• Unsichere Zukunft - BTU Cottbus: Keine Forschung von großer Bedeutung

Unsichere Zukunft - BTU Cottbus : Keine Forschung von großer Bedeutung

Die von Wissenschaftsministerin Kunst mit aller Macht durchgesetzte neue Lausitz-Uni muss auf die DFG-Mitgliedschaft warten. Es liegt am Geburtsfehler der fusionierten Hochschule.

Alexander Fröhlich
Ausgezeichnet? Zumindest die Bibliothek der BTU in Cottbus ist preisgekrönt.
Ausgezeichnet? Zumindest die Bibliothek der BTU in Cottbus ist preisgekrönt.Foto: Michael Urban/ddp

Potsdam/Cottbus - Nach dem Vertrags- gerangel zwischen Brandenburgs Wissenschaftsministerin Sabine Kunst und dem designierten Präsidenten der neuen Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg, Jochen Zimmermann, könnte noch ein weiteres Problem auf die Hochschule zukommen. Grund ist die auf Druck der rot-roten Landesregierung gegen allen Widerstand und gegen den Rat zahlreicher Experten und Gutachter durchgesetzte Fusion der Cottbuser Universität und der Senftenberger Fachhochschule zu einem neuartigen Hybridmodell. Dadurch schwinden nach PNN-Recherchen auf Jahre die Chancen, die neue Lausitz-Uni als wichtigen Forschungsstandort auszubauen. Kritiker lasten die Probleme an der BTU direkt Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (parteilos) an, für die die Hochschulfusion ein Prestigeprojekt ihrer politischen Karriere ist.

Nach Informationen der PNN gibt es deutliche Verzögerungen bei der Aufnahme der Mitte vergangenen Jahres neu gebildeten BTU in die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). Dort herrschen offenbar Zweifel am Erfolg der neuen Hochschule. In einem Schreiben der DFG vom 7. November 2013, das den PNN vorliegt, wird empfohlen, die Aufnahme mindestens drei Jahre aufzuschieben, um die Entwicklung der neuen Hochschule hinsichtlich der Aufnmahmekriterien der DFG sinnvoll einschätzen zu können.

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Die DFG ist für die Vergabe von Drittmitteln für die Forschung zuständig, die für Universitäten von großer Bedeutung sind. Durch die Fusion in der Lausitz ist nun eine Fachhochschule in die neu gegründete Universität eingegliedert worden. Fachhochschulen sind grundsätzlich nicht Mitglieder der DFG. Von der Generalsekretärin der DFG, Dorothee Dzwonnek, war zu erfahren, dass die BTU gegenüber der DFG Interesse an einer Mitgliedschaft bekundet hat. Es würden Vorgespräche zu der Frage stattfinden, wie und in welchem zeitlichen Rahmen eine Mitgliedschaft in der DFG erreicht werden kann. Derzeit sei aber kein formales Mitgliedschaftsverfahren anhängig. Nach der Satzung der DFG können Hochschulen Mitglieder in der Deutschen Forschungsgemeinschaft werden, wenn sie Forschungseinrichtungen von allgemeiner Bedeutung sind. Einzelne Mitglieder der BTU können unabhängig von der Mitgliedschaft der Hochschule in der DFG Förderanträge stellen, eine Mitgliedschaft der Hochschule wäre hingegen eine grundsätzliche Bestätigung der Forschungsqualität an der BTU. Zur Frage der rechtlichen und organisatorischen Konstruktion der BTU wollte sich die DFG nicht äußern.

Der ehemalige Berliner Wissenschaftssenator George Turner wertete die aktuelle Entwicklung für die neu gegründete Hochschule als gewaltigen Rückschritt. Wenn die Aufnahme in die DFG nun vor dem Hintergrund der Fusion ins Stocken gerate, sei das sehr bedenklich. Hinzu komme das Gerangel um den designierten Gründungspräsidenten. Sollte er tatsächlich nicht annehmen, werde „eine weitere Stagnation eintreten“, so Turner.