Coronakrise in Brandenburg : Viele Lehrer mit Homeschooling überfordert

Verbände und Opposition kritisieren Digitalisierungsdefizite an Brandenburgs Schulen. Am Montag wird der Präsenzunterricht für weitere Jahrgänge ausgeweitet.

Manfred Rey
Ein Großteil des Unterrichts muss zur Zeit zu Hause stattfinden. 
Ein Großteil des Unterrichts muss zur Zeit zu Hause stattfinden. Foto: Stefan Puchner/dpa

Potsdam - Die Coronakrise offenbart immer deutlicher den Rückstand von Brandenburgs Schulen bei der Digitalisierung. Es fehlten noch immer ein Medienkonzept für die Netzanbindung der Schulen und Mindeststandards für die digitale Ausstattung von Schülern und Lehrern, sagte der Präsident des Brandenburgischen Pädagogen-Verbands (BVP), Hartmut Stäker. „Leider zeigen sich in der Coronakrise die Versäumnisse vieler Jahre“, sagte Stäker. Auch der Landeschef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Günther Fuchs, übt Kritik: „Fehlende technische Voraussetzungen und nicht vorhandene Hardware sowie ein ungenügendes inhaltliches Konzept der Landesregierung haben die Grenzen des digitalen Lernens und Lehrens aufgezeigt.“

Ab Montag wird der Präsenzunterricht an Brandenburger Schulen ausgeweitet. Die Jahrgangsstufen 1 bis 4 der Grundschulen sollen an zwei Tagen in der Woche Unterricht erhalten, die Klassen 5 und 6 nur noch einmal pro Woche, sofern nicht ausreichend Räume und Lehrkräfte vorhanden sind. Ein Großteil des Unterrichts muss also weiter über Homeschooling abgedeckt werden.

Ministerium zieht positive Zwischenbilanz

Diese Form des Unterrichts nutzen zu können setze voraus, „dass die Landesregierung ein belastbares Konzept, das die technischen Voraussetzungen und die fachlichen Fragen umfasst, mit allen Beteiligten erarbeitet und zügig umsetzt“, betont Fuchs. „Wir brauchen einen Quantensprung vom Mittelalter in die digitale Gegenwart und Zukunft.“ Auch nach Ansicht der der Fraktionschefin der oppositionellen Linken im Landtag, Kathrin Dannenberg, zeigt die Krise „Riesendefizite“ bei der Digitalisierung. Dies habe auch die Antwort des Bildungsministeriums auf eine Anfrage bestätigt. „Die Schulen in Brandenburg sind laut Aussage der Landkreise und kreisfreien Städte größtenteils an ein leistungsstarkes Internet angebunden“, heißt es in der Antwort des von Britta Ernst (SPD) geführten Bildungsministeriums. Eine Auswertung nach Regionen sei derzeit aber nicht möglich. Insgesamt verlaufe „die Wissensvermittlung mittels internetbasierter Formen positiv“, ist das Ministerium überzeugt. Dannenberg, die selbst Lehrerin war, zweifelt das an. Die Praxis zeige, dass Lehrpersonal und Schüler überwiegend per E-Mail und Telefon kommunizierten. 

An den Schulen fehlen IT-Spezialisten

Viele Lehrer habe das Homeschooling überfordert, sagt auch BVP-Präsident Stäker, da sie weder in der universitären Aus- noch in der Fortbildung auf die Arbeit mit digitalen Lehrmethoden vorbereitet worden seien. „IT-Spezialisten an jeder Schule, nicht nur Lehrer mit ein paar Anrechnungsstunden, sind notwendig. Doch diese Fachkräfte sind heute Mangelware“, sagt Stäker.

Auch Hotels öffnen wieder

Nicht nur für Schulen und Kitas treten heute Lockerungen in Kraft. Auch die Hotels in Brandenburg dürfen wieder für Gäste öffnen, sofern Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden. Insgesamt entspannt sich die Coronalage in Brandenburg weiter. Die Zahl der Neuinfizierten ist innerhalb von 24 Stunden nur um fünf gestiegen, wie das Gesundheitsministerium in Potsdam am Sonntagvormittag mitteilte. Bislang infizierten sich in Brandenburg 3237 Menschen nachweislich mit dem Coronavirus, 2920 davon gelten inzwischen als genesen. (mit dpa)