• „Walküre“ und „Revolver-Anna“: Schau über Aufseherinnen in Frauen-KZ

„Walküre“ und „Revolver-Anna“ : Schau über Aufseherinnen in Frauen-KZ

Sie übten Gewalt über Gefangene aus: Eine neue Dauerausstellung in der Gedenkstätte Ravensbrück widmet sich ab Samstag der Geschichte und Nachgeschichte von „SS-Aufseherinnen“.

Anna Kristina Bückmann
Die Ausstellung "Im Gefolge der SS" in der Gedenkstätte Ravensbrück handelt von Aufseherinnen des Frauen-Konzentrationslagers.
Die Ausstellung "Im Gefolge der SS" in der Gedenkstätte Ravensbrück handelt von Aufseherinnen des Frauen-Konzentrationslagers.Foto: Christophe Gateau/dpa

Fürstenberg/Havel - 3340 Frauen, die für den Dienst in dem Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück ausgebildet wurden - viele von ihnen bewarben sich freiwillig: Eine Ausstellung in der Gedenkstätte Ravensbrück nimmt die Geschichte und Nachgeschichte der „SS-Aufseherinnen“ in den Blick. Fotos, Dokumente, Filme und Videos dienen als Exponate, wie die Gedenkstätte am Freitag mitteilte. Die neue Dauerausstellung in einem der ehemaligen Aufseherinnen-Wohnhäuser ist ab Samstag für Besucher geöffnet.

Die Ausstellung wird in einer ehemaligen Unterkunft von KZ-Aufseherinnen gezeigt.
Die Ausstellung wird in einer ehemaligen Unterkunft von KZ-Aufseherinnen gezeigt.Foto: Christophe Gateau/dpa

Wie wurden aus ganz durchschnittlichen Frauen innerhalb kürzester Zeit gewaltbereite KZ-Aufseherinnen? Diese Frage stellt die Schau in den Mittelpunkt der Präsentation. Bis 1942 bewarben sich die meisten Frauen laut der Einrichtung aus eigener Initiative um eine Anstellung. Die vergleichsweise gute Bezahlung und der berufliche und soziale Aufstieg waren demnach attraktiv für die meist 20- bis 25-jährigen Frauen.

Nicht nur um KZ, auch bei Einsätzen in Fürstenberg kam es zu offener Brutalität

Die Inhaftierten seien der Willkür der Aufseherinnen ausgesetzt gewesen, denen sie Namen wie „Walküre“, „Revolver-Anna“ oder „Blutige Brygyda“ gaben. Diese verteilten Ohrfeigen, schlugen Häftlinge mit der Faust, Riemen oder Peitschen oder drohten mit der Schusswaffe. „Nur ganz wenige Frauen verweigerten den Einsatz als KZ-Aufseherin“, so Kuratorin Simone Erpel.

Das Häftlingslager sei „ein Ort der Gewalt“, so die Gedenkstätte. Aber nicht nur in den Hafträumen hätten die Aufseherinnen Gewalt ausgeübt. Auch in der Öffentlichkeit sei es zu „offener Brutalität“ gekommen, hieß es, bei Einsätzen in Fürstenberg und Umgebung, wo die Häftlinge Zwangsarbeit leisteten.

1939 ließen die Nazis in Ravensbrück das größte Frauen-KZ auf deutschem Gebiet errichten. Zwei Jahre später wurde ein Männerlager angegliedert, rund ein Jahr später ein Jugendlager für junge Frauen und Mädchen. Während des Zweiten Weltkriegs waren 120.000 Frauen und Kinder, 20.000 Männer und 1200 weibliche Jugendliche laut Gedenkstätte als Gefangene in dem Lager.  (dpa)
 
 

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