• Trauer um Boris Romantschenko: Holocaust-Überlebender im Ukraine-Krieg getötet

Trauer um Boris Romantschenko : Holocaust-Überlebender im Ukraine-Krieg getötet

Der 96-Jährige kam bei einem Bombenangriff in Charkiw ums Leben. Der ehemalige Sachsenhausen-Häftling Volodymyr Kororbov hält sich weiter in Kiew auf.

Boris Romantschenko (2. v.r.) 2015 in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald. Er kam in Charkiw ums Leben.
Boris Romantschenko (2. v.r.) 2015 in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald. Er kam in Charkiw ums Leben.Foto: dpa

Potsdam - Die Zeitzeugen, die von den NS-Verbrechen berichten können, werden weniger. Im März starben mit der Berliner Ehrenbürgerin Inge Deutschkron und dem zuletzt in Potsdam wohnenden Leon Schwarzbaum zwei Holocaust-Überlebende, die unermüdlich nachfolgende Generationen mahnten. 

Bei einem Bombenangriff auf die ukrainische Stadt Charkiw ist nun Boris Romantschenko getötet worden, wie Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD) am Montag in Potsdam mitteilte. Romantschenko überlebte mehrere Konzentrationslager wie Buchenwald und Bergen-Belsen. Er wurde 96 Jahre alt.

Einzig hoffnungsvolle Nachricht bei der Jahrespressekonferenz der Brandenburger Gedenkstätten: „Volodymyr Kororbov lebt“, sagte Schüle. Die Ministerin steht wie berichtet im Kontakt mit dem 96-jährigen, ehemaligen Sachsenhausen-Häftling, der am 1. Mai zum 77. Jahrestag der Befreiung zum Ort seines Leidens zurückkehren wollte, aber nun in Kiew um sein Leben bangt. Auf ein Spendenkonto zur Unterstützung Kororbovs sind laut Schüle mittlerweile 3825 Euro eingegangen. 

[Lesen Sie auch: KZ-Häftling Nummer 72276: Volodymyr Kororbov versteckt sich in Kiew vor Putins Krieg (T+)]

„Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine überschattet die Planungen der Gedenkstätten“, erklärte Axel Drecoll, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und Leiter der Gedenkstätte Sachsenhausen. Dennoch würden Zeitzeugen zum Jahrestag der Befreiung erwartet, nachdem das im Vorjahr wegen der Pandemie nicht möglich gewesen sei. Neu in die Stiftung integriert wird laut Drecoll der Gedenkort Jamlitz-Lieberose. Dort errichtete die SS im November 1943 ein Außenlager des KZ Sachsenhausen. 

In der Potsdamer Gedenkstätte Leistikowstraße beschäftigt sich am 11. und 12. April eine internationale Konferenz mit den Aktivitäten der Geheimdienste im Kalten Krieg. Der Krieg in der Ukraine macht sich auch hier bemerkbar: „Die Kollegen vom Deutschen Historischen Institut in Moskau können nicht persönlich anreisen“, so Leiterin Ines Reich.  

Spenden für Kororbov nimmt das Sachsenhausen-Komitee unter folgender Bankverbindung entgegen: IBAN: DE 4510 0500 0017 9397 5929, Verwendungszweck: Hilfe für Kororbov

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