• Rechtsextreme im Wachschutz: Brandenburger Neonazis unterwandern Sicherheitsdienste

Rechtsextreme im Wachschutz : Brandenburger Neonazis unterwandern Sicherheitsdienste

Das Innenministerium beobachtet eine starke Konzentration von Rechtsextremen in Wachschutzunternehmen: 13 Sicherheitsfirmen in Brandenburg sind durch ihre Kontakte zur rechtsextremistischen, Rocker- oder Hooliganszene aufgefallen.

Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Potsdam - Rechtsextreme bemühen sich gezielt um Arbeitsstellen im Brandenburger Bewachungsgewerbe. In Einzelfällen gründeten Neonazis sogar ein eigenes Gewerbe. Das geht aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linke-Abgeordneten Andrea Johlige und Matthias Loehr hervor. 

„Dieses Tätigkeitsspektrum bietet Rechtsextremisten eine Vielzahl von Möglichkeiten, rechtsextremistisches Gedankengut in den öffentlichen Raum zu transportieren oder repressiv auf Andersdenkende und auf Bürger ausländischer Herkunft einzuwirken“, heißt es in der Antwort. Eine Arbeit im Wachschutz sei für Rechtsextremisten auch aufgrund der Uniformierung und der Bewaffnung sowie der Ausübung von Macht und Dominanz attraktiv. Zudem sei keine langjährige Ausbildung erforderlich.

Insbesondere im Raum Cottbus bestehen diese Verflechtungen. Darauf hat der Verfassungsschutz mehrfach hingewiesen. Der Brandenburger Polizei lägen Erkenntnisse zu insgesamt 20 Sicherheitsunternehmen vor, die im Süden des Landes aktiv seien, heißt es in der Antwort auf die parlamentarische Anfrage. Davon seien 13 Firmen auffällig geworden, bei denen es Personenüberschneidungen zur rechtsextremistischen, Rocker- oder Hooliganszene gebe. 

Wachschutzunternehmen in der Kritik

Zuletzt war wie berichtet ein Wachschutzunternehmen nach einer Attacke auf Afghanen in Cottbus in Verdacht geraten, rechtsextremistisch unterwandert zu sein. Die Flüchtlinge waren am Neujahrsmorgen von einer Gruppe Deutscher bis zu ihrer Unterkunft verfolgt worden. Zwei Wachschützer hätten den Opfern nicht geholfen, sich in Sicherheit zu bringen, berichtete die Initiative „Cottbus schaut hin“ unter Berufung auf Zeugenaussagen. Über eine rechtsextremistische Gesinnung der Security-Leute sei nichts bekannt, hatte die Polizei Cottbus anschließend mitgeteilt. 

„Wir haben hier ein massives Sicherheitsproblem“, sagte die innenpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Ursula Nonnemacher, am Mittwoch. Die Zuverlässigkeit von Wachschützern, die unter anderem die Sicherheit von Flüchtlingsunterkünften zu gewährleisten haben und mitentscheiden, ob gewaltbereite Szeneangehörige Zutritt zu Fußballstadien erhalten, sei Grundvoraussetzung, um solche Personen anzustellen.

Neonazis in Kampfsportclus und auf Mixed-Martial-Arts-Turnieren 

Neben dem Wachschutzgewerbe haben auch Kampfsportclubs weiter eine hohe Anziehungskraft auf Neonazis. „Zahlreiche Rechtsextremisten trainieren in Vereinen, lassen sich in Workshops in Selbstverteidigungstechniken schulen oder nehmen sogar an Mixed-Martial-Arts-Turnieren als Kämpfer teil“, schreibt das Ministerium.

Derzeit lägen jedoch keine Hinweise vor, wonach Rechtsextremisten gezielt versuchen, bestehende Kampfsportclubs zu unterwandern. Die Kampfsportgruppe „North Side Crew“ in Lübben (Dahme-Spreewald) allerdings werde durch den Verfassungsschutz als „rechtsextremistischer Personenzusammenschluss“ bewertet.

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