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Vom Wirtschaftsministerium in die Landwirtschaft : Ex-Minister Gerber wird Minijobber

Der nächste geplante Jobwechsel eines Ex-Ministers beschäftigt die Staatskanzlei. Der frühere Brandenburger Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) will in die Landwirtschaft - als Minijobber.

Marion Kaufmann Felix Hackenbruch
Brandenburgs damaliger Wirtschaftsminister Albrecht Gerber(SPD). Er trat aus familiären Gründen zurück. 
Brandenburgs damaliger Wirtschaftsminister Albrecht Gerber(SPD). Er trat aus familiären Gründen zurück. Foto: Bernd Settnik/dpa

Potsdam - Safari statt Schreibtisch, Weidezäune statt Wirtschaftsministerium. Der Kontrast könnte kaum größer sein für den neuen Job, um den sich Brandenburgs früherer Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) offenbar bemüht. Nachdem der 51-Jährige Jahrzehnte in Potsdam als Büroleiter zweier Ministerpräsidenten, Chef der Staatskanzlei und schließlich Minister die Geschicke des Landes mitgestaltet hatte, zieht es ihn nun vor die Tore Berlins in die Natur der Döberitzer Heide. Sein neuer Berufswunsch: Landwirtschaftlicher Mitarbeiter bei der Kontrolle von Weidezäune für Rinder.

Staatskanzlei muss den Fall prüfen 

Dies hat Gerber nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur bereits Mitte November bei der Staatskanzlei angezeigt. Demnach soll es sich dabei um einen Minijob handeln mit einem Arbeitsumfang von zwölf Stunden pro Woche. Gerbers Anzeige ist notwendig, weil nach dem Gesetz ausgeschiedene Minister zwei Jahre lang keinen Job annehmen dürfen, der einen Bezug zu ihrer früheren Tätigkeit als Minister hat und damit zu einem Interessenkonflikt führen könnte. Über die Zulässigkeit entscheidet die Landesregierung. 
Gerber hatte sein Ministeramt Mitte September aus familiären Gründen niedergelegt, ein Angehöriger war offenbar schwer erkrankt. Bei seiner Verabschiedung hatte er gesagt, er wolle sich nun eine Beschäftigung suchen, die es ihm ermögliche, sich flexibel um seine Familie kümmern zu können. Sein Nachfolger wurde der frühere Präsident der Brandenburgisch Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg, Jörg Steinbach. Er kam als Parteiloser ins Amt, ist mittlerweile aber bei der SPD eingetreten.

Künftiger Arbeitgeber unklar 

Für welchen Arbeitgeber Gerber in Zukunft Rinder hüten wird, ist noch unklar. Bei der Heinz Sielmann Stiftung, die für die Renaturierung des ehemaligen Truppenübungsplatz zwischen Spandau und Potsdam verantwortlich ist, reagierte man überrascht. „Davon habe ich noch nichts gehört“, sagte eine Sprecherin. Möglich ist aber auch, dass Gerber in Zukunft für den Landwirt Helmut Querhammer arbeitet. Der 64-Jährige hat seinen Hof in Fahrland, lässt 90 Gallowayrinder und 25 Wasserbüffel aber in der Döberitzer Heide grasen. Insgesamt sind auf dem Gelände rund 5500 Tier- und Pflanzenarten beherbergt. Darunter seltene Bienen und Vögel, 90 Rothirsche, 30 Przewalski-Pferde und 90 Wisente. 

Umstrittener Wechsel von Golze zur Awo 

Aktuell sorgt bereits der geplante Wechsel von Ex-Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke) zur Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Potsdam für Krach in der rot-roten Koaliton. Die Linken wehren sich dagegen, dass die Staatskanzlei versucht, ihrer Parteichefin den neuen Job zu untersagen will. Laut "Bild" will die Staatskanzlei der wegen des Pharmaskandals zurückgetretenen Golze die neue Stelle mit Verweis auf das Ministergesetz verbieten. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, hieß es aus der Staatkanzlei. Bei Golze geht es nicht um einen Minijob, aber dennoch nicht um eine herausgehobene Position. Sie will bei der Awo eine Mitarbeiterstelle für Armutsbekämpfung antreten, Entlohnung rund 3500 Euro brutto.