• Von Potsdam nach Karlsruhe: Richter Frank Tiemann geht zum Bundesgerichtshof

Von Potsdam nach Karlsruhe : Richter Frank Tiemann geht zum Bundesgerichtshof

Ans Landgericht Potsdam kam Richter Frank Tiemann vor fast 20 Jahren. Einige spektakuläre Prozesse hat er dort verhandelt. Nun verlässt er Brandenburg - und wechselt an den Bundesgerichtshof.

Alexander Fröhlich
Richter Frank Tiemann hat viel für die Brandenburger Justiz getan. Nun verlässt er die Region.
Richter Frank Tiemann hat viel für die Brandenburger Justiz getan. Nun verlässt er die Region.Foto: dpa

Potsdam/Berlin - Er verkündete gerade ein Hafturteil gegen vier Anklagte, die in Stahnsdorf eine Cannabisplantage betrieben haben, danach fand er schon die erste Glückwunsch-E-Mail. Am Donnerstag ist der Potsdamer Strafrichter Frank Tiemann vom Richterwahlausschuss, also von den Justizministern der Länder und des Bundes und 16 Bundestagsabgeordneten, zum Richter am Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe bestimmt worden. „Das ist großartig, toll“, sagte er den PNN am Abend. Er ist aber auch überrascht, weil er kein Parteibuch hat, was nicht ganz unwichtig ist, bei solch hohen Stellen.

Im Sommer 2013 war er gefragt worden, ob er sich einen Wechsel nach Karlsruhe vorstellen könne. Die Arbeit am Landgericht mache ihm immer noch viel Spaß, „das war schon klasse hier“. Aber er habe 2013 auch gemerkt, dass es an der Zeit sei, mal wieder etwas anderes machen. Dann schlug Brandenburgs damaliger Justizminister Volkmar Schöneburg (Linke), selbst von Berufs wegen Strafrechtler und Verteidiger, ihn vor. Tiemann hat sich in Brandenburgs Justiz vor allem mit seinen überwiegend revisionsfesten Urteilen einen Namen gemacht, die meist vor dem BGH Bestand hatten. Am Landgericht hat er eine Reihe spektakulärer Fälle verhandelt – wie gegen den früheren Bürgermeister von Ludwigsfelde Heinrich Scholl, der seine Ehefrau ermordet hat.

Wegen Vergiftung angeklagter Vater ist sein letzter Prozess

Aktuell verhandelt er die Anklage auf versuchten Mord gegen einen Tierpfleger, der seine Tochter mit Reinigungsmittel vergiftet haben soll. „Das wird wohl mein letzter großer Fall hier sein“, sagte Tiemann. Der Wechsel zum BGH sei ein konsequenter Seitenwechsel. Statt lebendige Verhandlungen zu führen, werde er jetzt eher Akten bearbeiten und „gesittete Rechtsgespräche“ über Revisionsanträge führen. Vor 15 Jahren hätte er sich das sicherlich nicht vorstellen können, sagte er.

Geboren wurde Tiemann 1962 in Bielefeld, begann seine Karriere 1992 als Richter in Nordrhein-Westfalen und wechselte 1996 ans Landgericht Potsdam. Seit 2001 ist er Vorsitzender Richter, zuletzt Vorsitzender Richter der Schwurgerichtskammer. An der Humboldt-Universität lehrt er zudem Jura-Studenten im Strafprozessrecht. Wann genau Tiemann nach Karlsruhe wechselt, ist noch unklar, er lebt bislang in Berlin. Brandenburgs Justizminister Helmuth Markov (Linke) sagte: „Ich freue mich sehr, dass seine engagierte und ausgezeichnete Arbeit in der Justiz des Landes Brandenburg durch diese Wahl nun auch bundesweit gewürdigt wird.“

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