Unfall mit Merkel : Kollision mit der Kanzlerin

Ein Berliner Ehepaar hatte auf der Heimfahrt von Freunden einen kleinen Crash. Mit wem, erfuhr es erst später vom wütenden Tankwart.

Lukas Berg Alexander Fröhlich
Es geschah am Autobahndreieck Barnim. Ein harmloser Unfall – und dann steigt die Kanzlerin aus dem anderen Fahrzeug.
Es geschah am Autobahndreieck Barnim. Ein harmloser Unfall – und dann steigt die Kanzlerin aus dem anderen Fahrzeug.Foto: dpa

Lindenberg/Potsdam - Die Meldung der Brandenburger Polizei vom Montagvormittag fiel kurz aus: „Aus unbekannten Gründen gab es eine leichte seitliche Kollision mit einem Dienstfahrzeug der Bundeskanzlerin. Personen wurden nicht verletzt. Der Unfallhergang wird geprüft.“ Für Helge S. (Name geändert), ein 55-jähriger Beamter aus Berlin, aber war es mehr als nur eine Schrecksekunde.

Es geschah am Sonntag um genau 14.16 Uhr, so ist es in der sogenannten WE-Meldung – Meldung wichtiger Ereignisse – der Polizei an das brandenburgische Innenministerium verzeichnet. Der 55-Jährige war mit seiner Frau in seinem Kleinwagen, einem Citroën Picasso, auf dem Weg vom Wochenendausflug bei Freunden an der Oder im Barnim zurück nach Berlin. Sie fuhren gerade am neuen Autobahndreieck Barnim von der A11 auf den Zubringer nach Weißensee, 120 Stundenkilometer sind dort erlaubt, Helge S. fährt für gewöhnlich, um Sprit zu sparen, nur 115 Stundenkilometer. Als er auf die linke Fahrspur wechseln wollte, knallte es. Der Kleinwagen touchierte eine wie aus dem nichts aufgetauchte Limousine – an beiden Autos fielen die Außenspiegel ab. Helge S. hatte einen Unfall mit dem gepanzerten Dienstwagen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die gerade aus dem uckermärkischen Templin von ihrem Wochenendgrundstück zurück in die Bundeshauptstadt fuhr, um dort die Mitglieder ihres neuen schwarz-roten Kabinetts vorzustellen. Doch das sollten der 55-Jährige und seine Frau erst später erfahren.

Zunächst rasten die beiden Fahrzeuge, Merkels Limousine und der Begleitwagen, einfach weiter. Kein Zeichen, kein Hinweis, anzuhalten, um den Unfall zu klären. Deshalb fuhr der 55-Jährige, so erzählt er es den PNN, den beiden Wagen hinterher. „Ich hatte den Eindruck, denen wäre es lieber gewesen, wenn wir gar nicht anhalten und das klären“, sagt Helge S. Auf der B2 dann gleich hinter der Abfahrt Weißensee, in Lindenberg an der Stadtgrenze zu Berlin, sah er die beiden Limousinen an einer Tankstelle halten. Als er seinen Kleinwagen auf den Parkplatz steuerte, raste einer der beiden Wagen schon wieder weiter – die Kanzlerin setzte ihre Fahrt im Begleitfahrzeug einfach fort. Zurück blieben ihr Fahrer, der für solche Gefahrensituationen auf der Straße speziell trainiert ist, ein Sicherheitsbeamter und der Dienstwagen mit abgefahrenem Seitenspiegel. Das alles geschah in Minutenschnelle.

„Dann mussten wir erst mal ewig warten“, berichtet der 55-Jährige. Berlin ist zwar gerade mal einen Kilometer entfernt, doch Lindenberg befindet sich noch auf Brandenburger Gebiet. Erst eine halbe Stunde nach dem Unfall, laut der WE-Meldung der Polizei an das Innenministerium genau um 14.45 Uhr, tauchte ein Streifenwagen der brandenburgischen Polizei an der Tankstelle auf, alarmiert von den Personenschützern der Bundeskanzlerin.

Dass es Angela Merkel war, die in dem beschädigten Wagen saß, erfuhren Helge S. und seine Frau aber auch von den freundlichen Beamten nicht. Es war der aufgebrachte Tankwart, der berichtete, dass Merkel aus der Limousine mit dem abgefahrenen Außenspiegel in den anderen Wagen umstieg und weggefahren wurde. Der Tankwart habe sich aufgeregt, erzählen Helge S. und seine Frau, weil jemand, wohl ein Sicherheitsbeamter der Kanzlerin, angeblich mit Ärger gedroht haben soll, sollte am nächsten Tag über den Vorfall etwas in der Zeitung zu lesen sein oder die Bänder von den Überwachungskameras bei den Medien landen. Das aber will eine Mitarbeiterin der Tankstelle am Montag nicht bestätigen, sie reagiert leicht genervt auf Anfragen zu dem Kurzbesuch der Kanzlerin. Ihr Kollege wisse nichts, nur dass die Kanzlerin dort in Lindenberg an der Tankstelle umgestiegen sei. Und das angebliche Redeverbot? „Ich entscheide selbst, worüber ich rede, das kann mir keiner vorschreiben“, sagt die Frau.

Helge S. wartet nach diesem Sonntag auf Post von der Polizei. Es ist ja noch einmal alles gut gegangen bei der Begegnung mit der Kanzlerin.

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