Brandenburg : Wanka: Aus für Elite-Uni ist folgerichtig

CDU will Aufklärung / Speer verteidigt Einsatz für seinen Bekannten, UMC-Chef, Knödler-Bunte

T. Metzner S. Schicketanz P. Tiede

Potsdam - Der Verlust der staatlichen Anerkennung für die Potsdamer „University of Management and Communication“ (UMC), die der Wissenschaftsrat des Bundes mit Missständen und Defiziten an der privaten Elite-Hochschule begründete hatte, sorgen nun für Debatten – und Fragen nach Hintergründen und Ursachen des Debakels. Für Brandenburgs frühere CDU-Wissenschaftsministerin Johanna Wanka war die Entscheidung des Wissenschaftsrates „nicht unerwartet, sondern folgerichtig“, sagte Wanka am Freitag den PNN. Die UMC, geführt von Präsident Eberhard Knödler-Bunte sei vom Wissenschaftsministerium seit Jahren auf Defizite hingewiesen worden, habe Bedenken des Hauses angesichts des unausgegorenen Konzeptes vor dem Zulassungsverfahren beim Wissenschaftsrat ignoriert. „Wir haben immer gewarnt“, sagte Wanka. Und der Linke-Wissenschaftsexperte Peer Jürgens sagte zu dem Fall, er sehe seine Bedenken gegenüber privaten Hochschulen bestätigt, in denen Studierende „viel zahlen“, aber das Risiko etwa von Pleiten oder nicht qualitätsgerechter Lehre groß sei.

Wie berichtet, hat der Wissenschaftsrat der UMC die Akkreditierung verweigert. Nach dieser Entscheidung verliert die private Hochschule die staatliche Anerkennung, bestätigte das Wissenschaftsministerium, jetzt von der SPD-Ressortchefin Martina Münch, geführt. Dies wurde nach PNN-Informationen der UMC bereits mitgeteilt. Deren vorläufige staatliche Anerkennung läuft zum Jahresende aus und wird nicht verlängert. Zwar hat das für die derzeitigen 330 Studenten, die monatlich 590 bis 780 Euro Studiengebühren zahlen, keinerlei Auswirkungen. Doch die Abschlüsse künftiger Studenten, die auch keinen Bafög-Anspruch mehr hätten, sind nicht mehr staatlich anerkannt, sagte ein Sprecher.

Der Wissenschaftsrat hatte seine Entscheidung mit erheblichen Missständen bei der UMC begründet (PNN berichteten). „Die Praxis der UMC ist geeignet, den Eindruck einer ,Titelfabrik‘ zu erwecken“, hieß es etwa in der Stellungnahme. Die UMC entspreche „nicht den wissenschaftlichen Maßstäben einer Hochschule“, sei „wiederholt durch rechtlich nicht korrekte Handlungsweisen“ aufgefallen. Insbesondere seien Vorschriften zur Titelführung ihrer hauptberuflichen Professoren missachtet worden. In „inakzeptablem Maß“ habe die UMC Honorar- und Nebenerwerbsprofessuren vergeben. Das Verhältnis von hauptberuflichen zu Honorarprofessuren liege damit bei 1:1 – im Kontrast zum bundesweiten Hochschul-Durchschnitt von 1:25. Von den 14 hauptberuflichen Lehrkräften sei lediglich eine nach einer Ausschreibung verpflichtet worden. Ansonsten seien „persönlich bekannte, dem Gründungskreis angehörende oder nahestehende Personen zu Professoren bestellt“ worden. Dieses Vorgehen sei „zweifelhaft“, so die Kritik. Auch agiere die UMC für eine Hochschule „durchgängig zu wenig verlässlich“. Es fehle Prozesssicherheit und „Offenheit nach außen“.

Die harsche Rüge sorgt für Spekulationen, da UMC-Präsident Eberhard Knödler-Bunte eine schillernde Persönlichkeit ist. Er gilt als enger Bekannter von Regierungschef Matthias Platzeck (SPD), der auf Knödler-Buntes Gut Luisenau seine Hochzeit – anwesend war auch der damalige Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) – gefeiert hatte.  Der heutige Innenminister und frühere Finanzminister Rainer Speer (SPD) ist Mitglied des Kuratoriums der UMC. Speer sagte dazu, er habe die private Hochschule schon seit seiner Tätigkeit als Chef der Staatskanzlei ebenso wie das Hasso-Plattner-Institut im Sinne des Wissenschaftsstandortes Potsdam „politisch unterstützt“. Dazu stehe er, so Speer: „Ich habe versucht zu helfen, dass es funktioniert.“ Wanka wiederum bestätigte auf PNN-Anfrage ausdrücklich, dass es „nie politischen Druck“ von Platzeck oder Speer gegeben habe, die UMC zu bevorzugen oder besonders zu fördern. „Ich habe mit Platzeck nie über die UMC gesprochen. Herr Speer hatte Fragen, hat aber meine fachliche Auskunft immer akzeptiert“.

Andere Parteifreunde wollen sich damit nicht zufrieden geben. So forderte der CDU-Landtagsabgeordnete Dierk Homeyer am Freitag politische Aufklärung im Parlament über „die Umstände des UMC-Desasters“ und die Rolle führender Landespolitiker. Es bestehe der Verdacht, dass es im Zusammenhang mit der UMC Versuche von politischer Einflussnahme gegeben hat, sagte Homeyer, der auf die „bekannten persönlichen Beziehungen“ zwischen Knödler-Bunte und dem heutigen Innenminister Speer sowie Regierungschef Platzeck verwies.

Es sei bekannt, dass von SPD-Politikern immer wieder insistierende Nachfragen an das CDU-geführte Wissenschaftsministerium gerichtet worden seien, wenn Knödler-Bunte mit dem Verlauf des Zulassungsverfahrens für die UMC nicht zu zufrieden gewesen sei.

Als die UMC gegründet wurde, hatten sowohl das Wissenschaftsministerium als auch die Stadt Potsdam Bedenken, vor allem wegen ungeklärter Finanzierungs- und Konzeptionsfragen. Wanka erschien deshalb 2008 auch nicht zur Einweihungsfeier in der alten Hauptpost – anders als Platzeck, der die Risikobereitschaft Knödler-Buntes lobte. Aus dem Wissenschaftsministerium hieß es, dass die frühere Hausspitze gegenüber Staatskanzlei und Regierungschef deutlich gemacht habe, dass man davon ausgehe, dass die UMC die staatliche Anerkennung nicht auf Dauer bekomme.

Aus Kreisen des Wissenschaftsrates hieß es am Freitag, man sei irritiert gewesen, dass sich die neue Wissenschaftsministerin Brandenburgs, Martina Münch (SPD), und ihr Staatssekretär Martin Gorholt (SPD) nun kurz nach Amtsantritt noch bemüht hätten, das Votum des Rates zu verhindern oder abzumildern. Erst auf den Verweis, dass das Gremium unabhängig und das Votum bereits bundesweit in Fachkreisen bekannt geworden sei, habe Brandenburg Ruhe gegeben, hieß es. Die UMC will nun zunächst auf Neuimmatrikulationen verzichten, in zwei Jahren erneut die staatliche Anerkennung versuchen. T. Metzner, S. Schicketanz, P. Tiede

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