• Schiffshebewerk Niederfinow: Probebetrieb verzögert sich

Schiffshebewerk Niederfinow : Probebetrieb verzögert sich

Es geht diesmal nicht um den BER: Beim neuen Schiffshebewerk in Niederfinow verzögert sich die Inbetriebnahme weiter. Und nun?

Nach einer Inbetriebnahme werden das alte und das neue Schiffshebewerk noch fünf Jahre parallel in Betrieb sein. 
Nach einer Inbetriebnahme werden das alte und das neue Schiffshebewerk noch fünf Jahre parallel in Betrieb sein. Foto: Wasserstraßen-Neubauamt

Potsdam - Jetzt hat der neue BER-Airport, wo die Eröffnung für den 31.Oktober 2020 zumindest offiziell angekündigt ist, die Nase vorn: Das neue Schiffshebewerk in Niederfinow (Barnim) hingegen, das ursprünglich bereits 2014 fertig sein sollte, und dann auf jeden Fall vor dem BER, wird nicht vor dem Jahr 2021 den Betrieb aufnehmen können. Ja, und selbst auf einen Eröffnungstermin legt sich Rolf Dietrich, der Leiter des Berliner Wasserstraßen-Neubauamtes (WNA) nach den bisherigen Erfahrungen lieber nicht fest. „Den Termin für die Verkehrsfreigabe werden wir erst nach erfolgreichem Probebetrieb festgelegen“, erklärte Dietrich am Montag auf Anfrage. „Aktuell rechne ich mit dem Beginn des Probebetriebes im Sommer 2020.“

Die Gründe für die Verzögerungen sind ähnlich, wie beim BER

Diesen Sommer also, später als geplant – eine zuerst von der „Bild“-Zeitung publik gemachte Verzögerung, wieder eine, wie so oft seit der Grundsteinlegung 2009. Eigentlich hatte, zuletzt, der Probebetrieb 2019 starten sollen. Und auch die frühere Zuversicht der Verantwortlichen, es vor dem BER zu schaffen, schwindet. Es geht um eine Großbaustelle, die technologisch vielleicht noch anspruchsvoller ist: Neben dem alten Schiffshebewerk in Niederfinow aus dem Jahr 1934 wird ein neuer Riesenfahrstuhl für Binnenschiffe errichtet, mit dem ein Höhenunterschied von 36 Metern zwischen der Oder und dem Oder-Havel-Kanal überwunden wird. Künftig werden moderne, lange 110-Meter–Schiff in den wassergefüllten Stahltrog passen, im alten ist die Länge auf 82 Meter begrenzt. WNA-Chef Dietrich hat sich daran gewöhnt, dass der Bau mit dem BER verglichen wird, also macht er es gleich selbst. Der Grund für die Verzögerungen? Die Probleme seien ja ähnlich, sagt er. Er nennt „Ausführungsprobleme, Nachunternehmerinsolvenzen und zunehmend auch Fachkräftemangel.“ Ob es mit dem Probebetrieb im Sommer etwas wird, entscheidet sich nach seinen Worten in einigen Wochen: „Voraussichtlich ab Februar 2020 wird der Trog des neuen Hebewerkes dann erstmals um wenige Meter hoch gefahren“, erläutert Dietrich. Das sei Voraussetzung für den Einbau des so genannten „Unteren Andichtrahmens“, des letzten großen Maschinenbauteils. Es sorgt dafür, dass der Trog später andockt, ohne das Wasser herausläuft.

Das Hebewerk kostet 300 Millionen Euro

Und doch gibt es Unterschiede zum BER, wo sich die Kosten verdreifacht haben, vor allem diesen: „Unser Budget musste zuletzt zur Auftragsvergabe vor zehn Jahren aufgestockt werden“, sagt Dietrich. Auf damals 300 Millionen Euro, bei denen es blieb. „Wir haben einen Generalauftragnehmer. Das ist anders als am Flughafen.“ Und noch etwas ist anders, der Umgang mit der Zeit. „Priorität hat, dass das neue Schiffshebewerk genauso zuverlässig funktioniert wie das alte“, so Dietrich. „Der Fertigstellungstermin ist nachrangig.“ Man gehe kein Risiko ein, da sonst die Wasserstraße „tot“ sei. Um jedes Risiko für die wichtige Ost-West-Wasserstraße auszuschließen, werden nach einer Inbetriebnahme das alte und das neue Schiffshebewerk noch fünf Jahre – so lange läuft die Gewährleistungsfrist – parallel in Betrieb sein, während bekanntlich kurz nach BER-Eröffnung der Flughafen Tegel geschlossen werden soll. Das alte Schiffshebewerk, ein technisches Denkmal, wird also noch mindestens bis 2025 seinen Dienst tun. Und deshalb wird dort auch, bei laufendem Betrieb, immer wieder gebaut. Mal müssen Stahlseile ausgewechselt oder wie jetzt der obere Andichtrahmen ausgewechselt werden, damit der Trog dicht hält. Wenn das alte Hebewerk stillgelegt wird, bleibt es als Wahrzeichen und Denkmal in der Landschaft. „Ein Rückbau“, sagt Dietrich, „ist nicht vorgesehen.“ 

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