• Umweltschutz: Brandenburgs Wälder verkommen zur Müllhalde

Umweltschutz : Brandenburgs Wälder verkommen zur Müllhalde

6500 Kubikmeter Müll haben die Förster im Vorjahr aus Brandenburgs Wäldern gesammelt. Vor allem die berlinnahen Landkreise kämpfen mit einem immer größer werdenden Abfallproblem.

Benjamin Lassiwe
Illegal entsorgter Hausmüll oder abgeladene Gartenabfälle belasten Brandenburgs Wald. 
Illegal entsorgter Hausmüll oder abgeladene Gartenabfälle belasten Brandenburgs Wald. Foto: Patrick Pleul/dpa

Potsdam - Brandenburgs Wald wird zunehmend zur Müllhalde. In mehr als 32000 Arbeitsstunden haben die Förster des Landes im vergangenen Jahr insgesamt 6500 Kubikmeter Elektroschrott, Sperrmüll, Farbeimer und Gartenabfälle aus dem Wald holen und entsorgen müssen. „Unsere Wälder sind Multitalente: Erholungsort, Sauerstofflieferant, Wirtschaftsraum und das Zuhause vieler Tier- und Pflanzenarten – aber keine Müllhalde!“, empörte sich Forstminister Axel Vogel (Grüne). „Dass qualifizierte Forstwirte viel Arbeitszeit statt für Waldumbau durch Pflanzungen und Waldpflege mit Müllsammeln befasst sind, kann nicht im Interesse unserer Gesellschaft sein.“

Abfalltouristen aus Berlin 

Allein im Landesforst ergebe der herrenlose Abfall des letzten Jahres eine ein Meter hohe und ein Meter tiefe Mauer von 6,5 Kilometer Länge. Nach Angaben des Ministeriums hat sich die illegal in den Wäldern entsorgte Müllmenge gegenüber 2013 um rund ein Fünftel erhöht. Die 2019 in den Oberförstereien des Landesbetriebes Forst Brandenburg in 32384 Arbeitsstunden gesammelte Müllmenge von rund 6500 Kubikmetern liegt um 24 Kubikmeter über der von 2018 und 455 Kubikmeter über der von 2017 eingesammelten Menge. Die Personalkosten dafür stiegen in den letzten zehn Jahren von rund 940000 Euro auf etwa 1,67 Millionen Euro, die Sachkosten von 153000 auf 197000 Euro. Insbesondere beim illegalen Abladen von Haushaltsgeräten oder Bauschutt könnten zudem giftige Stoffe in den Waldboden und in das Trinkwasser gelangen. Zunehmend kommen zum Haushaltsmüll in den letzten Jahren auch asbesthaltige Baustoffe, mit Holz, Kunststoff und Glas verunreinigte Gemische aus Bau- und Abbruchabfällen und Dachpappen dazu, die besonders teuer in der Sortierung und Entsorgung sind. Vor allem die berlinnahen Landkreise, kreisfreien Städte und Abfallzweckverbände haben mit diesen Problemen zu kämpfen – was darauf hindeutet, dass neben einheimischen Umweltverschmutzern auch Abfalltouristen aus Berlin Verantwortung für das zunehmende Müllaufkommen in Brandenburgs Wäldern tragen. Die Kosten für die Forstverwaltung sind nach Angaben des Ministeriums in den letzten fünf Jahren um 42 Prozent gestiegen, weil zunehmend auch dieser Sondermüll durch Spezialfirmen im Wald beräumt werden müsse. Das Potsdamer Umweltministerium hat deswegen erst kürzlich den Bußgeldkatalog für illegale Müllentsorgung verschärft. 2019 gab es 15 Bußgeldverfahren, 54 Mal wurden Verwarngelder ausgesprochen.

Verband begrüßt höhere Bußgelder 

Der Landesvorsitzende der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), Gregor Beyer, begrüßte die erhöhten Bußgelder für den Umweltfrevel. „Schärfere Straßen sind grundsätzlich richtig“, sagte er am Sonntag dieser Zeitung. Allerdings brauche die Forstverwaltung auch mehr Personal, um die Strafen zu vollstrecken und das Problem in den Griff zu kriegen. „Die Leute landen ihren Müll auch deswegen im Wald ab, weil sie wissen, dass die Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden, extrem gering ist.“

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