Protest gegen die Kreisreform : Ein Beamter geht baden

Aus Protest gegen die Kreisgebietsreform schwimmt ein Herzberger zwei Tage in der Schwarzen Elster.

Sandra Dassler
Startklar. Im Schwimmbad Herzberg hat Karsten Eule-Prütz geübt.
Startklar. Im Schwimmbad Herzberg hat Karsten Eule-Prütz geübt.Foto: privat

Plessa/Potsdam/Herzberg - Am Anfang wird er nur durch braune Brühe kraulen. Das hat zumindest für sich, dass er Wasserratten, Bisams, Biber und sonstiges Getier nicht sieht. Später, hinter Bad Liebenwerda, wird manches klarer. Dennoch würden die meisten Menschen wohl nicht mit ihm tauschen.

Doch außergewöhnliche Umstände erfordern außergewöhnliche Maßnahmen – davon ist Karsten Eule-Prütz überzeugt. „Wenn man sich mit einem Plakat auf den Marktplatz stellt, nimmt das doch keiner mehr zur Kenntnis“, sagt der 48-jährige Verwaltungsangestellte. Und weil er möchte, dass man (nicht nur) seinen Protest gegen die Kreisgebietsreform in Brandenburg wahrnimmt, will er am 28. und 29. August ins Wasser gehen.

50 Kilometer in zwei Tagen

Oder besser gesagt: die Schwarze Elster hinunterschwimmen. „Von Plessa, wo der noch existierende Landkreis Elbe-Elster beginnt, bis zur Noch-Kreisstadt Herzberg sind es etwa 50 Kilometer“, sagt Eule-Prütz: „Ich habe dafür zwei Tage eingeplant, an denen ich jeweils etwa zehn Stunden im Fluss bin. Genau weiß ich es noch nicht, es kommt auch auf die Strömungsgeschwindigkeit an. Und vor mir hat das offenbar noch keiner getan.“

Warum auch? Die Wasserqualität in der Schwarzen Elster, die im Lausitzer Bergland entspringt, durch Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt fließt und nach knapp 199 Kilometern in die Elbe mündet, lädt nicht gerade zum Baden ein. Vor allem am Start in Plessa bringt ein Zufluss aus Floß- und Hammergraben eisenhaltiges Wasser aus den Flächen der Folgelandschaft des Braunkohlebergbaus mit sich. Ökologisch ist das angeblich unbedenklich, Angler beklagen aber seit Jahren einen Rückgang an Fischen. Beim Landesumweltamt heißt es, die braune Brühe verklebe die Kiemen, sei aber für Menschen ungefährlich. Es sei denn, der Schwimmer würde ohnmächtig und ginge unter, dann dürfte es schwerfallen, ihn zu finden.

"Keiner kann uns sagen, was das den Bürgern für Vorteile bringen soll"

Den 48-Jährigen macht das keine Angst. „Ich bin fit“, sagt er: „Ein Freund wird mich im Kanu begleiten und ich werde ja Pausen für den Protest einlegen.“ Er hoffe, dass ihn die Bürgermeister der am Fluss liegenden Orte unterstützen, denn der Elbe-Elster-Kreis würde mit der Kreisgebietsrefren: „Wir sollen mit dem ebenfalls strukturschwachen Landkreis Oberspreewald-Lausitz fusionieren, aber keiner kann uns sagen, was das den Bürgern für Vorteile bringen soll. Ich finde, der Elbe-Elster-Kreis ist groß genug: Ich brauche zwei ganze Tage, um ihn zu durchschwimmen.“ In der Region teilen viele diese Position. Ob der Protest auch in Potsdam wahrgenommen wird, bleibt abzuwarten. Karsten Eule-Prütz wird er wohl bekannt machen und er gibt offen zu, dass das ein gewollter Nebeneffekt ist. Schließlich tritt der geborene Herzberger als parteiloser Kandidat am 24. September gegen zwei weitere Bewerber bei der Bürgermeisterwahl in seiner Heimatstadt an.

Bereits vor einigen Wochen hat der studierte Verwaltungsprofi, der in jungen Jahren auch schon mal als Feuerspucker auf Mittelaltermärkten auftrat, die Herzberger zum Schwimmen für einen guten Zweck ins Stadtbad eingeladen. Der Erlös kam dem Kinderferienlager des Arbeitslosenverbandes Brandenburg zugute.

„Man kann Menschen bewegen, wenn man selbst vorlebt, was man erreichen kann“, sagt Karsten Eule-Prütz. Ein Motto für seinen ungewöhnlichen Schwimm-Marathon hat er bereits: „Wir gehen nicht unter“. Sandra Dassler

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