• „Waldbrände haben mehr positive als negative Folgen“

Brandenburg : „Waldbrände haben mehr positive als negative Folgen“

Naturschützer sehen Chancen für neue Heidelandschaften und den Waldumbau, während die Förster frustriert sind

Michael Mara

Naturschützer sehen Chancen für neue Heidelandschaften und den Waldumbau, während die Förster frustriert sind Von Michael Mara Potsdam. Die zahlreichen Waldbrände in Brandenburg – 450 Hektar sind bereits abgebrannt – frustrieren besonders die Förster. Sie haben den Wald gehegt und gepflegt, jetzt wird er Opfer der Flammen: „Feuer vernichtet nicht nur das Holz, sondern verbrennt auch den Humusboden und zieht Tiere und Pflanzen in Mitleidenschaft“, klagt etwa Jan Engel, Sprecher der Landesforstanstalt in Eberswalde. Martin Flade von der ebenfalls in Eberswalde ansässigen Landesanstalt für Großschutzgebiete bestreitet das zwar nicht, hält jedoch entgegen: „Die positiven Folgen sind größer als die negativen.“ Im Gegensatz zu den Förstern sehe sie der Naturschutz deshalb „nicht ungern“. Natürlich mit der Einschränkung, dass keine Menschenleben gefährdet werden und die Brände nicht auf Ortschaften übergreifen dürften. Für den Frust der Förster zeigt der Referatsleiter Naturschutz und Entwicklungsplanung der Landesanstalt für Großschutzgebiete Verständnis: Sie hätten das Holz zu schützen und Brände zu bekämpfen. Dennoch sei die Sicht des Naturschutz eine andere: Denn einerseits, so Flade, schafften die Brände auf ehemaligen Truppenübungsflächen zum Beispiel bei Jüterbog neuen Lebensraum für die Heide. Das sei wichtig, weil die Heidelandschaften in Brandenburg immer weiter zurückgedrängt würden. „Die Heide ist ein typischer Brandfolger“, erläutert Flade. Sie wachse nach Bränden „wie verrückt“. Damit entstünden neue Lebensräume für seltene, zum Teil vom Aussterben bedrohte Tier- und Vogelarten, die in Heidelandschaften lebten wie Birkhuhn, Wiedehopf, Ziegenmelker, Heidelerche oder Smaragdeidechse. In der Lüneburger Heide werde Feuer bewusst eingesetzt um die Heide zu pflegen. Auch in US-Nationalparks würden kleine Brände zugelassen. Zum anderen werde durch die Waldbrände der Prozess des Waldumbaus beschleunigt, betont Flade. Anstelle der Nadelwälder, die in Brandenburg mit einem Anteil von 85 Prozent stark überwögen, könne eine naturnahe Waldgesellschaft entstehen. „Wir haben durch die Waldbrände die Chance, zu einem schnellen Waldumbau zu kommen“, so Flade. Der beschleunigte Umbau – also weg von den Nadelholz-Monokulturen hin zu Mischwäldern, ist nach Ansicht des Naturschützers sogar eine wichtige Vorsorgemaßnahme gegen Waldbrände: Denn, und das bestreiten auch die Förster nicht, Nadelwälder sind für Waldbrände besonders anfällig, während es in den Laubwälder fast nie brennt. „Laubbäume sind nicht so brandgefährdet, sie haben kein Harz“, sagt Flade. Außerdem sei der Boden in den Nadelwäldern trockener. „Es brennen nur die minderwertigen Wälder.“ Um die Brandgefahr in trockenen Gebieten zu senken, plädiert der Naturschützer dafür, hier verstärkt Baumarten zu pflanzen, „die kaum brennen“ wie Birken, Zitterpappeln, Traubeneichen. Aber der Waldumbau ist nicht der einzige Weg, um die Waldbrandgefahr in den von Forschern prophezeiten kommenden Heiß-Sommern einzudämmen: „Da die Trockenheit zunehmen wird, müssen wir nach Wegen suchen, um das Wasser trotz sinkender Grundwasserstände in den Wäldern zu halten.“ Eine Möglichkeit: den Wasserabfluss aus Mooren und kleinen Seen stoppen, damit die Wasserstände wieder ansteigen. Solche Projekte gebe es bereits in der Uckermark und in der Schorfheide. Man versuche auch, den Wasserhaushalt im Spreewald wieder in den Griff zu kriegen. „Zur Klimaveränderung kommt der Wassermangel“, warnt Flade. Die Verbesserung des Landschaftswasserhaushalts sei deshalb als vorrangige Aufgabe anzusehen.