• Premnitz (Havelland): Offenbar Brandanschläge auf Wohnungen von Asylbewerbern

Premnitz (Havelland) : Offenbar Brandanschläge auf Wohnungen von Asylbewerbern

UPDATE: Auf zwei Wohnungen von Asylbewerbern in Premnitz (Havelland) sind offenbar Brandanschläge verübt worden. Die Polizei geht von Brandstiftung aus - und nimmt den Vorfall äußerst ernst.

Alexander Fröhlich
Die beiden gesuchten Männer haben sich der Polizei gestellt.
Die beiden gesuchten Männer haben sich der Polizei gestellt.Foto: dpa

Premnitz - In Premnitz (Havelland) hat es in der Nacht zu Dienstag offenbar Brandanschläge auf zwei von Asylbewerbern bewohnte Wohnungen gegeben. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei waren zwei Parterrewohnungen betroffen. An den Balkonen sei versucht worden, Brände zu legen. Auch Balkonmöbel seien in Brand geraten. Die Bewohner hätten die Brände allerdings selbst löschen können. Niemand sei verletzt worden.

Am Dienstagmorgen eilte der Leiter der Polizeidirektion West, Peter Meyritz, nach Premnitz, um sich selbst ein Bild vor Ort zu machen. "Wir gehen von Brandstiftung aus", sagte Polizeisprecher Heiko Schmidt den PNN. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen. Ob es sich um gezielte, fremdenfeindliche Brandanschläge auf die Wohnungen von Asylbewerbern handelte, müsse nun aber noch näher untersucht werden. Ein fremdenfeindlicher Hintergrund könne derzeit nicht ausgeschlossen werden. Es lägen jedoch bislang keine konkreten Hinweise dafür vor. Die Tatort wurden in den Morgenstunden umfangreich abgesperrt. Kriminaltechniker suchten die Bereiche nach Spuren ab.

Das Havelland gilt als Hochburg der Neonazi-Szene in Brandenburg

Beide Tatorte liegen in einer DDR-Plattenbausiedlung rund hundert Meter voneinander entfernt. Gegen 5.30 Uhr hatte ein Anwohner die Polizei alarmiert, dass es eine Stunde zuvor auf einem Balkon einer Nachbarwohnung im Erdgeschoss gebrannt habe. Der Mann selbst hatte den Brand bemerkt und die Nachbarn geweckt. Gemeinsam hätten sie das Feuer gelöscht, hieß es. Gartenmöbel aus Plastik hatten Feuer gefangen und wurden dabei zerstört. Die alarmierten Polizeibeamten stellten dann bei den Ermittlungen im Umfeld an einem Balkon einer anderen, hundert Meter entfernten Erdgeschosswohnung ebenfalls Brandspuren fest. Die Bewohner der Wohnung hatten den Brand nachts um 3 Uhr selbst gelöscht und waren dann wieder schlafen gegangen. Gebrannt hatte ein Teppich, der aus einem Fenster hing. Dabei wurden auch das Fenster und der Balkon beschädigt.

Dass der Direktionschef selbst nach Premnitz fährt, ist ein klares Zeichen, wie ernst die Polizei solche Vorfälle und den geringsten Verdacht auf rechte Anschläge nimmt. Das Havelland gilt bei den Sicherheitsbehörden als Schwerpunkt der rechtsextremistischen Szene in Brandenburg. In Nauen war erst im Frühjahr eine Neonazi-Terrorzelle ausgehoben worden, die für den Brandanschlag auf eine als Asylunterkunft vorgesehene Turnhalle verantwortlich sein soll. Die Halle war im Sommer 2015 bei dem Anschlag komplett zerstört worden. Die Gruppe, deren Kopf der NPD-Funktionär Maik S. ist, wird auch für Anschläge auf das Parteibüro der Linkspartei und auf ein Auto zweier Kommunalpolitiker der Linken verantwortlich gemacht.