• Projekt an Brandenburger Schulen: Lehrer sollen im Umgang mit Rechtsextremismus gestärkt werden

Projekt an Brandenburger Schulen : Lehrer sollen im Umgang mit Rechtsextremismus gestärkt werden

Brandenburger Berufschullehrer sollen sensibilisiert werden, um bei demokratiefeindlichen Schüleräußerungen früh reagieren zu können.

Lehrer sollen sich für Vielfalt und gegen Extremismus in der Schule einsetzen. 
Lehrer sollen sich für Vielfalt und gegen Extremismus in der Schule einsetzen. Foto: Lisa Ducret/dpa

Potsdam - Diese Situation ist eindeutig: Eine Lehrerin kommt ins Klassenzimmer, erblickt auf der Tafel ein hingeschmiertes Hakenkreuz. In dem Fall gilt: Melden, das Schulamt informieren. So steht es in den Handlungsanweisungen des Bildungsministeriums für alle Brandenburger Schulen. Wie aber reagieren, wenn ein Schüler Äußerungen tätigt, die nicht sofort einzuordnen sind, nicht klar ist, ob die Grenze zur Demokratiefeindlichkeit schon überschritten ist? Was tun, wenn ein Schüler Verschwörungstheorien verbreitet? 

Start ist am 24. März 

„Für Lehrer ist es äußerst herausfordernd zu entscheiden, was in welcher Weise zulässig ist“, sagt Ingo Juchler, Professor für politische Bildung an der Universität Potsdam. Oft werde aus Zeitmangel dann auf die „Burgfriedenstrategie“ gesetzt und Äußerungen bewusst ignoriert. Hier setzt das dreijährige Projekt „Starke Lehrer – starke Schüler“ an, bei dem das Bildungsministerium mit der Robert Bosch Stiftung, der Bundeszentrale für politische Bildung und der Universität Potsdam zusammenarbeitet. Start ist am 24. März. Lehrer sollen inhaltlich zu den Themen Demokratiefeindlichkeit und Rechtsextremismus fortgebildet und so befähigt werden, sich mit Schülern, die entsprechendes Gedankengut verbreiten, auseinanderzusetzen. „Rechtsextremismus darf an Schulen keinen Platz haben“, so Bildungsministerin Britta Ernst (SPD). 

Sechs Oberstufenzentren machen mit 

Geplant ist, dass 19 Lehrkräfte und ein Schulsozialarbeiter der Oberstufenzentren Teltow-Fläming, Cottbus, Elbe-Elster, Barnim sowie in Hennigsdorf (Oberhavel) und Frankfurt (Oder) daran teilnehmen. In Sachsen ist diese Qualifizierung bereits umgesetzt worden, in Niedersachsen startete sie 2018.
Das Projekt richte sich zunächst an Berufsschulen, sagt Cemile Giousouf von der Bundeszentrale für politische Bildung. „An Berufsschulen hat politische Bildung einen schweren Stand, dafür bleibt wenig Zeit“, sagt sie. Zudem sei die Schülerschaft an berufsbildenden Schulen sehr heterogen, die Altersspanne der Schüler reiche von 16 bis 30 Jahren. Es gebe Untersuchungen, dass etwa Verschwörungstheorien dort häufiger Verbreitung finden als in anderen Schulformen. „Lehrerinnen und Lehrern, auch und gerade an Berufsschulen, kommt eine Schlüsselfunktion für eine demokratische Schulkultur zu“, sagt auch Markus Lux, Bereichsleiter Globale Fragen der Robert Bosch Stiftung. 

Jugendliche anfällig für Verschwörungstheorien 

Dass in Brandenburg Jugendliche gerade durch die Coronakrise anfällig für Verschwörungstheorien sind, hat die im Februar vorgestellte Jugendstudie 2020 der Universität Potsdam im Auftrag des Bildungsministeriums ergeben. Insgesamt sechs Prozent der Jugendlichen sind der Studie zufolge feste Anhänger von Verschwörungsmythen. Zu den Problemen, die die Studie aufzeige, gehöre die Verbindung von Verschwörungsgläubigkeit und Gewaltbereitschaft, sagte Studienleiter Dietmar Sturzbecher: „Die Pandemie ist ein Radikalisierungsbeschleuniger.“ Anhänger von Verschwörungsmythen seien in der Vergangenheit gewalttätiger gewesen. Die Vorgängerstudie „Jugend in Brandenburg 2017“ hatte zudem ergeben, dass die Anfälligkeit für Rechtsextremismus unter Brandenburger Schülern zugenommen hat. Bei der Befragung stimmten seinerzeit 23 Prozent der Jugendlichen im Alter zwischen zwölf und 14 rechtsextremen Einstellungen zu, bei den 15- bis 17-Jährigen waren es 11,5 Prozent. Antisemitischen Aussagen wie „Die Juden sind selbst schuld, wenn sie gehasst und verfolgt werden“, stimmten 12,8 Prozent aller Befragten zu.

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Die rot-schwarz-grüne Landesregierung hatte im Koalitionsvertrag vereinbart, die politische Bildung an Schulen zu stärken. Geht es nach Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU), müssten Lehrer nicht nur fortgebildet, sondern vor dem Start in die Beamtenlaufbahn auch einem „Verfassungstreue-Check“ unterzogen werden. „Im öffentlichen Dienst hat Rechtsextremismus nichts zu suchen“, sagt auch Bildungsministerin Ernst. Die Lehrerschaft dürfe aber nicht unter Generalverdacht gestellt werden. Ob sie Stübgens Pläne unterstütze, könne sie nicht sagen, da die Details noch nicht vorlägen.

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