• Schröter bei Schießständen unter Druck Widersprüche und neue Probleme um Giftgefahr

Brandenburg : Schröter bei Schießständen unter Druck Widersprüche und neue Probleme um Giftgefahr

Thorsten Metzner (mit dpa)

Potsdam - Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD), seit der gescheiterten Kreisgebietsreform in der rot-roten Koalition unter Bewährung, gerät wegen womöglich giftiger Schießstände und Geheimnisverrat in der Landespolizei unter Druck. Im Innenausschuss des Landtages sagte Schröter am Donnerstag, er habe am Morgen erfahren, dass bei Überprüfungen in Schießständen in Hennigsdorf und Cottbus neue Strömungsprobleme festgestellt wurden. Daher dürfe dort nicht mehr liegend geschossen werden, was aber ohnehin bei der Polizei kaum praktiziert werde.

In Berlin waren schon 2015 Schießstände wegen Gefahren geschlossen worden, in Brandenburg erst jetzt. Das Problem ist umso brisanter, weil in Brandenburg – im Gegensatz zu veralteten Anlagen in Berlin – laut Schröter die Schießstände neu sind und in der Polizei um das Problem inzwischen Aufruhr herrscht. Im Ausschuss appellierte Schröter an Polizisten, die weiter Probleme sehen, „sich an mich persönlich zu wenden“. Er betonte, dass alles getan worden sei, um Gefährdungen auszuschließen. Die Anlagen würden regelmäßig überprüft. Er räumte ein, dass 2016 – also nach dem Berliner Skandal – technische Mängel in Cottbus und Eberswalde festgestellt, behoben und die Anlagen danach vom Institut Fresenius überprüft worden seien – ohne negative Befunde. Doch waren weder Parlament noch Öffentlichkeit über die Probleme informiert worden. Obwohl alle Grenzwerte eingehalten waren, habe man den Betroffenen laut Schröter unentgeltliche externe Schwermetalluntersuchungen angeboten. Das nahmen neun Schießtrainer an. Die externen Befunde waren, so werde im Polizei-Intranet verbreitet, teilweise prompt positiv. Im Ausschuss sagte Schröter nun, dass diese Untersuchungen medizinisch umstritten seien und Schwermetalle auch auf anderen Wegen in den Körper gelangten, etwa „durch Konserven“. Zu den Ergebnissen äußerte er sich nicht, diese würden derzeit polizeiärztlich geprüft.

Der CDU-Abgeordnete Björn Lakenmacher kommentierte das so: „Das Vertrauen der Polizisten in den Dienstherren sinkt, weil nicht transparent kommuniziert wird.“ Er machte publik, dass Betroffene die Anlagen sogar selbst mit einer Nebelmaschine getestet hätten und dass es im Intranet der Polizei widersprüchliche Einträge gab. Danach war noch am 15. Februar nur die Rede davon, dass Schießtrainer unter Konzentrationsstörungen litten. In einer Meldung elf Tage später sei von festgestellten Schwermetallbelastungen berichtet worden. Er warf Schröter vor, zu spät reagiert zu haben.

Unterdessen hat das Landeskriminalamt wegen Geheimnisverrats zwei Ermittlungsverfahren gegen Beamte eingeleitet, nachdem nach einem Messerangriff eines syrischen Flüchtlings in Cottbus eine interne Polizeimeldung samt Adresse und Telefonnummer einer Zeugin in einem sozialen Netzwerk veröffentlicht worden waren. Zwischenzeitlich hatte das Polizeipräsidium deshalb den Zugriff auf die Datenbank für 5000 Polizisten gesperrt. Thorsten Metzner (mit dpa)

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