• Waldbrandgefahr: Dürresommer würde Osten am schlimmsten treffen

Waldbrandgefahr : Dürresommer würde Osten am schlimmsten treffen

Der April ist viel zu trocken. Die ersten Waldbrände gab es bereits. Bei anhaltender Trockenheit könnte ein weiterer Dürresommer die östlichen Bundesländer besonders stark treffen.

Christian Rupp Gudrun Janicke
Staub zieht über eine vertrocknete ehemalige Waldfläche an der A9, die bei einem Feuer 2018 abgebrannt war.
Staub zieht über eine vertrocknete ehemalige Waldfläche an der A9, die bei einem Feuer 2018 abgebrannt war.Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Potsdam - Nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) könnte ganz Deutschland auf einen weiteren Dürresommer zusteuern. Zum Beginn der Vegetationsperiode seien die Böden in vielen Regionen deutlich trockener als im vieljährigen Durchschnitt - und sogar trockener als im April des vergangenen Jahres. Damals konnten Pflanzen und Bäume mit langen Wurzeln noch die Feuchtigkeit aus tiefen Bodenschichten ziehen und kamen so gut über die Trockenheit hinweg. Diese Wasserspeicher seien in diesem Jahr jedoch "weit weniger gut gefüllt". Ein Dürresommer würde daher nicht nur die Landwirtschaft erneut hart treffen, sondern dieses Mal auch die Forstwirtschaft, schätzt der DWD. "Die Startbedingungen für die Vegetation sind 2019 in vielen Gebieten Deutschlands deutlich schlechter als im Vorjahr", sagte Leiter der DWD-Agrarmeteorologie, Udo Busch, in Offenbach.

Bei anhaltender Trockenheit könnte ein weiterer Dürresommer die östlichen Bundesländer aus Sicht des DWD besonders stark treffen. Vor allem in Sachsen-Anhalt und Thüringen sei die Bodenfeuchte bereits so niedrig wie im Juli 2018. Selbst wenn es noch viel regnen sollte, bleibt sie den Schätzungen zufolge bis in den Sommer hinein unter dem vieljährigen Mittelwert. "Sollte die trockene Witterung in den kommenden Monaten anhalten, könnte sich die Dürre des Jahres 2018 wiederholen oder sogar übertroffen werden", so Busch.

Vielfalt im Wald kann vor Bränden schützen

Der Wald der Zukunft muss aus Sicht eines Waldexperten vielfältig sein, um Waldbränden Paroli bieten zu können. Strukturreiche Laubwälder mit verschiedenen Baumarten brennen nicht so schnell und trocknen nicht so stark aus wie reine Nadelwälder, wie der Naturwissenschaftler Pierre Ibisch von der Eberswalder Hochschule für nachhaltige Entwicklung der Deutschen Presse-Agentur sagte. "Die großflächigen Monokulturen werden mittelfristig scheitern." In Brandenburg gibt es 1,1 Millionen Hektar Wald. Fast drei von vier Bäumen - 72 Prozent - sind laut dem letztem Waldzustandsbericht Kiefern.

Quasi in einem Freilandlabor beobachteten Wissenschaftler derzeit auf einem 28 Hektar großen Areal in Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark), wie sich das Waldstück nach einem Feuer entwickelt, sagte Ibisch. Der Natur müsse Zeit gelassen werden, sich selbst zu heilen. So rät er etwa, verkohlte Bäume entgegen der oft üblichen Praxis nicht zu räumen: Sie unterstützten die Wasserspeicherung und spendeten Kühle. (dpa)