Sie hatte Spaß am Lernen und Leben : Merkels Mutter in Templin beigesetzt

In ihrer Heimatstadt im Norden Brandenburgs ist Herlind Kasner am Donnerstag beigesetzt worden. Die Trauerrede hielt Angela Merkels Bruder.

Gudrun Janicke
Gäste und Verwandte vor der Maria-Magdalenen-Kirche in Templin.
Gäste und Verwandte vor der Maria-Magdalenen-Kirche in Templin.Christoph Soeder/dpa/AFP

Templin - Den Ablauf dieses Tages hatte die Mutter von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Herlind Kasner, noch vor ihrem Tod ganz genau geplant. Am Donnerstag lief dann der Trauergottesdienst in der Maria-Magdalenen-Kirche in ihrer Heimatstadt Templin in Nordbrandenburg in ihrem Sinne ab.

Im Altarraum stand ein schlichter heller Holzsarg, geschmückt nur mit einem Frühlingsstrauß aus lilafarbenen Blüten und Schleierkraut. Ein Foto auf einer Staffelei zeigte Kasner mit dem Anflug eines verschmitzten Lächelns und fröhlichen Augen.

Herlind Kasner im Jahr 2013. 
Herlind Kasner im Jahr 2013. Foto: Johannes Eisele / AFP

Zumeist Ältere bei der Beerdigung

Viele der Trauergäste gingen zunächst zu dem Sarg, verharrten kurz und verneigten sich dann in stillem Gedenken. Etwa zwei Dutzend langstielige gelbe und weiße Rosen wurden niedergelegt. Manch einer verabschiedete sich mit einer zarten Berührung des Holzes. Meist waren es ältere Menschen, die gekommen waren.

Der Kirchenraum füllte sich fast bis auf den letzten Platz. Langjährige Weggefährten, Freunde, aber auch Templiner Bürger wollten die bekannte Einwohnerin der Stadt ein Stück auf dem letzten Weg begleiten.

Merkel kam als Letzte in den Kirchenraum

Die sichtlich bewegte Angela Merkel, ihr Ehemann Joachim Sauer und ihre Geschwister Marcus und Irene sowie weitere Familienangehörige und engste Vertraute kamen abgeschirmt durch einen Nebeneingang hinein. Sie betraten als letzte den nahezu voll besetzten Kirchenraum und nahmen in der ersten Reihe Platz.

Angela Merkel und ihre Mutter Herlind Kasner während eines Wahlkampf-Termins in Templin im September 2005. 
Angela Merkel und ihre Mutter Herlind Kasner während eines Wahlkampf-Termins in Templin im September 2005. Foto: REUTERS/Fabrizio Bensch

Noch Anfang Februar hatte Kasner ihre Tochter Angela zu einem Festakt in Templin begleitet, als diese Ehrenbürgerin ihrer Heimatstadt wurde. Stolz hatte die Mutter die Würdigung ihrer Tochter erlebt, die von Schulfreunden herzlich begrüßt worden war. Merkel hatte sich mit persönlichen Worten an Familie und Freunde gewandt und gesagt, dass sie ihnen verdanke, was sie heute sei.

Nun nahm sie Abschied, nach dem Glockengeläut begann der Trauergottesdienst, wie ihn Kasner wenige Tage vor ihrem Tod am 6. April noch selbst festgelegt hatte. Statt Blumen wurden Spenden für das "Kirchlein im Grünen" in Alt Placht vor den Toren Templins erbeten.

Die Trauerrede hielt Merkels Bruder Marcus

Kasners Sohn Marcus erinnerte an seine Mutter und ihr Leben. Schon 2011 hatte er bei der Trauerfeier für seinen gestorbenen Vater Horst diese schwierige Aufgabe übernommen.

Jesus habe zu ihr gesprochen, daraus habe sie Kraft geschöpft, sagte Kasner über seine Mutter. Sie widmete sich der Erziehung ihrer drei Kinder Angela, Marcus und Irene. 1954 sei sie ihrem Ehemann Horst aus Hamburg in den Osten Deutschlands gefolgt. 1957 sei die Familie dann nach Templin gezogen. Ihr Ehemann habe dort ein Pfarrer-Kolleg aufgebaut. Ihr sei zu DDR-Zeiten trotz entsprechender Ausbildung die Arbeit als Englisch-Lehrerin verweigert worden. Sie arbeitete dann in kirchlichen Ausbildungsstätten, erzählte der Sohn.

Nach der Wende habe Kasner - schon Rentnerin - ihre Erfüllung als Englisch-Lehrerin an der Volkshochschule Templin gefunden, sagte er. Anfangs führte sie vier Kurse. Gerade hatte sie mit 90 Jahren wieder zwei Lehrgänge gestartet. "Mein Wunsch ist, dass Lernen nicht als Anstrengung und Mühe gesehen wird, sondern als etwas, das Spaß macht", habe seine Mutter immer gesagt.

Beigesetzt wurde Kasner im engsten Familienkreis

Er sei auch ein Schüler von Frau Kasner gewesen, gab Superintendent i.R. Werner Krätschell gleich eingangs in seiner Predigt zu. Er habe in Gesprächen mit ihr immer etwas Besonderes gespürt: einerseits die tiefe Verwurzelung im Leben und dann die andere Welt, die sie in ihrem Herzen getragen habe, ihren Glauben. "Darin hat sie ihre Erfüllung gesehen", sagte Krätschell.

Dem Auszug des Sarges aus der Kirche folgte die Familie. Angela Merkel und ihre Geschwister gingen durch ein Spalier der Trauergäste, die sich erhoben hatten. Merkel nickte einigen zu, die ihrer Mutter die letzte Ehre erwiesen hatten. Auf Wunsch der Familie wurde Herlind Kasner dann in aller Stille und im engsten Familienkreis auf dem Friedhof beigesetzt. Dort befindet sich bereits das Grab ihres Mannes Horst. (dpa)