Wegen Corona : GEW fordert Verbot von Klassenfahrten

Schulen sollen nicht mehr in Corona-Risikogebiete fahren, fordert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Außerdem soll es eine Taskforce geben, die schnelle Entscheidungen treffen kann. 

Der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Brandenburg, Günther Fuchs.
Der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Brandenburg, Günther Fuchs.Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Potsdam - In Brandenburg werden Forderungen an das Land lauter, zur Bewältigung der Coronakrise mehr Verantwortung zu übernehmen und die Kommunen zu entlasten. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) verlangt ein sofortiges Verbot aller Klassenfahrten und Schüleraustausche in Corona-Risikogebiete. „Die Situation spitzt sich auch in Brandenburg weiter zu. Die bisherigen Maßnahmen reichen nicht mehr aus“, sagte GEW-Landeschef Günther Fuchs am Montag. Das Bildungsministerium müsse seine Richtlinienkompetenz wahrnehmen und die Schulen konkret unterstützen. 

„Es ist zwingend geboten, dass durch das Ministerium klar und deutlich festgelegt wird, dass aktuell und bis auf Weiteres keine Studien- und Klassenfahrten sowie Schüleraustausche in Risikogebiete mehr stattfinden“, so Fuchs. Entstehende Stornierungskosten für bereits gebuchte Klassenfahrten seien durch das Land zu tragen, fordert Fuchs. Das müsse auch für Fahrten in Nichtrisikogebiete gelten, wenn sie aus Gründen der Prävention von den Schulen abgesagt wurden. Das Bildungsministerium müsse zudem klare Regelungen für die Schulen vorgeben und eine mit Entscheidungsbefugnis ausgestattete Taskforce einsetzen. „Nur die Verweise auf Internetseiten und ein Weiterleiten von Links des Robert-Koch-Instituts an die Schulen reichen schon längst nicht mehr aus.“ Bislang überlässt es das Ministerium den Schulen und Eltern darüber zu entscheiden, ob Klassenfahrten nach Ausbruch des Coronavirus stattfinden.

Sind Prüfungsvorbereitungen in Gefahr?

Im April und Mai stehen in Brandenburg auch Abiturprüfungen und die Abschlussprüfungen für die 10. Klassen an. Was passiert, wenn sich Schüler wegen einer Ausbreitung des Coronavirus und möglicher Schulschließungen nicht ausreichend auf die Prüfungen vorbereiten können? Darauf könne man aktuell noch keine Antwort geben, sagte eine Sprecherin des Bildungsministeriums am Montag auf PNN-Anfrage. Man habe diese Fragen aber im Blick. 

Ein Kompetenzleck gibt es offenbar auch in Neustadt/Dosse (Ostprignitz-Ruppin). Insgesamt 730 Schüler der dortigen Prinz-von-Homburg-Schule in Neustadt/Dosse, die Lehrer und weitere Mitarbeiter sowie ihre Familien befinden sich auf Anweisung des Gesundheitsamtes des Kreises in häuslicher Isolation. Diese wurde angeordnet, weil Lehrer der Gesamtschule in der Kleinstadt mit einer Coronavirus infizierten Berlinerin Kontakt hatten. Die Gesamtschule, zu der eine Grund- und Förderschule gehören, sowie zwei Internate wurden geschlossen. Die Schule wird von Schülern aus dem gesamten Bundesgebiet besucht. Was Schüler tun sollen, die nicht im näheren Umfeld der Schule wohnen, konnte der Sprecher des Landkreises, Alexander von Uleniecki, auf Anfrage nicht erklären. Ob Eltern die Schüler abholen müssen, Fahrtmöglichkeiten organisiert werden und wie viele Schüler überhaupt weiter weg ihr Zuhause haben, könne er nicht beantworten. Das Gesundheitsministerium in Potsdam wiederum verweist auf Anfrage darauf, dass für die Anordnung der Maßnahmen das Gesundheitsamt des Kreises zuständig sei.

Menschen in Neustadt/Dosse und Falkensee in Quarantäne

Nach Schätzungen des Amtsdirektors von Neustadt/Dosse, Dieter Fuchs, befinden sich insgesamt zwischen 4000 und 5000 Menschen – darunter sind Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet – vorsorglich in häuslicher Quarantäne. Diese Zahlen bestätigte der Sprecher des Landkreises auf PNN-Anfrage nicht. In einer Pressemitteilung vom Abend teilte der Landkreis mit, es handle sich um rund 900 bis 2250 betroffene Personen. 

Auch zwei Klassen und mehrere Lehrer des Lise-Meitner-Gymnasiums in Falkensee (Havelland) wurden nach Kontakt mit einer Corona-infizierten Referendarin unter Quarantäne gestellt. Das Infektionsrisiko sei als eher gering eingestuft worden, deswegen seien nur die Kinder in den betreffenden beiden Klassen und die direkten Kontakte in der Lehrerschaft von der Maßnahme betroffen, heißt es in einem Elternbrief des Gesundheitsamtes, den die Schule am Montag auf einer Homepage veröffentlichte. „Kontakte zu Kindern hat es nur an zwei Tagen und nur insgesamt drei Schulstunden gegeben“, heißt es in dem Schreiben. Abstriche würden derzeit nur bei einem begründeten Infektionsverdacht genommen. 

Möglicher siebter Fall in Brandenburg

Der Fall aus dem Havelland, über den zuvor die „Märkische Allgemeine Zeitung“ berichtet hatte, gehört zu den bislang sechs gesichert bestätigten Fällen, bei denen sich Brandenburger mit dem neuartigen Coronavirus infiziert haben. Am Montagabend teilte das Gesundheitsministerium mit, dass mit einem siebten Fall zu rechnen sei: Eine Mitarbeiterin des Klinikums Frankfurt (Oder) sei positiv auf Corona getestet worden – das Ergebnis müsse aber noch von der Berliner Charité bestätigt werden. Dieser Test erfolgt, nachdem am Sonntag bekannt geworden war, dass eine Berlinerin, die als Ärztin an dem Klinikum arbeitet, sich wahrscheinlich in Berlin mit dem Virus infiziert hatte. Insgesamt wurden 61 Klinikmitarbeiter getestet, 53 Ergebnisse waren negativ, so das Gesundheitsministerium. „Sieben Tests hatten eine unspezifische Reaktion und müssen wiederholt werden“, hieß es. 

» Wichtige Informationen

Unterdessen sind weitere Veranstaltungen in Brandenburg abgesagt worden. Die SPD-Landtagsfraktion verzichtete am Montag auf ihren geplanten Empfang für die Feuerwehren, Hilfsorganisationen und das Technische Hilfswerk in Potsdam. „Nach Rücksprache mit dem Landesfeuerwehrverband sind wir zu der Überzeugung gekommen, dass wir gerade diese Personengruppe keinem unnötigen Risiko aussetzen wollen“, teilte die Fraktion mit. Der Empfang solle zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Auch der Brandenburgische Berufsschultag am Samstag in Groß Kreutz (Potsdam-Mittelmark) findet nicht statt. Der Brandenburgische Lehrerverband Beruflicher Schulen sagte die Veranstaltung, an der auch Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) teilnehmen sollte, unter dem Eindruck der Corona-Ausbreitung ab. 

Die Polizei sei vorbereitet

Die Brandenburger Polizei ist nach Angaben von Innenminister Michael Stübgen (CDU) auf mögliche Einsätze wegen der Ausbreitung des neuartigen Virus vorbereitet. Die Ausrüstung für die Polizisten, die sich vor Infektionen schützen müssen, sei vorhanden, sagte Stübgen am Montag bei einer Sondersitzung des Innenausschuss im Landtag. Die Polizei sei in der Lage, innerhalb einer Stunde einzugreifen, falls nötig. Laut Auskunft des Innenministeriums sind die Schutzmasken, die die Brandenburger Polizei für einen möglichen Corona-Einsatz zur Verfügung hat, 120 Minuten am Stück tragbar und nach einer kurzen Pause wieder nutzbar – und das mehrere Tage lang. Sorge, dass das Material nicht ausreichen könne, habe man deshalb nicht.

Ein Brandenburger Polizist befinde sich derzeit vorsorglich in häuslicher Quarantäne, weil seine Partnerin positiv auf das Virus getestet worden sei, teilte Stübgen weiter mit. Die Gefahr, dass Polizisten in Brandenburg durch die Frau infiziert wurden, bestehe aber nicht. 

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