• Schulen in Brandenburg: Empörung über Dauer-Maskenpflicht im Unterricht und auf Pausenhöfen

Schulen in Brandenburg : Empörung über Dauer-Maskenpflicht im Unterricht und auf Pausenhöfen

Seit 1. Dezember müssen zehntausende Schüler in Brandenburg im Unterricht und auf dem Schulhof eine Maske tragen. Ist das wirklich nötig und kindgerecht?  

Thorsten Metzner
Die neue Maskenpflicht an Brandenburgs Schulen erhitzt die Gemüter 
Die neue Maskenpflicht an Brandenburgs Schulen erhitzt die Gemüter Foto: Matthias Balk/dpa

Potsdam - In Brandenburg wächst Unverständnis über die jetzt verschärfte Maskenpflicht an Schulen, mit der zehntausende Schüler den ganzen Tag eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen müssen. Und zwar im Unterricht und auf dem Pausenhof, unabhängig vom Infektionsgeschehen in der Schule, der Kommune oder dem Landkreis. "Mir fehlen echt die Worte. Was bei einer Krankenschwester schon der Arbeitsschutz nicht zulässt, wird mit den Kindern gemacht", sagte Landeselternsprecher René Mertens dieser Zeitung. "Das kann nicht kindgerecht und gesund sein." Er könne sich vorstellen, dass Eltern dagegen klagen. Denn die Verhältnismäßigkeit sei "komplett ausgehebelt" worden. Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) spricht von einer Fehlentscheidung. 

Landeselternrat weist auf Widerspruch zum Arbeitsschutz bei Erwachsenen hin 

In Brandenburg steigen seit einigen Wochen die Corona-Infektionen stark an, die am Donnerstag mit 661 Neuinfektionen innerhalb der letzten 24 Stunden den bisherigen Landeshöchstwert seit Beginn der Pandemie erreichten. Das Kenia-Kabinett hatte jüngst eine neue, schärfere Eindämmungsverordnung für das Land Brandenburg beschlossen, die den Schulbetrieb mit konkreten Auflagen einschließt.  

„Seit 1. Dezember gilt die generelle Maskenpflicht für alle Schülerinnen und Schüler im gesamten Schulbereich, also im Unterricht, in den Fluren und auf dem Pausenhof (§ 17Abs. 1 Eindämmungsverordnung)", heißt es dazu auf der Homepage des Bildungsministeriums. Ausnahmen gelten etwa bei Grundschülern für den Unterricht.

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An weiterführenden Schulen dürfen Masken nicht einmal in den Pausen abgesetzt werden 

Vor der Verschärfung waren auf den Schulhöfen Masken nur dann vorgeschrieben, wenn der Mindestabstand nicht gewährleistet werden konnte. An den Grundschulen führt die Neuregelung dazu,  dass Lehrer mit Maske unterrichten, Kinder im Raum ohne Maske zusammensitzen, dann draußen an der frischen Luft auf den Pausenhöfen aber eine tragen müssen.  "Das versteht keiner", so Mertens. 

Doch vor allem die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung den gesamten Schultag lang  - also im Regelfall etwa sechs Stunden - an den weiterführenden Schulen sorgt für Fassungslosigkeit. "Ich hätte das nicht für möglich gehalten", sagte Mertens. Er habe die Ministerin immer so verstanden, dass sie offen für flexiblere Lösungen sei. Mertens wies darauf hin, dass viele Kindern ja bereits auf dem Schulweg in den Schulbussen mit Masken unterwegs seien.

GEW-Landeschef Fuchs sieht "Riesenproblem" 

"Es ist ein Riesenproblem", sagte GEW-Landeschef Günther Fuchs dieser Zeitung. Nach seinen Worten hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz darauf hingewiesen, dass bei Beschäftigten in Jobs, wo Masken getragen werden müssen, regelmäßige Pausen zum Abnehmen gewährleistet werden müssen. In dieser von der Bundesbehörde veröffentlichten einschlägigen "SARS-CoV-2 Arbeitsschutzregel" ist von "höheren Belastungen" durch das Masken-Tragen die Rede. Mund-Nasen-Bedeckungen und Masken, heißt es dort auch, "sollen spätestens dann gewechselt werden, wenn sie durchfeuchtet sind." Für die Schulen in Brandenburg gibt es dazu keine Aussagen des Ministeriums. 

Bildungsministerin Ernst sieht keinen Handlungsspielraum  

Das von Ministerin Britta Ernst (SPD) geführte Bildungsministerium, von den PNN nach der Dauertragepflicht, der Zumutbarkeit  und etwaigen Freiräumen von Schulen für Abweichungen befragt, verwies knapp auf die vom Gesundheitsministerium veröffentlichte neue Eindämmungsverordnung. "Insofern besteht kein Handlungsspielraum", sagte Sprecherin Antje Grabley.  

Das Ministerium gibt aber diesen Hinweis, der sich so auf der Homepage nicht findet: "Während des Stoßlüftens in den Schulräumen können Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte und das sonstige Schulpersonal die Mund-Nasen-Bedeckung vorübergehend abnehmen."     

Für Landeselternsprecher Mertens, aber auch GEW-Chef Fuchs ist die Masken-Frage typisch dafür, dass das Corona-Krisenmanagement des Bildungsministeriums nicht stimmig sei. "Die ganze Umsetzung ist unmöglich", sagt Mertens. So sei klar, dass Sportunterricht schwieriger sei. "Unser Vorschlag, die Leistungsbewertung in Sport komplett auszusetzen, wurde verworfen", sagte Mertens. "Dabei geht die Welt nicht unter, wenn es hier mal keine Noten gibt."  

Man wolle irgendwie den regulären Schulbetrieb aufrechterhalten, den es allein bei einem aktuellen Krankenstand von acht Prozent der Lehrer schon nicht mehr gebe, sagt GEW-Landeschef Fuchs. "Alles wirkt hilflos. Man versucht, sich bis Weihnachten hinzuretten." 

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