• Trauer um Manfred Stolpe: Brandenburgs erster Ministerpräsident ist tot
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Trauer um Manfred Stolpe : Brandenburgs erster Ministerpräsident ist tot

Brandenburgs früherer Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Das Innenministerium ordnet dreitägige Trauerbeflaggung an. Der RBB zeigt Sondersendungen.

Manfred Stolpe (SPD) im April 2004 während seiner Zeit als Bundesverkehrsminister.
Manfred Stolpe (SPD) im April 2004 während seiner Zeit als Bundesverkehrsminister.Foto: Bernd Settnik/dpa

Potsdam - Brandenburgs früherer Ministerpräsident Manfred Stolpe ist tot. Der SPD-Politiker starb in der Nacht  zu Sonntag im Alter von 83 Jahren, wie die Staatskanzlei in Potsdam am Montag mitteilte. Er sei im Kreise seiner Familie friedlich eingeschlafen. Stolpe war schon vor Jahren an Krebs erkankt. 

Woidke würdigt Stolpe 

"Dies ist ein Tag tiefer Trauer", so Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD).  "Wir nehmen Abschied von einem großen Mann, der unser junges Land geprägt hat wie niemand sonst. Manfred Stolpe war der Vater des modernen Brandenburgs."  Er habe die Liebe zu Brandenburg in seinem Herzen gehabt, lange schon bevor das Land 1990 gegründet wurde. "Er gab dem Land Stimme und Gesicht. Im besten Sinne des Wortes war Manfred Stolpe Landesvater und Mutmacher in einem", so Woidke.

Manfred Stolpe im März 2019.
Manfred Stolpe im März 2019.Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Unvergessen sei seine unnachahmliche Art, widerstreitende Menschen einander anzunähern. Auch deshalb habe er höchste Wertschätzung in allen seinen öffentlichen Ämtern genossen: als Konsistorialpräsident der Evangelischen Kirche, als Ministerpräsident und als Bundesminister.

"Manfred Stolpe war ein Sachverwalter ostdeutscher Interessen", so Woidke weiter. "Im schwierigen Umbruch gab er den Menschen in Brandenburg Orientierung und Zuversicht. Dabei war er immer auch Brückenbauer. Nur wenige haben sich um das Zusammenwachsen der Deutschen so verdient gemacht wie Manfred Stolpe."

Brandenburgs erster Ministerpräsident ist tot
24. August 2015: Stolpe (SPD) spricht in Potsdam während einer Pressekonferenz "Von der Massenarbeitslosigkeit zur Fachkräftesuche - 25 Jahre Arbeitsmarktpolitik im Land Brandenburg".Weitere Bilder anzeigen
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17.12.2019 13:3324. August 2015: Stolpe (SPD) spricht in Potsdam während einer Pressekonferenz "Von der Massenarbeitslosigkeit zur Fachkräftesuche...

"Ein Glücksfall für Brandenburg" 

Aus der wechselvollen brandenburgisch-preußischen Geschichte habe er Orientierung für die Zukunft geschöpft. "Europa endete für ihn nicht an Oder und Neiße. In Stettin geboren, betrachtete er es als historische Pflicht Deutschlands, Polen und anderen Staaten der östlichen Mitte Europas den Weg in die Europäische Union zu ebnen", erklärte Brandenburgs Ministerpräsident.  

Manfred Stolpe im Mai 2016 in Berlin.
Manfred Stolpe im Mai 2016 in Berlin.Foto: Gregor Fischer/dpa

Manfred Stolpe sei ein großer Glücksfall für das Land gewesen. "Seine historische Leistung wird vor der Geschichte Bestand haben. Brandenburg hat Manfred Stolpe unendlich viel zu verdanken – er wird uns unvergessen bleiben.“ In der Potsdamer Staatskanzlei liegt ab Dienstag, 31. Dezember, 11 Uhr ein Kondolenzbuch für die Öffentlichkeit aus.

Innenminister Michael Stübgen (CDU) hat für drei Tage ab dem heutigen Montag eine landesweite Trauerbeflaggung angeordnet. "Manfred Stolpe war ein Landesvater im besten Sinne", so Stübgen, der auch CDU-Landesvorsitzender und Vize-Ministerpräsident ist. Mit politischer Klugheit und menschlicher Wärme  habe er Brandenburg in den schwierigen Anfangsjahren nach der Wiedervereinigung Halt und Richtung gegeben.  

Sozialministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) schrieb in einer Mitteilung, die Nachricht vom Tod von Manfred Stolpe erfülle sie mit tiefer Trauer. "Mit Manfred Stolpe verliert Brandenburg eine herausragende Persönlichkeit, einen leidenschaftlichen Politiker und eine große Identitätsfigur, die alle Brandenburgerinnen und Brandenburger im Blick hatte, besonders als sich das ganze Land im Umbruch befand." Manfred Stolpe habe mit seiner ganzen Persönlichkeit für den schwierigen Prozess der Neuorientierung nach der Neugründung des Landes Brandenburg gestanden. "Viele Menschen hatten ihre Arbeit verloren, mussten in ihrer Heimat einen Neustart wagen. Manfred Stolpe hat ihnen Mut gemacht, ihnen Halt gegeben."

Als Ministerpräsident habe Manfred Stolpe viele wegweisende, aber oft auch schwierige Entscheidungen zum Wohle des Landes getroffen und Brandenburg mit Herz und Verstand gelenkt und gestaltet. Unermüdlich fuhr er durch das ganze Land, hörte den Menschen zu, achtete auch auf andere Meinungen, so Nonnemacher. Trotz langer und schwerer Krankheit sei er bis zu seinem Tod ein wichtiger Vordenker in unserer Gesellschaft geblieben, der zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Worte fand. 


Erster Ministerpräsident nach der Wiedervereinigung 

Der am 16. Mai 1936 in Stettin geborene Jurist Stolpe war von 1990 bis 2002 Regierungschef in Brandenburg. Nach seinem  Rücktritt wurde er im Herbst 2002 Bundesverkehrsminister in der damaligen rot-grünen Bundesregierung und blieb bis Ende der Legislaturperiode 2005 im Amt. Seit 1990 war er Mitglied der SPD. Manfred Stolpe hinterlässt eine Frau und eine erwachsene Tochter. 

Der RBB kündigte spontan eine Programmänderung wegen Stolpes Tod an. Am Montagabend um 20.15 Uhr wird als 15-minütige Sondersendung das Porträt "Manfred Stolpe - Der Vermittler" gezeigt. Um 23.45 Uhr blickt dann die halbstündige Dokumentation "Manfred Stolpe - Der Mensch im Mittelpunkt" zurück auf das Leben des früheren Ministerpräsidenten von Brandenburg. Das laufende Fernsehprogramm verschiebt sich entsprechend. Beide Sendungen werden auch in der Mediathek des RBB verfügbar sein.

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