegangen, dass sich zum Beispiel der Kunstraum so gut entwickelt – und dass da Künstler ausstellen, die auf der ArtBasel, wie Marc Brandenburg, plötzlich unter den zehn besten Künstlern gehandelt werden. Das bedeutet, dass wir mittlerweile in vielen Bereichen einen Standard erreicht haben, der mit der bisherigen Sockelfinanzierung nicht mehr gedeckelt werden kann. 

Und dennoch bleiben Sie optimistisch?
Ja, denn viele Dinge funktionieren im Dialog mit der Stadt sehr gut. Ein weiterer Wunsch von mir ist, dass wir künftig immer spätestens im April ein Openair-Programm für die Saison vorliegen haben. Dass die Leute rechtzeitig wissen, welche Konzerte anstehen, welche Filme kommen und dass wir mehr international agierende Agenturen vom Waschhaus überzeugen können. Da sind wir auf einem guten Weg. 

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Die Fragen stellte Lena Schneider

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