Corona-Impfungen : Brandenburg weiter Schlusslicht bei Pflegeheimen

Mehr als 1300 Senioren in Pflegeheim sind in Brandenburg mit dem Coronavirus infiziert. Gesundheitsministerin Nonnemacher hat einen Krisengipfel angesetzt.

Ein mobiles Impfteam nahm in einer Senioreneinrichtung in Großbeeren Impfungen vor.
Ein mobiles Impfteam nahm in einer Senioreneinrichtung in Großbeeren Impfungen vor.Foto: dpa

Potsdam - Trotz vorhandener Impfstoffdosen bleibt das Land Brandenburg bei den Corona-Schutzimpfungen zwei Wochen nach Start in den akut bedrohten Pflegeheimen Schlusslicht in Deutschland. Nach den aktuellen Zahlen des Robert Koch-Institutes (RKI) vom Dienstag sind bisher erst 982 der 24.793 Bewohner von Pflegeheimen im Land geimpft - mit Folgen und Risiken. 1362 Pflegeheim–Senioren sind aktuell bereits mit dem Coronavirus infiziert, wie aus dem den PNN vorliegenden aktuellen Lagebild „Corona“ mit Stand Dienstag des Landeskrisenstabes in Federführung des von Ministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) geführten Gesundheitsministeriums hervorgeht. 

Wie groß die Gefahr ist, die mit jedem Tag wächst, illustriert eine Meldung aus der Uckermark. „In einer Senioreneinrichtung sind 89 laborbestätigte Covid-19-Fälle bekannt geworden. Fünf Personen sind verstorben“, heißt es im Lagebild. 31 Bewohnende seien in Behandlung, davon sieben stationär. Das ist nur ein Pflegeheim. Jedes dritte der 341 Pflegeheime im Land ist mittlerweile von Corona-Infektionen betroffen.

Nonnemacher setzt Krisengipfel an

Für den heutigen Mittwoch hat Nonnemacher einen Krisengipfel aller Impf-Beteiligten angesetzt, auch der 18 Landräte und Oberbürgermeister im Land. Bis Dienstag waren laut RKI 15.091 Brandenburger geimpft, 1,4 Millionen müssen geimpft werden, um die so genannte „Herdenimmunität“ zu erreichen. 

Da inzwischen die Lieferung von Impfstoff knapper wird, ist die Terminvergabe über die Hotline der Kassenärztlichen Vereinigung (KVBB) gedrosselt worden. Laut KVBB sind bisher für 16 000 Brandenburger über 80 Jahre Termine vergeben worden. 

Linke-Fraktionschef kritisiert Impfchaos

Auch aus der Politik wächst der Druck, etwa die Krankenhäuser einzubinden, um das Tempo zu erhöhen. „Wenn genügend Impfstoff da ist, werden wir das tun“, sagte Gabriel Hesse, der Sprecher des Gesundheitsministeriums, den PNN. Das Ministerium hat, wie berichtet, inzwischen die Unternehmensberatung Kienbaum angeheuert, um das Impfmanagement zu verbessern.

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Während Grünen-Fraktionschefin Petra Budke „große Fortschritte“ sieht, kritisierte im Landtag Linke-Fraktionschef Sebastian Walter das „Impfchaos“ in Brandenburg. Auch aus der Regierungskoalition von SPD, CDU und Grünen wächst der Druck. SPD-Fraktionschef Erik Stohn fordert ein Impfzentrum in jedem der 18 Kreise und kreisfreien Städte. Bislang gibt es drei, elf sind bis Februar geplant. Nonnemacher erteilte einer Impfpflicht, die Bayern fordert, eine Absage.