• Von Klaus Kurpjuweit, Hagen Ludwig und Tobias Reichelt: Im Südwesten bleibt’s wohl ruhig

Von Klaus Kurpjuweit, Hagen Ludwig und Tobias Reichelt : Im Südwesten bleibt’s wohl ruhig

Nach turbulenten Monaten liegt im Streit um die BBI-Flugrouten jetzt ein Kompromissvorschlag vor Lichterfelde bleibt verschont, Kleinmachnow jubelt, Werder hofft – und Wannsee muss noch bangen

Klaus Kurpjuweit Hagen Ludwig Tobias Reichelt
Kompromiss für die ersten Kilometer. Die vorgeschlagenen Routen beziehen sich bisher nur auf den unmittelbaren Startbereich.
Kompromiss für die ersten Kilometer. Die vorgeschlagenen Routen beziehen sich bisher nur auf den unmittelbaren Startbereich.

Sieben Monate wurde diskutiert und demonstriert. Am Montag hat die Fluglärmkommission nun Routen für die Starts am künftigen Flughafen in Schönefeld beschlossen, die sie jetzt der Deutschen Flugsicherung (DFS) zur Entscheidung vorlegen wird. Die Kommission selbst kann die Routen nicht festlegen; sie berät die Flugsicherung.

Nach den Empfehlungen der Fluglärmkommission wird Lichtenrade nicht überflogen, weil die Piloten nach dem Abheben von der Nordbahn bei Starts Richtung Westen geradeaus fliegen sollen. Ursprünglich wollte die DFS die Flugzeuge nach Norden abknicken lassen, wodurch sie über Lichtenrade gedonnert wären. Auch Lichterfelde, Kleinmachnow, Teltow und Stahnsdorf werden verschont.

Starten die Flugzeuge von der Südbahn nach Westen, sollen sie um 15 Grad oder mehr abknicken, um ein Überfliegen von Blankenfelde-Mahlow im südlichen Bereich zu verhindern, das beim Geradeausflug von der Nordbahn aber überflogen wird. So war es auch in den Genehmigungsunterlagen eingezeichnet.

Gegen das Abknicken von der Südbahn wehrt sich aber eine Initiative aus Rangsdorf, weil die Maschinen dann dicht am Vogelschutzgebiet Rangsdorfer See vorbeifliegen. Die Initiative bereitet eine Beschwerde bei der EU-Kommission vor, weil der Naturschutz missachtet werde. Zudem sei die Gefahr eines Vogelschlags besonders groß.

Bei Starts gen Osten von der Südbahn empfiehlt die Fluglärmkommission das scharfe Abknicken Richtung Süden gleich nach dem Start. So würde das Zentrum von Zeuthen nicht überflogen. Während der Chef der Flugsicherung in Berlin, Hans Niebergall, es für möglich hält, dass 98 Prozent aller Maschinen diese Kurve fliegen können, gibt es bei Piloten und Bürgern in Zeuthen Zweifel, dass es allen Piloten gelingen wird, diese Route so zu nehmen, dass Zeuthen vom Krach am Himmel verschont wird. Die dortige Bürgerinitiative fordert deshalb, dass auch von der Südbahn zunächst geradeaus geflogen wird, wie es bei der Nordbahn vorgesehen ist. Die Fluglärmkommission will die Geradeausflüge aber nur für die Maschinen zulassen, die weiter Richtung Osten fliegen oder die die scharfe Kurve nicht schaffen.

Geradeausflüge wären grundsätzlich mit einem Abweichen von internationalen Vorschriften verbunden, was nur mit einer Ausnahmegenehmigung des Bundesverkehrsministeriums möglich wäre. Die Fluglärmkommission lässt dafür von unabhängigen Sachverständigen die erforderliche Sicherheitsprüfung erstellen, die nach Angaben von Flughafenchef Rainer Schwarz von der Flughafengesellschaft finanziert wird.

Die vorgeschlagenen Routen beziehen sich bisher nur auf den unmittelbaren Startbereich. Nicht festgelegt hat die Kommission bisher, wann die Piloten die Routen verlassen dürfen. So ist weiter unklar, ob Flugzeuge, die nach Westen starten und Kurs gen Norden nehmen, früh abknicken und dann Wannsee überfliegen oder den Knick erst später machen, wenn sie auch Potsdam und Werder im Süden passiert haben. Dies solle auf der nächsten Sitzung der Kommission am 11. April geklärt werden, kündigte die Vorsitzende Kathrin Schneider an.

Dazu soll der Überflugspunkt Wannsee in Richtung Westen verlegt werden, sagte Kleinmachnows Bürgermeister Michael Grubert (SPD) gegenüber den PNN. Die Flugzeuge würden dann Potsdam und die Stadt Werder westlich des Berliner Autobahnrings umfliegen. „Damit wäre die Region komplett entlastet“, sagte Grubert. „Es gilt dann geradeaus und außenrum – statt oben drüber.“ Der Antrag sei mit den Fluglärmgegnern der Havelseen-Region abgestimmt. Würde der Überflugspunkt hingegen nicht verlegt, sei mit etwa 50 Maschinen pro Tag bei Westwind zu rechnen, die über die Stahnsdorfer Ortsteile Güterfelde, Kienwerder und Teile Kleinmachnows und Wannsee fliegen würden. „Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass wir dafür keine Lösung finden“, so Grubert.

Nach Lösungen soll auf der nächsten Kommissionssitzung auch für die viel diskutierten Anflugrouten auf den Flughafen gesucht werden. Auch dafür hat die Flugsicherung gestern verbesserte Vorschläge gemacht. Profitieren würden dadurch vor allem Werder und die Region um die Havelseen. Werders Bürgermeister Werner Große (CDU) ist zwar noch vorsichtig: „Bei Ostwind haben wir bis zu 250 Flugzeuge täglich über unseren Köpfen zu befürchten.“ Der Leiter der Berliner Flugsicherungs-Niederlassung, Niebergall, habe ihm jedoch zugesichert, dass auch bei den Anflügen noch Verbesserungen möglich seien. Laut Vorschlag des Landkreises Potsdam-Mittelmark sollen auch die westlichen Anflugkorridore bis hinter den Berliner Autobahnring verschoben werden, um damit Potsdam und die Region Havelseen zu schonen. mit ldg/tor