• "3 Tage in Quiberon" im Filmmuseum Potsdam: Der besondere Moment

"3 Tage in Quiberon" im Filmmuseum Potsdam : Der besondere Moment

Produzent und Fotograf Peter Hartwig hat den Film „3 Tage in Quiberon“ fotografisch begleitet. Seine Bilder zeigt er am morgigen Dienstagabend im Filmmuseum.

Volltreffer. Das Foto von Marie Bäumer als Romy Schneider hat Peter Hartwig während einer Probe von „3 Tage in Quiberon“ geschossen. Es wurde zum Plakatmotiv des Films.
Volltreffer. Das Foto von Marie Bäumer als Romy Schneider hat Peter Hartwig während einer Probe von „3 Tage in Quiberon“...Foto: Peter Hartwig

Das erste Bild war das richtige: Marie Bäumer als Romy Schneider, mit Tuch auf dem Kopf und Zigarette im Mund. Peter Hartwig hat dieses Foto aufgenommen. Am Set von „3 Tage in Quiberon“, ein Moment während einer Probe – der schließlich das Plakatmotiv und damit das Aushängeschild des Films wurde.

„Es war Glück, dass Marie ihre Zigarette bereits in der Probeszene angezündet hat“, sagt Hartwig. Normalerweise habe sie das erst beim eigentlichen Dreh getan. Den Babelsberger Produzenten und Fotografen verbindet eine jahrelange Freundschaft mit der Schauspielerin Marie Bäumer. Bereits vor zehn Jahren sprachen sie bei einer Autofahrt über das Filmprojekt, das Kammerspielartig von Romy Schneiders Interview mit „Stern“-Reporter Michael Jürgs erzählt.

Einige Jahre danach wurde das Projekt konkreter und für Hartwig stand schon damals fest: Er möchte den Film fotografisch begleiten. Weil er seine Besonderheit sofort erkannt hat – und weil er die berühmten Fotos bewundert, die Robert Lebeck damals von Romy Schneider in Quiberon aufnahm. Hartwigs Bilder sind alle angelehnt an diese Aufnahmen, ahmen sie aber nie vollkommen nach. So, wie Marie Bäumer im Film Romy Schneider ist und doch sie selbst bleibt, ist seine Bildkomposition immer ein klein wenig anders. Die Atmosphäre scheint jedoch die gleiche. Hartwigs und Lebecks Fotos nebeneinander zu betrachten, ist eine nostalgische Reise durch die Filmgeschichte. Am morgigen Dienstag wird er im Filmmuseum über seine Bilder sprechen.

Der Weg zum Produzenten

Fotografie begleitet Peter Hartwig schon lange: Vor 54 Jahren in Babelsberg geboren – und seitdem nie von dort weggezogen – lernt er zunächst den Beruf des Offsetdruckers und arbeitet bei der Märkischen Volksstimme. Durch glückliche Umstände, wie er sie selbst nennt, darf er mit 17 Jahren als Setrunner beim Dreh des Defa-Films „Frühlingssinfonie“ von Peter Schamoni mitwirken. „Ich habe damals Nastassja Kinski und Herbert Grönemeyer betreut, das war der Wahnsinn“, erzählt er. Seine Leidenschaft für den Film ist geweckt. An der heutigen Filmuniversität Babelsberg studiert er Produktion, danach beginnt „das Erklimmen der Treppe“, wie er sagt.

Er war zunächst Aufnahmeleiter, hat unter anderem mit Egon Günther bei dem Goethe-Film „Die Braut“ zusammengearbeitet. Auf Goethe im Film trifft er später noch einmal: 2010 ist er Executive Producer bei Philipp Stölzls „Goethe!“. „Ein toller Film, sehr modern, grandios besetzt, der macht Spaß“, sagt Hartwig. Überhaupt spricht er von „seinen“ Filmen nur positiv. Die meisten hat er wohl mit dem Potsdamer Regisseur Andreas Dresen verwirklicht. Die beiden kennen sich aus dem Studium, Hartwig gehört fest zu Dresens Filmfamilie. Bereits 1993 produziert er den ersten Fernsehfilm seines Freundes „Das andere Leben des Herrn Kreins“, es folgen viele weitere.

Die Fotografie begleitet ihn immer

Doch das Fotografieren lässt ihn nicht los, 2012/2013 kehrt er deswegen noch einmal auf die Schulbank zurück: An die Ostkreuzschule für Fotografie. „Vorbilder wie Sibylle Bergemann oder Harald Hauswald haben hier gelernt, das war eine schöne Erfahrung“, erzählt Hartwig. Er nimmt vornehmlich Portraits auf, die Momente, welche dabei zwischen Fotograf und Modell entstehen, faszinieren ihn. „Ich treffe mich vorher immer mit der Person, die ich fotografiere“, sagt er. Um sie besser kennenzulernen, auch, um ihr die Scheu vor der Kamera zu nehmen. Oft fotografiert er die Menschen schlicht, am liebsten ohne Make-up. Auf Hochglanz polierte, glatt gebügelte Bilder mag er nicht. Auf seinem Instagram-Account finden sich viele Beispiele, auch Marie Bäumer ist dort oft vertreten, ebenfalls ungeschminkt.

Dresens Gundermann-Film kommt im August in die Kinos

So wie er den besonderen Moment mit seinem Portrait-Gegenüber sucht, so begleitet er auch nur bestimmte Filme fotografisch. „Sie müssen einen Reiz haben, eine bestimmte Herausforderung mit sich bringen“, erklärt Hartwig. So wie etwa „Zum Geburtstag“ von Denis Dercourt, ein düsteres märchenhaft angehauchtes Kammerspiel, ebenfalls mit Marie Bäumer in einer der Hauptrollen. Auch Andreas Dresens „Als wir träumten“ hat er begleitet. Bei Dresens aktuellem Projekt „Gundermann“, ein Biopic über den Liedermacher Gerhard Gundermann, das Ende August in die Kinos kommt, hat er ebenfalls die Set-Fotografie übernommen und ist zudem Co-Produzent. Das Plakatmotiv mit Hauptdarsteller Alexander Scheer und seinem Bauhelm ist, anders als die Aufnahmen mit Marie Bäumer, nicht während des Drehs entstanden: „Wir haben allerdings zwei Motive gewählt: Dieses für den Osten, ein Bild mit Gitarre für den Westen“, erzählt Hartwig. Wegen des Wiedererkennungswertes.

Um die Lebendigkeit seiner Filmfotos zu erhalten, fotografiert Hartwig dennoch am liebsten am Set. Dann mit einem speziellen Kameracase, der die Knipsgeräusche verschluckt. Die sollen schließlich nicht auf den Filmaufnahmen zu hören sein. Anders als Kameramann Thomas Kiennast, der „3 Tage in Quiberon“ komplett in schwarz-weiß gedreht hat, fotografierte Hartwig seine Bilder in Farbe und wandelte sie erst hinterher um. „Einfach, um die Sicherheit zu haben.“ Nicht immer sei es einfach, die Szenen einzufangen, die Schauspieler müssten auch ein gewisses Vertrauen haben. Bei „3 Tage in Quiberon“ sei das kein Problem gewesen. Seine Bilder zeugen davon. 

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Filmgespräch mit Peter Hartwig zu „3 Tage in Quiberon“, am morgigen Dienstag, 26. Juni, um 19 Uhr im Filmmuseum Potsdam.