Gesundheitsministerin wirbt für Impfschutz : Nonnemacher rät zu Corona-Impfung für Kinder

Ministerin wirbt in Brandenburg trotz fehlender Stiko-Empfehlung für „Familien-Impfung“. Der Bund plant wegen der Delta-Variante strengere Kontrollen für Reiserückkehrer

Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) hat auch wegen der Ausbreitung der Delta-Variante zum weiteren Impfen gegen das Coronavirus aufgerufen.
Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) hat auch wegen der Ausbreitung der Delta-Variante zum weiteren...Archivfoto: Patrick Pleul/dpa

Potsdam/Berlin - Obwohl es keine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) dafür gibt, rät Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) den Eltern in der Mark, ihre Kinder im Alter von zwölf bis 17 Jahren gegen Corona impfen zu lassen. „Auch als Ärztin rate ich: Machen Sie Gebrauch davon!“, sagte Nonnemacher am Donnerstag. Die Impfungen für Kinder seien auch ohne Stiko-Empfehlung nach ärztlicher Aufklärung möglich.

Nonnemacher: In Familien wird das Virus schnell weitergegeben

Die Stiko empfiehlt für die Altersgruppe der 12- bis 17-Jährigen die Impfung bisher nur bei Vorerkrankungen. Sie begründet dies unter anderem damit, dass das Risiko einer schweren Covid-19-Erkrankung für die Altersgruppe gering sei.

„Besonders wichtig ist mir, dass auch Familien von unserem Impfangebot Gebrauch machen. In Familien wird das Virus schnell weitergetragen“, sagte Nonnemacher bei einem Besuch des Impfzentrums Prenzlau, das in die Trägerschaft des Landkreises Uckermark überging.

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Die Zuständigkeit für Impfungen in Brandenburg wechselte an diesem Donnerstag vom Innenministerium zurück ins Gesundheitsressort. Im März war der Impflogistikstab zum Innenressort gegangen. Zuvor war das Gesundheitsministerium in die Kritik geraten. Auch Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte mehr Tempo bei Impfungen gefordert. Jüngst lag Brandenburg allerdings beim Anteil der vollständig geimpften Menschen auf dem letzten Platz im Ländervergleich, bei Erstimpfungen auf dem viertletzten Platz. Das geht aus Zahlen des Robert Koch-Instituts hervor.

Bund plant schärfere Kontrollen von Reiserückkehrern

Um einen erneuten Anstieg der Corona-Infektionszahlen durch Urlaubsreisen zu verhindern, setzt die Bundesregierung auf schärfere Kontrollen von Reiserückkehrern. Da es aktuell nur 12.000 aktive Corona-Fälle in Deutschland gebe, hätten die Gesundheitsämter viele Kapazitäten frei, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Donnerstag bei einer Pressekonferenz mit Innenminister Horst Seehofer (CSU) in Berlin. Diese sollten dazu genutzt werden, die Quarantänepflichten von Rückkehrern stärker als bisher zu kontrollieren.

Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 25.000 Euro. Laut Seehofer liegt ein Fokus dabei auch auf Rückreisen aus der Türkei, das anders als fast alle Regionen in der EU derzeit noch als Risikogebiet eingestuft ist. Daher gilt für Reisende aus diesem Land eine Quarantänepflicht. Die schärfsten Regeln gelten derzeit für sogenannte Virusvariantengebiete wie Großbritannien, Portugal und Russland, hier gilt auch für Geimpfte eine 14-tägige Quarantänepflicht. Scharf kritisierte Seehofer das Vorhaben des europäischen Fußballverbands Uefa, 60.000 Zuschauer im Londoner Wembley-Stadion bei den EM-Spielen im Halbfinale und im Finale zuzulassen. Das sei „absolut verantwortungslos“. „Kommerz darf nicht den Gesundheitsschutz der Bevölkerung überstrahlen.“ Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) könnte die Fußball-EM dazu beitragen, dass die Fallzahlen wieder zulegen. Erstmals seit zehn Wochen steigt nach Angaben der WHO die Zahl der Neuinfektionen europaweit wieder wieder.

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Um die Infektionsgefahren durch die Delta-Variante mit Ursprung in Indien bundesweit zu mindern, empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) nach einer ersten Impfung mit Astrazeneca möglichst schnell eine zweite Impfung mit dem Vakzin von Moderna oder Biontech – und zwar nach vier Wochen. Dies gelte unabhängig vom Alter. Nach aktuellen Studien sei die Immunantwort bei diesen Kreuzimpfungen höher. Die Delta-Variante ist laut Stiko deutlich ansteckender als die seit März 2021 vorherrschende Alpha-Variante. (mit jb, is, dpa)