• „Rate mal, wer dran ist?“: Polizei warnt vor Enkeltrick-Betrugsmasche

„Rate mal, wer dran ist?“ : Polizei warnt vor Enkeltrick-Betrugsmasche

Fälle, in denen sich Betrüger am Telefon als angebliche Verwandte oder Polizisten ausgeben, häufen sich in Brandenburg. Im Visier der Täter sind ältere Menschen.

Anna Kristina Bückmann
Betrüger suchen im Telefonbuch gezielt nach älter klingenden Vornamen.
Betrüger suchen im Telefonbuch gezielt nach älter klingenden Vornamen.Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Potsdam - Immer wieder fallen auch in Potsdam viele ältere Menschen auf den sogenannten Enkeltrick herein. Von 285 gemeldeten Fällen in ganz Brandenburg im Jahr 2015 stieg die Zahl bis 2018 auf 349 an, wie das Polizeipräsidium Brandenburg mitteilte. Für 2019 sollen vor Veröffentlichung der Polizeilichen Kriminalstatistik keine konkreten Zahlen genannt werden. Allerdings seien es rund zehn Prozent weniger als im Vorjahr.

Betrüger suchen im Telefonbuch gezielt nach älteren Vornamen

Entwarnung bedeutet das für Kriminalhauptkommissar Christian Schmidt aus dem Präventionsbereich des Präsidiums aber nicht: „Die Täter können hier mit möglichst wenig Aufwand ein schnelles Geschäft machen. Das spricht sich in den kriminellen Kreisen herum. Das Phänomen „Enkeltrick“ wird uns wahrscheinlich noch sehr lange beschäftigen.“

Beim Enkeltrick rufen Betrüger bei älteren Menschen an und geben sich als Verwandte aus, die dringend Geld benötigen. Dazu gehen die Täter das Telefonbuch durch und suchen gezielt nach älteren Vornamen, erklärte Polizist Schmidt. Haben sie ihr Opfer am Telefon, fragen die Betrüger häufig: „Rate mal, wer dran ist?“, um so den Namen eines Verwandten heraus zu bekommen. Nennt der Angerufene dann einen Namen, verkaufe sich der Anrufer als derjenige und tische den Menschen eine Lügengeschichte auf, um an Geld zu kommen, weiß Schmidt. „Die Täter sind sehr gut darin, zu manipulieren.“ Nach Angaben des Präsidiums agieren in der Regel mehrere Täter zusammen.

Im Jahr 2018 ergaunerten Betrüger auf diesem Wege fast 260.000 Euro

Ähnlich läuft es beim Trick mit dem falschen Polizisten, auf den ältere Menschen in Brandenburg nach Polizeiangaben immer häufiger hereinfallen. 2018 zählten die Ermittler des Landeskriminalamtes 157 registrierte Fälle, 2015 waren es gerade einmal 19. Für 2019 sollen ebenfalls noch keine Zahlen bekannt gegeben werden - aber laut Präsidium geht der Trend hier nach oben.

257.502 Euro erbeuteten Betrüger allein im Jahr 2018 durch diese Masche. 2017 waren es über 80.000 Euro. In einem Fall warf eine Frau aus Velten (Landkreis Oberhavel) das Geld zwecks „Übergabe“ aus dem Fenster. Ein angeblicher Polizist hatte die Frau angerufen und erklärt, die Polizei wolle ihr Geld sicherstellen, weil Diebe bei ihr einbrechen könnten. Die alte Dame glaubte dem Anrufer und hob mehrere tausend Euro von ihrem Konto ab - um sie dann aus dem Fenster zu schmeißen. Unbekannte holten das Geld ab.

Die Betrüger setzen auf die Wirkung von Autoritätspersonen

An einen anderen Fall aus dem vergangenen Jahr erinnerte sich Polizeihauptkommissar und Leiter der Pressestelle im Präsidium, Mario Heinemann. Betrüger hätten einen älteren Mann dazu gebracht, 350.000 Euro in Gold umzutauschen und es ihnen auszuhändigen.

Warum fallen Menschen auf solche Tricks rein? Christian Schmidt glaubt, dass es vor allem auch an der Wirkung von Autoritätspersonen wie Polizisten und Staatsanwälten liege, die diese auf ältere Menschen ausübten. „Ruft ein Polizist an und ist die Geschichte plausibel, sind die Menschen in einem Film. Und dann ist es schwierig, da wieder rauszukommen“, sagte Schmidt.

Polizei rät: Zumindest den Vornamen aus dem Telefonbuch löschen

Um Enkeltrickbetrügern zu entgehen, rät Schmidt dazu, zumindest den vollen Vornamen aus dem Telefonbuch löschen zu lassen. Daneben sollten Telefonnummern von Verwandten im Telefon gespeichert werden. „Schauen Sie immer auf das Display - welche Nummer ruft an?“ Auch sollten keine Informationen über finanzielle oder familiäre Verhältnisse ausgeplaudert werden.

Im Zweifel auflegen und den Verwandten oder die Polizei zurückrufen

Und beim falschen Polizisten rät Schmidt dazu: „Legen Sie auf und rufen sie die „richtige“ Polizei unter 110 oder die nächste Polizeidienststelle im Umkreis an und vergewissern sie sich, ob der geschilderte Fall zutrifft.“ Ein Anruf bei dem Verwandten, der angeblich am Telefon ist, helfe, Betrügern nicht auf den Leim zu gehen. Schmidt plädierte auch für mehr Selbstvertrauen bei älteren. „Auch die Polizei kann warten.“

Betroffene sollten Anzeige bei der Polizei erstatten. Nur so könnten Fälle verfolgt werden. Die Aufklärungsquote bei den Betrugsmaschen ist sehr niedrig. So konnten von 349 gemeldeten Fällen 2018 lediglich drei Fälle aufgeklärt werden. Bei der Masche mit dem falschen Polizisten konnten laut Polizei von 157 Fällen 36 aufgeklärt werden. Immerhin blieb es in 121 Fällen beim Versuch. (dpa)

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