• Sofortprogramm für den Nahverkehr: Neue Regionalzüge für Brandenburg und Berlin 

Sofortprogramm für den Nahverkehr : Neue Regionalzüge für Brandenburg und Berlin 

Tausend Sitzplätze mehr gegen den Pendlerfrust: Ab 1. April fahren 21 neue Doppelstockwagen in der Hauptstadtregion.

Regionalzüge in der Region sind voll - nicht nur im Fahrradabteil. 
Regionalzüge in der Region sind voll - nicht nur im Fahrradabteil. Foto: Hannibal/dpa

Potsdam - Tausend zusätzliche Sitzplätze für Pendler: Ab 1. April 2019 werden im Regionalverkehr der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg insgesamt 21 zusätzliche Doppelstockwagen und vier neue Loks eingesetzt, damit bislang übervolle Züge ein Ende haben. Das haben Brandenburgs SPD-Verkehrsministerin Kathrin Schneider, der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) und das Bahnunternehmen DB Regio am Donnerstag mitgeteilt. Dieses Sofortprogramm war voriges Jahr von den Regierungen Brandenburgs und Berlins auf den Weg gebracht worden, die wegen des Pendlerfrustes extrem unter Druck stehen. Für zehn Millionen Euro wurden zusätzliche Leistungen bestellt, was nicht leicht war. Züge sind Mangelware. 

„Jetzt wird es umgesetzt“, sagte Schneider. „Es ist kein Aprilscherz.“ Es gehe um zwei Millionen Zugkilometer pro Jahr. „Sie werden dringend benötigt in einer wachsenden Stadt mit wachsenden Pendlerzahlen“, erklärte Verkehrssenatorin Regine Günther. 

Der RB 10 fährt doppelstöckig

Konkret werden die neuen Doppelstockzüge auf der hoch frequentieren Strecke des RB 10 zwischen Nauen und Berlin-Spandau, also im westlichen Berliner Umland, eingesetzt, wovon etwa auch das boomende Falkensee profitiert. Die Züge der Talentreihe, die bislang dort fuhren, werden damit frei – um die Linien RE7 und RB13 ganztägig zu verstärken. Der Regionalexpress 7 – eine der Schienenachsen aus dem Umland in die Metropole – verbindet Dessau, Bad Belzig, Berlin und die Waldstadt Wünsdorf. Der RB 13 verbindet Wustermark und Berlin. 

Es sind Züge, die auch intensiv von Pendlern genutzt werden, die aus dem Umland nach Berlin zur Arbeit fahren oder umgekehrt. In diesen Abschnitten sind sie zu den Stoßzeiten bislang proppenvoll. Statt wie bisher werktags 300 Sitzplätze pro Zug des RE 7 werden nun 460 Sitzplätze der Standard sein. Außerdem fahren drei zusätzliche Züge.

Nach Angaben der Verantwortlichen werden werktags insgesamt zusätzlich rund 1000 Sitzplätze in RB10, RB13 und RE7 verfügbar. „In den vergangenen Monaten haben wir alles darangesetzt, verfügbare Fahrzeuge aus anderen Regionen zu beschaffen“, erklärte dazu Joachim Trettin, Vorsitzender der DB Regio AG, Regio Nordost. 

Parallel muss die Infrastruktur ertüchtigt werden

Weitere Verbesserungen im Regional- und S-Bahn-Verkehr sollen in den Folgejahren kommen. Damit mehr und längere Züge rollen, muss parallel die Infrastruktur ertüchtigt werden – Schienen, Bahnhöfe, Fahrradabstellplätze, was in diesen Tagen etwa die S-Bahn-Pendler zwischen Berlin und Potsdam merken, wo nach den Beschwernissen der letzten Wochen „in wenigen Tagen der Begegnungsabschnitt zwischen Potsdam und Babelsberg freigegeben werden soll“, so das Infrastrukturministerium. 

Insgesamt stellt das Land in diesem Jahr für solche Projekte 46,2 Millionen Euro zur Verfügung, für 73 Projekte. Dazu zählen etwa auch nötige Planungsvorarbeiten für die Ertüchtigung des Prignitz-Expresses, die angekündigte Verlängerung der S-Bahn nach Rangsdorf, für jeweils ein zweites Gleis zwischen Lübbenau und Cottbus oder im Nadelöhr-Bahnhof Königs Wusterhausen oder die Heidekrautbahn. „Das alles muss wie ein Puzzle ineinandergreifen, gut abgestimmt sein.“ 

Denn diese Infrastrukturprojekte, teilweise aus verschiedenen Töpfen gefördert, sind kompliziert. Ein Beispiel ist da das Areal um den Bahnhof Oranienburg, wo bislang wegen der rasant gewachsenen Fahrgastzahlen teils chaotische Verhältnisse herrschen. Nun soll es in den nächsten Jahren komplett umgestaltet werden, repräsentativer, attraktiver. Ein neues Fahrradparkhaus mit tausenden Plätzen sei bereits fertig, sagte Baudezernent Frank Oltersdorf. Damit sei es gelungen, dass es dort nur noch 100 wild geparkte Fahrräder gebe, statt vorher 320. Das alles habe Jahre Vorlauf. Es ist für Verantwortliche schwierig. So bestätigte Schneider: „Wir haben Mühe, genügend bewilligungsreife Förderanträge zu erhalten.“ 

„Riesige Park-and-ride-Plätze sind nicht sinnvoll“

In diesem Zusammenhang warnte Schneider vor immer wieder kehrenden Forderungen, zuletzt in einer Studie der Brandenburger CDU, um die Metropole riesige Park-and-ride-Plätze zu bauen. „Das ist nicht das, was für die Stadtentwicklung sinnvoll ist.“ Man müsse stattdessen die Möglichkeiten verbessern, dass Pendler statt mit dem Auto mit Bus oder Fahrrad zum Bahnhof kommen. „Es macht keinen Sinn, die Eingangsbereiche der Städte mit Autos zuzustellen.“