• Opferverein: Mehr rechte Gewalt in Brandenburg Jahrelang war die Zahl rechter Übergriffe rückläufig. Jetzt ist sie wieder gestiegen

Brandenburg : Opferverein: Mehr rechte Gewalt in Brandenburg Jahrelang war die Zahl rechter Übergriffe rückläufig. Jetzt ist sie wieder gestiegen

Potsdam - Die Zahl der rechten Gewalttaten in Brandenburg ist nach Einschätzung des Vereins Opferperspektive zuletzt gestiegen. Im vergangenen Jahr habe es 95 solcher Taten „gegen Menschen und Einrichtungen im Land“ gegeben, teilte der Potsdamer Verein am Dienstag mit. Ein Jahr zuvor waren es 84 gewesen.

Besonders aktiv seien die rechten Gewalttäter im Süden Brandenburgs, vor allem in Cottbus und dem Landkreis Spree-Neiße. Allein in Spremberg habe es im vergangenen Jahr sechs rechte Angriffe gegeben, darunter ein besonders brutaler: Im Mai seien fünf Jugendliche vor einem Jugendklub von mindestens sechs Personen mit Teleskop-Schlagstöcken angegriffen worden. Auch die Redaktion der „Lausitzer Rundschau“ wurde zur Zielscheibe rechter Angriffe.

Bei etwa zwei Drittel der Taten aus dem Jahr 2012 verletzten Rechte laut dem Verein die Angegriffenen, in einem weiteren Viertel der Fälle versuchten sie es oder bedrohten die Opfer. Jeder zweite Übergriff richtete sich gegen Flüchtlinge und Migranten. Weniger Angriffe wurden hingegen gegen politisch Andersdenkende gezählt.

An diesem Freitag stellt Innenminister Dietmar Woidke (SPD) die jährliche Kriminalitätsbilanz mit den Zahlen der Polizei vor, bei der auch extremistische Straftaten eine Rolle spielen. Nach früheren Angaben der Behörden war die Zahl der rechten Gewalttaten seit 2005 zurückgegangen. Im vergangenen Jahr nahm sie aber wieder zu.

Die Zahlen des Opfervereins weichen in der Regel von denen des Ministeriums ab, da die Regierung nur die Straftaten zählt, die bei der Polizei angezeigt werden. Manche Opfer wenden sich jedoch nicht an die staatlichen Stellen. Erst am Montag war ein vom Land finanziertes Forschungsprojekt des Moses Mendelssohn Zentrums zu rechten Morden vorgestellt worden. Dabei sollen seit 1990 in Brandenburg begangene Mordfälle neu aufgerollt werden, bei denen ein rechtsextremistischer Hintergrund vermutet wird, die aber nicht als rechtsextreme Gewalttaten registriert sind.

Laut offizieller Polizeistatistik starben seit der Wende neun Menschen durch rechtsextreme Gewalt. Opferverbände und Initiativen gehen dagegen von mehr als 30 Todesopfern aus. Bundesweit haben Rechtsextreme seit der Wiedervereinigung mindestens 148 Menschen umgebracht. dpa

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