• Tag der Logopädie: Viele Brandenburger Kinder mit Sprachproblemen

Tag der Logopädie : Viele Brandenburger Kinder mit Sprachproblemen

Die Zahl der Brandenburger Kitakinder und Schüler, die Probleme mit dem Sprechen haben, nimmt wieder zu. Der Pädagogenverband sieht eine Ursache in der Nutzung von Tablets und Smartphones.

Christian Bark
Das Sprachvermögen von Kindern nimmt ab. 
Das Sprachvermögen von Kindern nimmt ab. Foto: Arno Burgi/dpa

Potsdam - In Brandenburg ist die Zahl der Kinder mit Sprachförderbedarf zuletzt wieder leicht gestiegen. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur anlässlich des Tages der Logopädie am 6. März. In den Jahren von 2010 bis 2016 wurde laut dem Jugendministerium in Potsdam ein kontinuierlicher Rückgang des Anteils von Kindern mit Sprachförderbedarf von 19,7 Prozent auf 14,1 Prozent verzeichnet. „Seither ist der Anteil von Kindern mit Sprachauffälligkeiten wieder auf 15,9 Prozent angestiegen“, sagt Ministeriumssprecherin Ulrike Grönefeld.
Festgestellt worden seien solche Auffälligkeiten bei einer Sprachstandfeststellung im letzten Jahr vor der Einschulung. „Kinder mit Auffälligkeiten nehmen an zusätzlichen Angeboten zur Unterstützung der Sprachentwicklung teil“, erklärt die Ministeriumssprecherin.
Für den Bundeslogopädenverband kommt diese Feststellung viel zu spät. „Bereits bei Kindern ab zwei Jahren lassen sich Sprachentwicklungsstörungen feststellen“, sagt Verbandssprecherin Margarete Feit. Deshalb sei eine logopädische Expertise bereits bei Auffälligkeiten im Rahmen der Früherkennungsuntersuchungen durch den Kinderarzt ratsam. Aus Sicht des Verbandes ist es signifikant, dass bis zu einem Drittel der logopädischen Verordnungen bei Kindern im Zuge der Schuleingangsuntersuchungen erfolgt.
Allerdings hat sich der Anteil dieser Verordnungen für Kinder zwischen 0 und 15 Jahren bundesweit verringert, wie Margarete Feit sagt – von 72,1 Prozent im Jahr 2007 auf nunmehr 60 Prozent. Brandenburg liege mit 59,27 Prozent knapp unter dem Bundesdurchschnitt. „Den größten Anteil daran hat die Altersgruppe zwischen fünf und zehn Jahren, insbesondere die Fünf- und Sechsjährigen“, sagt die Verbandssprecherin.

Der Pädagogenverband schlägt Alarm 

Relativ pessimistisch bewertet der Landespädagogenverband die Situation. „Das Sprachvermögen der Kita- und Grundschulkinder hat abgenommen“, sagt Verbandspräsident Hartmut Stäker. Die Fälle, in denen sich Kinder gut ausdrücken könnten und über einen großen Wortschatz verfügten, seien seltener geworden. Dagegen hätten die Fälle zugenommen, in denen die Kinder zum Zeitpunkt der Einschulung noch so sprechen würden wie Dreijährige. „Für diese Kinder ist es dann sehr schwer, richtig lesen und schreiben zu lernen“, sagt Stäker.
Während das Ministerium die Ursachen dafür auch an sozialen Unterschieden sowie Flucht- und Migrationshintergründen festmacht, sieht der Pädagogenverband die Hauptursachen in einer mangelnden Kommunikation im Elternhaus. „Oft gibt es nicht mal mehr gemeinsame Mahlzeiten“, so Hartmut Stäker. Gemeinsame Fernseh- oder Spieleabende seien dem einsamen Blick auf Tablet und Smartphone gewichen.
Ähnliche Beobachtungen führt auch Margarete Feit an: „Das hat dann nichts mit sozialer Herkunft zu tun“, sagt sie. Auch das Migrationsargument will die Logopädenverbandssprecherin so nicht gelten lassen. Im Gegenteil – es sei für Kinder sogar förderlich, zwei- oder mehrsprachig aufzuwachsen. „Wichtig ist, dass dann konsequent die jeweilige Sprache gesprochen wird“, so Margarete Feit. 

Landesprogramm zur Sprachförderung 

Förderung für sprachauffällige Kinder gibt es laut Ministerium und Pädagogenverband in Brandenburg reichlich. Verwiesen wird beispielsweise auf pädagogische Fachkräfte in den Kitas, die sich regelmäßig weiterbilden. Mit dem „Landesprogramm Sprachberatung“, für das jährlich fast zwei Millionen Euro zur Verfügung stehen, fördert das Land die Verbesserung der sprachlichen Bildung. Auch beim Bundesprogramm „Sprachkitas“ unterstützt das Land die 209 märkischen Sprachkitas und 16 halben Stellen für Fachberatung in diesem Jahr mit rund 562 000 Euro, wie Ulrike Grönefeld erläutert. (dpa)

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