• Pläne für 2030 : Kritik aus Brandenburg am Bahnkonzept "Deutschlandtakt"

Pläne für 2030 : Kritik aus Brandenburg am Bahnkonzept "Deutschlandtakt"

Der jüngste Entwurf des Bahnfahrplanmodells "Deutschlandtakt" stößt in Brandenburg auf Kritik. Es gebe weiteren Erörterungsbedarf, teilte das Verkehrsministerium mit.

Manfred Rey
Mit dem Konzept "Deutschlandtakt" stellt die Bahn die Weichen für die Zukunft. Neben Verbesserungen gibt es am vorgelegten Entwurf einer Gutachtergruppe auch Kritik.
Mit dem Konzept "Deutschlandtakt" stellt die Bahn die Weichen für die Zukunft. Neben Verbesserungen gibt es am vorgelegten Entwurf...Foto: Patrick Pleul/dpa

Potsdam - Überfüllte Züge, Verspätungen, schlechte Verbindungen - mit dem Fahrplanmodell „Deutschlandtakt“ soll damit Schluss sein. Ein kürzlich vom Bundesverkehrsministerium vorgelegter zweiter Gutachterentwurf für den Bahnverkehr der Zukunft enthält neben Vorteilen für Brandenburg auch Verschlechterungen im Vergleich zum ersten Plan von Ende 2018. Wie das Verkehrsministerium in Potsdam auf eine Anfrage aus der CDU im Landtag mitteilte, besteht Brandenburg beim Bund auf Korrekturen.

Mit dem neuen Konzept will die Bahn die Zahl ihrer Kunden bis 2030 verdoppeln und mehr Güter von der Straße auf die Schiene verlagern. Die Züge sollen auf den Hauptverkehrsachsen und in der Fläche pünktlicher, öfter und mit besser abgestimmten Umsteigemöglichkeiten fahren. Alle Fernzüge sollen im Stundentakt verkehren; auf den Hauptverkehrsachsen sogar alle 30 Minuten. Durch optimierte Anschlüsse sollen die Reisezeiten deutlich verkürzt werden. Der endgültige Zielfahrplan für 2030 soll im kommenden Jahr vorliegen. Erste Fahrplanveränderungen sollen bereits 2021 in Kraft treten.

Irritationen und Kopfschütteln

Wie es in der Antwort auf die Anfrage heißt, fehlen im zweiten Entwurf zum "Deutschlandtakt" unter anderem die Empfehlungen für bessere Bahnverbindungen in die Lausitz, die das Bundeskabinett mit dem „Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen“ beschlossen hatte. Auch das Moderationsverfahren zur Anbindung Wustermarks (Havelland) an den Regionalverkehr sowie Pläne zur Reaktivierung der sogenannten Potsdamer Stammbahn seien nicht berücksichtigt worden. Änderungsbedarf gebe es auch beim Zugverkehr nach Berlin.

Im ersten Entwurf war der Ausbau der Potsdamer Stadtbahn noch erhalten. Damit sollen Züge aus dem Westen, die heute in Potsdam enden, nach Berlin weiterfahren. Ebenfalls enthalten in dem Papier war der Regionalbahn-Haltepunkt Wustermark, der nach früheren Plänen wegfallen sollte. Erst nach Bürgerprotesten hatte die Landesregierung in einem Moderationsverfahren zugestimmt, dass die Regionalbahn 21 auch künftig in Wustermark hält.

Der zweite Gutachterentwurf löste daher Irritationen und Kopfschütteln bei vielen Brandenburgern aus. Nun sollte die Potsdamer Stammbahn nur noch als S-Bahn verkehren. Wesentliche Verbesserungen im Zugverkehr von Brandenburg nach Berlin sollten wegen der starken Auslastung der Berliner Tunnelröhren der Nord-Süd-Strecken nicht möglich sei. Der Regionalzug 21, sollte nun, wie es heißt, auf "Landeswunsch" nach Berlin-Gesundbrunnen statt nach Wustermark fahren.

Scharfe Kritik vom Fahrgastverband

Nach Ansicht des Verkehrsexperten der CDU-Landtagsfraktion Rainer Genilke hat Brandenburg wesentliche Verbesserungen „offensichtlich nicht angemeldet“. Die Pläne für die Potsdamer Stammbahn hätten aus Brandenburger Sicht nie zur Diskussion stehen dürfen. Berlin habe sich mit dem geplanten Flughafen-Express zu Lasten Brandenburgs durchgesetzt. Der geplante 20-Minuten-Takt des Flughafen-Express verhindert Genilke zufolge bessere Zugverbindungen nach Potsdam und Brandenburg an der Havel. Der Umfahrung Wustermarks habe der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) bei den Gesprächen mit dem Bund „praktisch zugestimmt“.

Harsche Kritik kam auch vom Fahrgastverband Pro Bahn. Der zweite Entwurf für das Bahnkonzept enthalte „gravierende Mängel, die eher dazu führen, dass Brandenburg viel zu wenig vom Deutschlandtakt profitiert“, erklärte der Verband. Bei der Regionalrunde am 12. Juni mit dem Bundesverkehrsministerium hätte Brandenburg seine Vorstellungen stärker einbringen können, sagt Verbandssprecher Karl-Peter Naumann. „Während Baden-Württemberg dort sehr laut aufgetreten ist, waren Brandenburg und der VBB viel leiser.“ Die Fahrpläne müssten stärker aus Sicht der Region betrachtet werden und nicht nur aus der Sicht Berlins.

Auch Genilke forderte die Landesregierung auf, bei den weiteren Verhandlungen zum dritten Gutachterentwurf die Interessen der Brandenburger Bahnfahrgäste stärker zu vertreten. „Fehler, die heute gemacht werden, lassen sich erst Jahre später wieder korrigieren.“ (dpa)