„Regional ist das neue Bio“ : Wie steht es um Brandenburgs Wochenmärkte?

Käse vom Bauern aus dem Umland und nebenbei ein Plausch mit dem Erzeuger - Wochenmärkte in Brandenburg sind auch ein sozialer Ort. Aber macht der Onlinehandel ihnen Konkurrenz?

Christian Bark
Der größte Markt Potsdams ist am Bassinplatz.
Der größte Markt Potsdams ist am Bassinplatz.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Wochenmärkte haben in Brandenburg gute Aussichten, in Zukunft bestehen zu bleiben oder noch zu wachsen. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Dort treffen Regionalität der Produkte und Kommunikationsbedürfnis der Kunden besonders oft aufeinander“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg (HVBB), Nils Busch-Petersen. Er sieht für den klassischen Wochenmarkt auch künftig eine wachsende Bedeutung im Land. Wichtig sei es für Händler jedoch, sich zu spezialisieren - beispielsweise auf regionale Produkte.

Wochenmärkte sind auch ein Testfeld für Produkte

„Regional ist das neue Bio“, sagt Busch-Petersen. Gerade Erzeugern biete der Wochenmarkt ein gutes Testfeld für ihre Produkte. Die Kombination von Regionalität, Qualität und Erlebnis sichere auf Dauer die Kunden. Für den einen oder anderen „Klimbim-Stand“ sehe er hingegen keine Zukunft. „Da locken die Händler online oder die Discounter mit ihren Angeboten“, sagt der Hauptgeschäftsführer.

„Wochenmärkte werden auch in Zukunft ein fester Bestandteil in der Gesellschaft sein“, ist auch Bernd Gellesch überzeugt. Seine Agentur betreibt Wochenmärkte in Berlin und Brandenburg, unter anderem in Perleberg (Prignitz), Birkenwerder (Oberhavel) und Strausberg (Märkisch-Oderland). Discounter aller Art könnten einfach nicht das Besondere eines Wochenmarktes bieten.

„Wir haben keine Angst vor Bioläden oder Onlinehandel. Das sind für uns zum Teil ganz andere Käufergruppen, die aber trotzdem auf den Wochenmarkt gehen“, sagt Gellesch. Er erhalte zudem immer wieder Anfragen von Kommunen, ob seine Agentur nicht dort einen Wochenmarkt abhalten könne, nachdem eine Altstadt durch das Ansiedeln von Supermärkten „kaputt gemacht“ worden sei.

In Potsdam sind die Marktgebühren stabil geblieben

Wenn in manchen Kommunen der Marktbetreiber wechselt, können die Standgebühren plötzlich enorm steigen, berichtete Busch-Petersen. Das vergraule viele Händler. Doch es ist nicht überall der Fall. „Die Standgebühren sind in den letzten Jahren nicht teurer geworden“, sagt Gellesch mit Blick auf seine Märkte.

Auch in der Landeshauptstadt Potsdam seien die Standgebühren in den vergangenen Jahren stabil geblieben, ebenso die Zahl der Händler, sagt Stadtsprecher Markus Klier. Auf Potsdams größtem Wochenmarkt, „Am Bassin“, seien gut 100 verschiedene Händler vertreten - darunter viele Obst- und Gemüsehändler, aber auch Textilanbieter. Dazu gebe es diverse Fleischer, Lebensmittel- und Blumen- sowie Käsehändler.

Der Potsdamer Sprecher bestätigte den Wochenmärkten in der Stadt ebenfalls gute Zukunftsaussichten. „Die traditionellen Wochenmärkte haben eine weitreichende Geschichte und somit auch in bestehender Konkurrenz mit diversen Lebensmittelhändlern eine Zukunft“, sagte Klier. Gerade die Stammkunden schätzten ihre „Händler des Vertrauens“, die oft auch zugleich die Erzeuger seien. Aber auch in Cottbus und Frankfurt (Oder) sind die Wochenmärkte fester Bestandteil des Stadtbildes. (dpa)