S-Bahn Erweiterung im Westen : Anschlussfahrschein

Die rot-rot-grüne Koalition in Berlin will eine S-Bahn von Spandau über Falkensee nach Nauen. Das Interesse ist enorm.

Rainer W. During
Eine S-Bahn von Spandau über Falkensee nach Nauen wünschen sich viele. Britta Pedersen/dpa
Eine S-Bahn von Spandau über Falkensee nach Nauen wünschen sich viele. Britta Pedersen/dpa

Berlin/Falkensee - Sie wollen jetzt wirklich den Takt erhöhen. Die S-Bahn soll im Westen weiter nach Brandenburg rollen, an den Stadtrand, nach Nauen und nach Falkensee – wo die S-Bahn ab 1951 zehn Jahre lang hinfuhr. Die Pläne des Wiederaufbaus sind alt, viele Bürger skeptisch-genervt („Ich glaub’s erst, wenn der erste Bagger am Bahndamm steht.“), und dennoch: Das Interesse ist enorm.

Die rot-rot-grüne Koalition in Berlin will also Tempo machen mit der S-Bahn von Spandau über Falkensee nach Nauen. Die Wiederaufnahme der Strecke ins Havelland in Form einer Express-S-Bahn steht vor der Potsdamer Stammbahn, der Kremmener Bahn sowie der Stammstrecke der Heidekrautbahn einschließlich der Weiterführung bis Gesundbrunnen an erster Stelle eines Forderungskataloges, den SPD, Linke und Grüne im Berliner Abgeordnetenhaus eingebracht haben.

Senat soll alle erforderlichen Schritte einleiten

Der stellvertretende Vorsitzende des Verkehrsausschusses, Daniel Buchholz (SPD), hat dafür nach vergangener Ablehnung inzwischen auch Bereitschaft auf Brandenburger Seite ausgemacht, wie er am Mittwochabend auf einer Diskussionsveranstaltung des Bundestagsabgeordneten Swen Schulz (SPD) betonte. Mit dem Antrag wird der Senat aufgefordert, „alle erforderlichen Schritte“ zu unternehmen, um die Wiederinbetriebnahme der Strecken voran zu bringen.

Dass Verkehrsthemen den Spandauern „auf den Nägeln brennen“, hat Swen Schulz wieder im laufenden Wahlkampf bemerkt. Die Regionalbahnen sind jeden Morgen und jeden Nachmittag überfüllt, das BVG-Busnetz ist am Limit, jede Ausfallstraße eine potentielle Staufalle.

Bis 2022 soll der Takt verdichtet werden

Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos) hatte den Korridor zwischen Spandau und Nauen bereits im Frühjahr als „Prioritätsstrecke“ bezeichnet. Allerdings handelt es sich aus Sicht der Senatsverwaltung um ein langfristiges Projekt – zunächst wolle man versuchen, mit der Neuausschreibung des Regionalverkehrs 2022 dessen Takt zu verdichten. Buchholz fordert dagegen mehr und längere Züge möglichst schon zum Fahrplanwechsel im Dezember.

Der stellvertretende Landesvorsitzende des Deutschen Bahnkundenverbandes (DBV), Jochen Bona, forderte, einen zusätzlichen S-Bahnhof südlich der Charlottenburger Chaussee einrichten – dort, gleich zwischen Ikea und der Polizeiakademie, rollt die S-Bahn über eine Brücke. Idee des Verbandes: Bis zum neuen S-Bahnhof bei Ikea sollte auch gleich die U-Bahnlinie U2 verlängert werden, die bislang in Ruhleben endet.

Für Daniel Buchholz waren das alles „ambitionierte Zukunftsvisionen“, die sich aber nur langfristig realisieren ließen. Deshalb wolle man jetzt die S-Bahn ins Umland vorantreiben und angesichts der 10.000 bis 15.000 im Raum Haselhorst (Wasserstadt, Insel Gartenfeld) entstehenden Wohnungen die Reaktivierung der S-Bahntrasse der einstigen Siemensbahn von Jungfernheide nach Gartenfeld vorantreiben.

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