• Vor dem Schulstart in Brandenburg: Schüler sollen Corona-Defizite aufholen

Vor dem Schulstart in Brandenburg : Schüler sollen Corona-Defizite aufholen

Brandenburg startet Förderprogramm im neuen Schuljahr. Gewerkschaft und Opposition beklagen Lehrermangel und zu volle Klassen.

Vor dem Schulstart in Brandenburg. Die Sommerferien sind vorbei, ab Montag geht es wieder in die Schulen des Landes. 
Vor dem Schulstart in Brandenburg. Die Sommerferien sind vorbei, ab Montag geht es wieder in die Schulen des Landes. Foto: Ottmar Winter PNN

Potsdam - Um Defizite aus der langen Homeschooling-Phase in der Pandemie auszugleichen, will das Land Brandenburg Schülerinnen und Schüler besser fördern. Zum Beginn des neuen Schuljahres am Montag im Regelbetrieb startet ein Aktionsprogramm „Aufholen nach Corona“, das Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) am Donnerstag vorstellte. Zur Förderung von Schülern mit Lernrückständen sollen für die Dauer von zwei Schuljahren 200 zusätzliche Pädagogen eingestellt werden. Dafür stehen nach Ministeriumsangaben rund 24 Millionen Euro bereit.

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Basis für die Zuweisung der Stellen an die Schulen seien die Ergebnisse der Lernstandserhebungen, hauptsächlich in den Fächern Deutsch und Mathematik, die in den kommenden Wochen stattfinden werden, so Ernst. Zudem sollen weiterhin 400 Studenten eingesetzt werden, die Schüler individuell betreuen.

Sonderbudget für Projekte gegen Pandemiefolgen

„Viele Schüler haben auch unter der Isolation sowie Bewegungsmangel gelitten“, erklärte die Ministerin. Über außerschulische Angebote sollen deshalb die psychosozialen und gesundheitlichen Folgen der Pandemie für Kinder und Jugendliche in den Fokus genommen werden. Im August erhalten alle Schulen ein Budget von 3000 Euro, um in Zusammenarbeit mit anderen Akteuren Projekte etwa zum sozialen Lernen zu ermöglichen. Ab Oktober sollen dann diejenigen Schulen weitere Mittel bekommen, deren Schüler besonders großen Bedarf haben. Um die Schulsozialarbeit zu stärken, werden pro Landkreis und kreisfreier Stadt drei zusätzliche Stellen finanziert. Hinzu kommen Bewegungsangebote und Schwimmkurse für Kinder, die wegen der coronabedingt geschlossenen Bäder nicht schwimmen lernen konnten.

Brandenburgs Ministerin für Bildung, Jugend und Sport Britta Ernst (SPD).
Brandenburgs Ministerin für Bildung, Jugend und Sport Britta Ernst (SPD).Foto: Soeren Stache/dpa

„Das sogenannte Aufholprogramm bleibt eine Blackbox“, kritisiert hingegen die bildungspolitische Sprecherin der oppositionellen Linken, Kathrin Dannenberg. Für zwei Jahre zusätzliches Personal einzustellen, sei keine Lösung, um dauerhaft gute Lernbedingungen zu schaffen. Schülerzahlen und Klassenstärken seien gestiegen, Klassen müssten zusammengelegt werden und einen nennenswerten Stellenaufwuchs für Lehrkräfte gebe es nicht.

Kritik von Opposition und Lehrergewerkschaft

Auch der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Günther Fuchs, sieht Brandenburg auf den Schulstart am Montag nicht gut vorbereitet. „Nach eineinhalb Jahren Pandemie wurden nicht die richtigen Schlussfolgerungen gezogen“, sagte er Donnerstag. Anstatt kleinere Klassen zu bilden, säßen teils bis zu 30 Schüler in einem Klassenzimmer, vor allem die ersten und neunten Klassen seien sehr voll. Auch wegen der erneut gestiegenen Schülerzahl wäre aus Sicht der Gewerkschaft die dauerhafte Einstellung von 400 weiteren Lehrkräften notwendig gewesen.

Neueinstellungen bei Lehrern mit regionalen Verwerfungen

„Für das neue Schuljahr 2021/22 konnten wieder alle Stellen besetzt werden“, heißt es hingegen in der Mitteilung des Ministeriums. Das sei eine rechnerische Größe, räumte Ministerin Ernst auf Nachfrage ein. Zum Schuljahr 2021/22 wurden 1256 Lehrkräfte unbefristet neu eingestellt. Dies seien 56 mehr als laut Plan benötigt, so Ernst. Das bedeute aber nicht, dass es nicht an manchen Schulen Vakanzen geben könne. Nach einer GEW-Abfrage sind aktuell noch rund 120 Lehrerstellen unbesetzt. Die „regionalen Verwerfungen“ seien dabei noch größer geworden, so Fuchs. Vor allem im Nordwesten und Süden Brandenburgs fehlten Lehrer.

Zudem bemängelte er die ungenügende Vorbereitung der Seiteneinsteiger. 21,3 Prozent der unbefristet neu eingestellten Pädagogen haben laut Ministerium kein Lehramtsstudium absolviert. Hinzukommen 537 Quereinsteiger mit befristetem Vertrag. Gerade diese würden am Montag teils völlig unvorbereitet vor den Klassen stehen, so der GEW-Chef.

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