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Feuer wütet in Paris : Notre-Dame vor völliger Zerstörung durch Flammen bewahrt

Die Pariser Kathedrale steht in Flammen, nach Stunden ist der Brand unter Kontrolle. „Wir werden Notre-Dame wieder aufbauen”, sagt Präsident Macron.

Georg Ismar
Rauch steigt nach dem Brand im Inneren von Notre-Dame über dem Altar auf.
Rauch steigt nach dem Brand im Inneren von Notre-Dame über dem Altar auf.Foto: REUTERS/ Philippe Wojazer

Die weltberühmte Kathedrale Notre-Dame in Paris ist durch ein Großfeuer schwer beschädigt worden. Aus dem Dach des Wahrzeichens der französischen Hauptstadt schlugen am Montagabend  meterhohe Flammen. Der 96 Meter hohe Mittel-Kirchturm stürzte komplett ein, nicht aber die beiden markanten Vordertürme.

Das Feuer fraß sich rasend schnell durch das Dach der gotischen Kathedrale. Tausende Menschen schauten vom Seine-Ufer fassungslos zu, wie 400 Feuerwehrleute zunächst kaum etwas ausrichten konnte.

Am frühen Dienstagmorgen erklärte die Feuerwehr den Brand für „unter Kontrolle und teilweise gelöscht“, wie die französischen Medien berichteten. Es gebe lediglich noch einzelne Glutnester, sagte Feuerwehr-Sprecher Gabriel Plus.

„Man kann annehmen, dass die Struktur von Notre-Dame gerettet und in ihrer Gesamtheit bewahrt ist“, sagte Feuerwehrchef Jean-Claude Gallet. Zeitweise war die Feuerwehr nicht sicher gewesen, ob sie die Ausbreitung des Feuers aufhalten kann.

Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung wegen unbeabsichtigter Zerstörung durch Feuer ein – das heißt: von Brandstiftung ist bislang nicht die Rede. Nach ergänzenden Medienberichten könnte der Brand mit Bauarbeiten auf dem Dach der Kirche zusammenhängen.

Die Staatsanwaltschaft nahm zu solchen Berichten zunächst keine Stellung. Die Ermittler begannen in der Nacht, die Arbeiter der Baustelle zu befragen, wie die französische Nachrichtenagentur AFP berichtete. Auf dem Dach hatten die Bauarbeiter ein Gerüst angebracht.

Flammen und Rauch steigen von einem der berühmtesten Wahrzeichen der Welt, der Pariser Kathedrale Notre-Dame.
Flammen und Rauch steigen von einem der berühmtesten Wahrzeichen der Welt, der Pariser Kathedrale Notre-Dame.Foto: REUTERS/Charles Platiau

Der Brand brach auf dem Dachboden der Kathedrale aus und wurde am Montagabend gegen 18.50 Uhr entdeckt. Rund um den später eingestürzten Kirchturm waren Baugerüste zu sehen, die wegen der enormen Feuertemperatur am Ende orange glühten. Die Kathedrale des Erzbistums Paris war fast 200 Jahre lang von 1163 bis 1345 errichtet worden, nun wurde sie binnen weniger Stunden stark zerstört. Zwei Drittel des Dachstuhls sind rettungslos verloren.

Präsident Emmanuel Macron zeigte sich in der Nacht auf Dienstag vorsichtig optimistisch: "Das Schlimmste konnte verhindert werden", sagte der Staatschef bei einem Besuch der teilweise zerstörten Kirche. Die Fassade der gotischen Kathedrale und die beiden Glockentürme seien dank des beherzten Einsatzes der Feuerwehr nicht eingestürzt.

Dornenkrone gerettet

Auch der größte Teil der religiösen und künstlerischen Schätze konnte aus der Kathedrale gerettet werden. Die für Katholiken sehr wertvolle Dornenkrone und andere Gegenstände seien im Pariser Rathaus untergebracht worden, sagte Frankreichs Kulturminister Franck Riester dem Sender LCI am Dienstagmorgen.

"Der Kampf ist aber noch nicht vollständig gewonnen", sagte Macron. Die kommenden Stunden würden noch schwierig. "Wir werden Notre-Dame wieder aufbauen", versprach er.

Präsident Emmanuel Macron am Unglücksort.
Präsident Emmanuel Macron am Unglücksort.Foto: Philippe Wojazer/Pool/REUTERS

Am frühen Abend sah das noch anders aus. "Alles brennt", sagte der Sprecher von Notre Dame, André Finot laut AFP. "Von dem Dachstuhl, der zu einem Teil aus dem 19. Jahrhundert und zum anderen Teil aus dem 13. Jahrhundert stammt, wird nichts übrig bleiben". Ob die Flammen auch das Gewölbe erreichen werden, das die Kathedrale schützt, sei noch unklar. Ebenso war unklar, ob das berühmte riesige Rosettenfenster noch zu retten war.

"Ein fürchterlicher Brand"

Löschwagen aus ganz Paris rasten zur Isle de la Cité, der Insel inmitten der Seine, auf der Notre-Dame steht. Die Feuerwehr rief die Einwohner auf, die Gegend zu meiden und den "Rettungsfahrzeugen Platz zu machen". Der Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo sprach von einem „fürchterlichen Brand“. Der Präsident Macron verschob eine Ansprache an die Nation, wo er Antworten auf die Proteste der „Gelbwesten“ verkünden wollte. Er machte sich umgehend zu der Kathedrale auf. „Notre-Dame steht Flammen. Das schocke die ganze Nation“, teilte Macron mit. Die Gedanken seien bei allen Katholiken und allen Franzosen. „Wie alle unsere Landsleute bin ich heute Abend traurig, diesen Teil von uns brennen zu sehen.“

US-Präsident Donald Trump meldete sich per Twitter mit Löschtipps zu Wort: „So schrecklich, das massive Feuer in der Kathedrale Notre Dame in Paris zu sehen. Vielleicht sollten Löschflugzeuge eingesetzt werden, um es zu löschen. Man muss schnell handeln!“. Überall in Paris war die gewaltige Rauchsäule zu sehen.

Die Dimensionen der im gotischen Stil konstruierten und der Jungfrau Maria geweihten Kirche mit ihren beiden majestätischen Türmen an der Vorderfront sind gewaltig: Das gotische Kirchenschiff ist  127 Meter lang, 40 Meter breit und bis zu 33 Meter hoch. Mit seinem 1831 erschienenen historischen Roman „Der Glöckner von Notre-Dame“ verewigte Victor Hugo die Kathedrale in der Literatur. Über zehn Millionen Menschen besuchen das berühmteste Gotteshaus Frankreichs im Jahr, es ist nach dem Eiffelturm das berühmteste Wahrzeichen der Hauptstadt.

Nur gut drei Kilometer von Notre Dame entfernt erlebte auch die Journalistin und ntv-Korrespondentin Straßenburg den Brand. "Man kann live zusehen, wie ein Weltkulturerbe abbrennt - das ist irrwitzig." Schon jetzt sei in Paris klar, dass dieser Abend "im negativen Sinne unvergesslich" bleiben werde.

Bestürzung auch in Berlin

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) twitterte. „Die brennende Notre Dame trifft auch uns ins Herz“. Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte, es tue "weh, diese schrecklichen Bilder" der brennenden Kathedrale zu sehen. Notre Dame sei ein Symbol Frankreichs und der europäischen Kultur.

In Berlin, Partnerstadt von Paris, herrscht Entsetzen. "Die Bilder vom Brand in Notre-Dame in unserer Partnerstadt Paris haben mich erschüttert", sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller dem Tagesspiegel. "Notre-Dame steht in Paris neben dem Eiffelturm und dem Arc de Triumph sinnbildlich für die Geschichte dieser großartigen Stadt. Wir Berlinerinnen und Berliner fühlen mit Paris und ich wünsche mir, dass Paris, dass Frankreich diese einmalige große Kirche wieder aufbauen kann. In unseren Gedanken sind wir bei den Pariserinnen und Parisern und ganz Frankreich und trauern mit ihnen.“

"Ich stehe gerade unter dem Eindruck der Bilder, die ich sehe", sagte Klaus Lederer (Linke), Bürgermeister und Kultursenator, hörbar erschüttert. "Das ist in jeder Hinsicht eine Katastrophe. Notre Dame ist ein einmaliges Kulturdenkmal und religiöser Ort in unserer Partnerstadt", sagte Lederer dem Tagesspiegel. Er hoffe, dass die Feuerwehr den Brand nun schnell unter Kontrolle bringe und den Schaden noch eingrenzen könne. Für die Zeit nach dem Brand stellte er bereits Hilfe in Aussicht: "Wenn sich zeigt wie groß der Schaden ist, können wir - wenn es benötigt wird - beispielsweise mit Restauratoren zur Seite stehen."

"Es ist unfassbar, ein solches Kulturgut brennen zu sehen und wir hoffen, dass die französischen Kollegen möglichst viel erhalten können", sagte Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei in Berlin, die auch die Feuerwehr vertritt, dem tagesspiegel. "Notre Dame ist ein sehr altes Gebäude mit sehr trockenem Holz, was schnell lichterloh in Flammen aufgeht, sobald es einmal zu brennen beginnt."

Foto: Catherine Small/Privat

Der Vatikan hat mit Bestürzung auf das verheerende Feuer in der Kathedrale Notre-Dame in Paris reagiert. „Der Heilige Stuhl hat die Nachricht des entsetzlichen Brandes, der die Kathedrale von Notre-Dame, Symbol der Christenheit in Frankreich und der Welt, verwüstet hat, mit Schock und Trauer aufgenommen“, erklärte Papst-Sprecher Alessandro Gisotti.

Notre Dame gehört zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten der französischen Hauptstadt, jedes Jahr besuchen rund 13 Millionen Menschen die Kathedrale.

Viele Meter lang stehen die Touristen täglich vor dem Gebäude Schlange. Seit den islamistischen Terroranschlägen, die Frankreich in den vergangenen Jahren heimgesucht hatten, wird die Kathedrale von Soldaten bewacht. (mit dpa/AFP/Reuters)