Einkaufen in Potsdams Innenstadt : Potsdamer Karstadt-Filiale bleibt erhalten

Der Konzernchef verkündete die Rettung von sechs Häusern. Für Brandenburgs Landeshauptstadt war der Immobilieneigentümer Meyer Bergman offenbar zu Zugeständnissen bereit.

Karstadt-Filiale in Potsdam.
Karstadt-Filiale in Potsdam.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Die Karstadt-Filiale in der Potsdamer Innenstadt soll nun doch nicht geschlossen werden. Bundesweit konnten sechs Häuser der insolventen Galeria Karstadt Kaufhof GmbH gerettet werden. Das teilte der Konzernchef Miguel Müllenbach am Freitag in einem Brief an die Mitarbeiter mit. Demnach ist das Potsdamer Warenhaus eines davon.

Mitte Juni hatte der Konzern angekündigt, 62 seiner insgesamt 172 Warenhäuser zu schließen. Damals hieß es, die endgültige Entscheidung hänge noch davon ab, ob die Vermieter zu Zugeständnissen bereit seien. Offenbar konnte sich der Konzern nun bei einigen der Immobilieneigentümer erfolgreich durchsetzen.

„In schwierigen Verhandlungen“ und „im engen Schulterschluss mit unserem Eigner Signa” sei es gelungen, „die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen so anzupassen”, dass die Filialen fortgeführt werden könnten, betonte Müllenbach, der selbst das Verhandlungsteam geführt hatte, in seinem Mitarbeiter-Brief.

Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) gibt ein Interview vor der Karstadt-Filiale.
Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) gibt ein Interview vor der Karstadt-Filiale.Foto: Andreas Klaer

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) zeigte sich erfreut über die Entscheidung zur Rettung der Filiale in der Landeshauptstadt: „Das ist auch wichtig als Zugpferd für die Innenstadt, für die der Internethandel zur immer größeren Gefahr wird. Deshalb sind für alle Brandenburger Innenstädte Kundentreue und attraktive Angebote lebenswichtig.“

Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) sagte den PNN: „Das ist eine gute Nachricht für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und den gesamten Einzelhandel in der Potsdamer Innenstadt.“ Das Kaufhaus sei „allen Unkenrufen zum Trotz der große Anker in der Straße“.

Die stärkste Einkaufsstraße im Land

Für Schubert ist es auch ein persönlicher Erfolg. Seit Bekanntwerden der Schließungspläne vor etwa zwei Wochen hatte er mit dem Einzelhandelskonzern und dem Eigentümer der Immobilie verhandelt. Auch der Handelsverband Berlin-Brandenburg und die IHK Potsdam saßen mit am Verhandlungstisch. Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) lobte das Engagement: „Mein Glückwunsch an Herrn Schubert, dass seine zahlreichen Gespräche, sein vehementer Einsatz für den Erhalt der Potsdamer Karstadt-Filiale Erfolg hatten.“

Potsdam habe viel zu bieten, sagte Schubert. „Die Brandenburger Straße ist die stärkste Einkaufsstraße im Land Brandenburg. Wir haben eine gute Bevölkerungsentwicklung und viele Touristen.“ Nicht zuletzt hätten sich die Eigentümer konstruktiv beteiligt, um eine Lösung für die Innenstadt zu finden.

Das denkmalgeschützte Warenhaus gehört seit Ende 2016 dem Londoner Immobilienmanager Meyer Bergman. Das hatten die PNN am Freitag exklusiv berichtet. Auf Anfrage ließ das Unternehmen nun durch einen Sprecher mitteilen, dass es für einen Kommentar zur aktuellen Situation des Potsdamer Kaufhauses nicht zur Verfügung stehe.

René Benko.
René Benko.Foto: Hans Klaus Techt/dpa

Meyer Bergmans Mieter ist immerhin der zweitgrößte Warenhauskonzern in Europa. Im März 2019 hatten sich Galeria Kaufhof und Karstadt zusammengeschlossen. Alleiniger Eigentümer ist die Signa Holding des österreichischen Immobilieninvestors René Benko. Der Warenhausriese kriselte von Anfang an. Durch die pandemiebedingte Schließung aller Filialen geriet er jedoch endgültig in Schieflage, sodass Anfang April ein Schutzschirmverfahren eingeleitet werden musste. Das ist eine spezielle Verfahrensart des Insolvenzrechts, die eine Sanierung erleichtern soll. Am vergangenen Mittwoch ordnete das Amtsgericht Essen dann offiziell für die gesamte Warenhauskette und acht verbundene Unternehmen ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung an. Sachwalter ist der Insolvenzexperte Frank Kebekus. Nach eigenen Angaben rechnet Galeria Karstadt Kaufhof bis Ende 2022 mit Umsatzeinbußen von bis zu 1,4 Milliarden Euro. Auch wenn sechs Warenhäuser gerettet werden konnten, stehen weiterhin 56 Filialen vor dem endgültigen Aus.