• SPD-Bundesvorsitz: SPD-Politiker verteidigen Geywitz gegen Kritik aus eigenen Reihen

SPD-Bundesvorsitz : SPD-Politiker verteidigen Geywitz gegen Kritik aus eigenen Reihen

Mit heftigen Worten hat Brandenburgs SPD-Schatzmeister die Führungsqualitäten der Potsdamer Politikerin Klara Geywitz in Frage gestellt. Prominente Genossen stärken der Kandidatin für den Parteivorsitz nun den Rücken.

Oliver von Riegen
Klara Geywitz (SPD) bewirbt sich mit Bundesfinanzminister Scholz für den SPD-Parteivorsitz vor.
Klara Geywitz (SPD) bewirbt sich mit Bundesfinanzminister Scholz für den SPD-Parteivorsitz vor.Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Potsdam - Die Brandenburger SPD-Politikerin Klara Geywitz hat ausgerechnet aus dem eigenen Landesvorstand heftige Kritik zur Bewerbung für die Bundesspitze bekommen: Schatzmeister Harald Sempf sprach ihr die Eignung ab. „Für die erste Reihe der Partei, und dann noch im Duo mit Olaf Scholz, ist sie nicht die Richtige“, sagte Sempf dem „Spiegel“ (Samstag). Wenn er Minister wäre, würde er sie aber zur Staatssekretärin machen und könne sich keine bessere vorstellen.

Harald Sempf, SPD-Schatzmeister in Brandenburg, kritisierte Geywitz scharf.
Harald Sempf, SPD-Schatzmeister in Brandenburg, kritisierte Geywitz scharf.Foto: Soeren Stache/dpa

Sempf wirft Geywitz fehlende Herzenswärme vor

Geywitz bewirbt sich gemeinsam mit Bundesfinanzminister Scholz um den SPD-Bundesvorsitz. Bei der Landtagswahl in Brandenburg konnte sie zuletzt kein Direktmandat einholen und wird deshalb nicht im neuen Landtag vertreten sein. Der frühere Juso-Landeschef Sempf ist im Vorstand bekannt als Politiker mit „eigenem Kopf“. Er ist seit 2016 Schatzmeister der SPD Brandenburg.

Geywitz sei zwar ein politisches Talent und eine klar denkende Analytikerin, sagte Sempf. Aber: „Diese Herzenswärme, die ihr zugeschrieben wird, woher die kommen soll, ist mir ein Rätsel.“ Die SPD brauche Politiker mit Wärme. „Aber Klara Geywitz könnte von der zwischenmenschlichen Wärme her auch eine 10.000er-Geflügelfarm leiten.“

Unverständnis über die Kritik in der SPD

Mit Unverständnis reagierten am Samstag einige SPD-Politiker auf diese Äußerungen. Die frühere Bundesjustizministerin und heutige Vize-Präsidentin des EU-Parlaments, Katarina Barley, verteidigte Geywitz: „Ich twittere ja selten Persönliches. Aber Klara Geywitz ist einer der liebenswertesten, humorvollsten und anständigsten Menschen, die mir in der Politik begegnet sind.“

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs kommentierte den Beitrag mit den Worten: „Da sollten sich einige schämen!“

Auch die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli (SPD) stellte sich hinter ihre Genossin. „Liebe Klara Geywitz, dass ich dich und deinen Humor toll finde, weißt du. Ich habe dich als unglaublich empathische und herzensgute Kollegin kennengelernt. Hoffe, das Zeugs vom Kollegen lässt dich kalt“, schrieb Chebli auf Twitter.

SPD-Generalsekretär Erik Stohn forderte Respekt: „Bisher habe ich den Prozess zur Auswahl des SPD-Bundesvorsitzes als offen, beteiligend, motivierend und fair erlebt“, erklärte er am Freitagabend. „Ich hoffe, dass der Prozess respektvoll bleibt.“ Scholz und Geywitz brächten sich dabei hervorragend ein. „Die SPD Brandenburg ist froh und stolz, dass sich dieses Team und damit auch jemand aus ihren eigenen Reihen zur Wahl stellt.“
Vorstandsmitglied Sempf verteidigte seine kritischen Worte. „Hier geht's um die Führung der Partei. Da legt man eben Maßstäbe an“, sagte Sempf der Deutschen Presse-Agentur. (dpa)