Brandenburg : Platzeck: Flughafen „tolle Visitenkarte“

Brandenburgs Regierungschef hält noch Korrekturen bei Flugrouten für möglich

Susann Fischer

Potsdam - Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hat Verständnis für die Proteste gegen die Flugrouten für den künftigen Großflughafen in Schönefeld gezeigt. Er kenne die Sorgen und Ängste vieler Menschen und könne die Gefühle nachvollziehen, sagte Platzeck am Sonntag in Potsdam. Jedoch seien seit der Vorstellung der ersten Detailplanungen der Deutschen Flugsicherung (DFS) vor einem Jahr bereits Verbesserungen erreicht worden.

„Vergleicht man die ursprünglichen Vorstellungen mit dem, was heute auf dem Tisch liegt, so ist eine deutliche Lärmentlastung für viele Menschen festzustellen“, sagte der Regierungschef. Es seien aber weitere Korrekturen möglich. Deshalb habe er sich schriftlich an Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) gewandt.

Platzeck zeigte sich zugleich überzeugt, dass der Großflughafen ein Erfolg wird. Fünf Jahre nach dem ersten Spatenstich für das wichtigste und größte Verkehrs- und Infrastrukturprojekt Ostdeutschlands sei der Bau der Startbahnen abgeschlossen und das Terminal fast fertiggestellt. Um den Flughafen entstünden Hotels und siedelten sich Unternehmen an. Er sei sich sicher, dass der Flughafen für viele Menschen aus aller Welt eine „tolle Visitenkarte der deutschen Hauptstadtregion“ werde.

Grünen-Experte Michael Jungclaus bezeichnete hingegen erneut die Standortentscheidung für Schönefeld als Kardinalfehler. So stadtnah seien wesentlich mehr Menschen von Fluglärm betroffen als anderswo. Vor diesem Hintergrund müsse für den Flughafen ein umfassendes Nachtflugverbot erlassen werden. Auch seien umfangreiche Lärmschutzprojekte in den betroffenen Gemeinden nötig.

Die Proteste gegen die Flugrouten gehen unterdessen weiter. Für kommenden Samstag planen Bürgerinitiativen erneut eine Großdemo in Schönefeld. Bereits am morgigen Dienstag werden Bürgerinitiativen aus Anlass des ersten Jahrestages der Vorstellung der DFS-Flugrouten in Potsdam einen „Protest-Trauermarsch“ veranstalten.

Die DFS hatte am 6. September 2010 Pläne mit abknickenden Flugrouten vorgestellt. Demnach wären wesentlich mehr Regionen von Fluglärm betroffen als zuvor angenommen. Seit der Präsentation gab es bereits zahlreiche Demonstrationen von Tausenden Menschen gegen diese Routen und für ein generelles Nachtflugverbot. Gegen die bisher vorgesehenen Nachtflugregelungen mit etwa 100 zulässigen Flugbewegungen in den Nachtrandzeiten sind Klagen beim Bundesverwaltungsgericht anhängig, über die Ende September entschieden wird.

Susann Fischer

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