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Verkehrs-Bilanz für Brandenburg : Lkw-Überholverbot und Tempolimit auf A13

Die Bilanz für das vergangene Jahr zeigt: Immer mehr Verkehrsunfälle ereignen sich wegen Alkoholkonsum und dichten Auffahrens. Deshalb greift Brandenburg zu einer drastischen Maßnahme.

Auf der A13 zwischen dem Kreuz Schönefeld und dem Dreieck Spreewaldsoll ein Tempolimit von 130 km/h eingerichtet werden.
Auf der A13 zwischen dem Kreuz Schönefeld und dem Dreieck Spreewaldsoll ein Tempolimit von 130 km/h eingerichtet werden.Foto: Holger Hollemann/ dpa (Symbolbild)

Potsdam - Trotz einer leicht verbesserten Unfallbilanz mit weniger Verkehrstoten will Brandenburg ein weiteres Tempolimit auf Autobahnen einführen. Auf der viel befahrenen, unfallträchtigen A 13 Berlin – Dresden soll zwischen dem Kreuz Schönefeld und dem Dreieck Spreewald ab dem Frühjahr eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 130 km/h gelten, kündigte Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) am Donnerstag bei der Vorstellung der Verkehrsunfallbilanz 2018 in Potsdam an. Insgesamt dürfte dann auf der Hälfte der Autobahnstrecken im Land nicht mehr uneingeschränkt gerast werden.

Überholverbot für Lkw

Für den gefährlichen Abschnitt der A 13 werde zudem ein Überholverbot für Lkw verhängt, so Schneider. Hintergrund ist die zwar gesunkene, aber dennoch weiter hohe Zahl an Unfällen speziell im Güterverkehr. Im Vorjahr kamen 32 Menschen in Brandenburg bei Lkw-Unfällen ums Leben (2017: 39). Insgesamt sanken die Unfälle im Güterverkehr um 5,4 Prozent auf 13425. In 73 Prozent dieser Unfälle wurden von den Lasterfahrern selbst verursacht.

„Da der Güterverkehr auf den Autobahnen – insbesondere auf der Ost-West-Transitstrecke – weiter zunehmen wird, besteht hier nach wie vor Handlungsbedarf“, so Schneider. Das Tempolimit und das Überholverbot für einen Teil der A 13 habe die Autobahnunfallkommission des Landes, der Vertretern der Polizei und des Landesbetriebs Straßenwesen angehören, vorgeschlagen. Dieser Empfehlung folge man, da die Unfallzahl speziell für diese Strecke zwar leicht gesunken seien, aber immer noch auf hohem Niveau lägen. Im Vorjahr krachte es 662 Mal auf dem zweispurigen Abschnitt, zwei Menschen starben. Problem an der Stelle sei die unterschiedliche Geschwindigkeit, die Pkw und Lkw erreichen – und dann Unaufmerksamkeit beim Rausfahren auf die Überholspur und beim Wiedereinfädeln, erklärte Schneider. Brandenburg verhandle derzeit mit dem Bund über die Einführung eines automatischen, intelligenten Verkehrsleitsystems für die A 13, so dass das Tempolimit zum Beispiel in Nachtstunden bei weniger Verkehr vorübergehend außer Kraft gesetzt werden könnte, so Schneider. Die Grünen im Landtag forderten hingegen gestern die ein durchgängiges Tempolimit auf Autobahnen.

Zu geringer Abstand

Überhöhte Geschwindigkeit ist nicht nur auf den Autobahnen nach wie vor die Hauptunfallursache in Brandenburg. Wieder mehr Unfälle als in den Vorjahren gingen zudem auf das Konto von Fahrern, die den Abstand nicht einhielten oder alkoholisiert unterwegs waren. Insgesamt kamen im Vorjahr 143 Menschen im Straßenverkehr ums Leben, das sind fünf weniger als 2017. Gemessen am Jahr 1991 ist das ein gewaltiger Rückgang. Damals waren 931 Verkehrstote zu beklagen. „Diese Horrorzahlen der 90er Jahre haben wir zum Glück weit hinter uns gelassen“, sagte Innenstaatssekretär Katrin Lange (SPD). Im Vergleich der Länder liege Brandenburg aber immer noch nicht gut. Für 2018 kommt die Mark auf 57 Verkehrstote auf eine Million Einwohner. Im Bundesschnitt sind es 39. Und: Zwar sank die Zahl der Todesopfer, nicht aber die der Verletzten. Bei 82.281 Unfällen wurden 11.660 Menschen verletzt, das sind 283 mehr als 2017.

Das Land setzt zur Erhöhung der Verkehrssicherheit weiter auch auf Repression. Die Brandenburger Polizei kontrolliere deutlich mehr, so Vize-Polizeipräsident Roger Höppner. Pro Tag wurden 2018 durchschnittlich 5000 Verkehrsverstöße geahndet – der höchste Wert in den vergangenen zehn Jahren. Probleme bei den Kontrollen bereite der Polizei dabei die Situation auf den Autobahnen. Teils fehle nicht nur in Baustellenbereichen der Platz, um vor allem Lkw zu überprüfen und den Verkehr sicher an der Kontrollstelle vorbeizuleiten. Alle Polizeidirektion des Landes testen deshalb der Einsatz von Drohnen, die aus der Luft zum Beispiel dokumentieren, ob der Sicherheitsabstand eingehalten wird.

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