• "Nur eine sinnvolle Lösung: Busse": Schwierige Anreise zum künftigen Tesla-Werk

"Nur eine sinnvolle Lösung: Busse" : Schwierige Anreise zum künftigen Tesla-Werk

Die geplante Tesla-Fabrik ist ohne Auto kaum zu erreichen. Der Nahverkehr muss ausgebaut werden. Tesla hat eine Idee, die sei aber "unsinnig", sagt der Fahrgastverbands Igeb.

Jörn Hasselmann
Das Güterverkehrszentrum (GVZ) Freienbrink in der Gemeinde Grünheide östlich von Berlin. Links ist die Autobahn A10 (Berliner Ring) zu sehen. In dem riesigen Waldgebiet rechts der Autobahn plant Tesla seine Fabrik.
Das Güterverkehrszentrum (GVZ) Freienbrink in der Gemeinde Grünheide östlich von Berlin. Links ist die Autobahn A10 (Berliner...Foto: Patrick Pleul/ dpa

Grünheide – Die Autofabrik, die Tesla in Grünheide bauen will, wird von den mehreren Tausend Mitarbeitern vor allem mit dem Auto erreicht werden. 2800 Kfz-Stellplätze sollen deshalb dort entstehen. Nach Angaben der Brandenburger Landesregierung sind in einer ersten Stufe 3000 Arbeitsplätze geplant, bis zu 8000 könnten es nach einem Ausbau werden. Zu Beginn hätte demnach fast jeder Mitarbeiter einen eigenen Platz. Tesla will das Werk bereits 2021 eröffnen, bis zu 500.000 Elektroautos sollen jährlich produziert werden.
Zwar hat das Grundstück im Wald einen eigenen Gleisanschluss, dieser ist aber nur für die Anlieferung von Teilen und die Abfuhr der fertigen Modelle geeignet. Das Gleis zweigt von der Hauptstrecke Berlin-Erkner-Fürstenwalde-Frankfurt (Oder) ab und führt in das Güterverkehrszentrum Freienbrink, das südlich des Tesla-Areals liegt.

Der Weg mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Tesla-Gelände ist beschwerlich. Sechs Kilometer sind es bis Erkner, von dort fährt die S-Bahn alle zehn bis 20 Minuten nach Berlin und der RE1 alle 30 Minuten. Der RE braucht 32 Minuten bis Hauptbahnhof, die S-Bahn 45 Minuten. Unabhängig von der Tesla-Ansiedlung hat der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg wie berichtet angekündigt, dass der RE1 ab 2022 drei Mal pro Stunde fahren soll. Es ist bereits jetzt die am stärksten frequentierte Regionalexpress-Linie in der Region.

Bisher hält nur jeder 2. RE

Deutlich näher am Tesla-Gelände ist der Haltepunkt Fangschleuse, der mit seinen baufälligen Fachwerkhäuschen völlig aus der Zeit gefallen wirkt, vom nächstgelegenen Punkt des Werksgelände liegt er einen Kilometer entfernt – zu Fuß durch den Wald also bereits zu weit. Derzeit hält wegen der geringen Nachfrage nur jeder zweite RE in Fangschleuse. Hier könnte bei Bedarf natürlich jeder Zug halten, auch im 20-Minuten-Takt. Selbst wenn zwischen den beiden Stationen ein neuer Haltepunkt direkt bei Tesla angelegt würde, könnte man mit diesem nur einen kleinen Teil des riesigen Firmengeländes fußläufig erschließen.

Auf manchen zuletzt veröffentlichten Karten ist diese neue Station bereits eingezeichnet – offenbar ist sie aber nur eine Idee von Tesla, das Brandenburger Wirtschaftsministerium konnte dazu auf Anfrage keine Angaben machen. Eine Zeichnung, auf der die S-Bahn über Erkner bis an die A10 und zu Tesla verlängert wird, wurde von Eisenbahnfans ins Netz gestellt. Und in einem Onlinefachmagazin hieß es: „Die Deutsche Bahn denkt auch schon darüber nach, ihre S-Bahn-Gleise um fünf Kilometer nach Osten zu verlängern.“ Ein Bahnsprecher dementierte dies jedoch energisch.

Über Erkner zum Werk

Nach Einschätzung des Fahrgastverbands Igeb ist die Idee einer S-Bahn zu Tesla „nicht weitsichtig, sondern unsinnig“. Es gebe „nur eine sinnvolle Lösung: Busse“. Diese könnten auf dem etwa 300 Hektar großen Areal an verschiedenen Punkten halten und über die A10 Erkner anfahren. Unmittelbar am Tesla-Gelände liegt die Anschlussstelle Freienbrink. Karten zeigen zudem eine zweite geplante Anschlussstelle am nördlichen Ende des Tesla-Areals.
In Erkner könnten die Mitarbeiter des Autobauers in die S-Bahn und den R1 umsteigen. Beide Linien könnten das problemlos bewältigen, da die Teslamitarbeiter umgekehrt zur Hauptlastrichtung fahren werden – also morgens raus aus der Stadt, nachmittags rein. Bestenfalls würden 50 Prozent der Mitarbeiter mit den Öffentlichen anreisen, schätzt der Fahrgastverband.

Schlechtes Beispiel Dahlewitz

Wie lange die Diskussion um eine Schienenanbindung dauern kann, ist etwas weiter westlich in Dahlewitz zu sehen. Seit 1993 produziert das britische Unternehmen Rolls-Royce dort Flugzeugturbinen. Die Situation ist vergleichbar mit Tesla: 2800 Menschen arbeiten derzeit bei Rolls-Royce, der nächste Bahnhof Blankenfelde ist etwa vier Kilometer entfernt. Seit vielen Jahren wird überlegt, wie das große Gewerbegebiet in Dahlewitz besser angebunden werden kann, bis heute gibt es keine Entscheidung. Das Projekt ist mittlerweile Teil des großen Infrastrukturprogramms „i2030“ der Länder Berlin und Brandenburg. Derzeit fahren viele Angestellte von Rolls Royce mit dem (Klapp-)Rad nach Blankenfelde und steigen in die S-Bahn nach Berlin.
Eine eigene S-Bahn hatte sich in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts Siemens in Berlin gebaut, die sogenannte Siemensbahn von Jungfernheide bis Gartenfeld. Diese war 1980 stillgelegten worden, nun soll sie wieder aufgebaut werden, weil Siemens auf seinem alten Gelände 600 Millionen Euro in einen Hightech-Campus investieren möchte.


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